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StartseiteWirtschaft und GesellschaftFinanz-Start-ups mischen die Bankenbranche auf24.07.2015

GeldanlageFinanz-Start-ups mischen die Bankenbranche auf

Immer mehr große Geldhäuser schließen Filialen, weil Kunden ihre Geldgeschäfte nicht mehr am Bankschalter, sondern am Laptop oder Smartphone erledigen. In Frankfurt am Main hat sich eine virulente Szene sogenannter Fintechs gegründet – Anbieter von Finanzprodukten, die ihre Dienste nur im Internet offerieren.

Von Ludger Fittkau

Die Hochhäuser von Frankfurt am Main und Teile der Altstadt (im Vordergrund) vor Himmel mit Sonnenuntergang (dpa/picture alliance/Arne Dedert)
Hochhäuser der Bankenmetropole Frankfurt: In den Hinterhöfen wächst die Konkurrenz für etablierte Banken. (dpa/picture alliance/Arne Dedert)
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Ein Großraumbüro in einem Hinterhofgebäude im Gallusviertel in Frankfurt am Main. Rund zwei Dutzend Bildschirmarbeitsplätze, ein großer Tisch in einer Nische für das gemeinsame Mittagessen. Wie in einer Bank sieht es hier auf den ersten Blick nicht aus. Doch hier werden Online-Bankgeschäfte geplant und abgewickelt:

"Das ist hier unser Reich. Wir sitzen hier alle zusammen. Wir sind mittlerweile 20 Mitarbeiter, davon fast die Hälfte im IT. Man könnte von außen meinen, wir sind eigentlich eine IT-Firma. Und die andere Hälfte im Customer-Service und Marketing."

Oliver Vins ist einer der Mitgründer von Vaamo – einem der rund ein Dutzend jungen Fintech-Unternehmen in Frankfurt am Main:

"Fintech ist – man muss schon sagen – Modewort momentan. Eigentlich ist es ganz einfach: Es bedeutet 'Finanzen und Technologie' und zeichnet einfach den Trend nach, dass momentan sehr viele neue und junge Unternehmen mithilfe von Technologie klassische Finanzangebote einfach Online über das Internet anbieten."

Vor allem junge Kunden wollen Bankgeschäfte zunehmend ausschließlich über das Internet abwickeln. Das ist das Geschäftsfeld, in das die Fintechs hinein gehen. Ohne Banklizenz – das wäre zu teuer. Denn die wenigsten Fintechs arbeiten bereits profitabel. Für die Bankgeschäfte kooperiert auch Vaamo mit einer lizensierten Bank. Das Geld der Kunden bekommt er nicht zu Gesicht, betont Oliver Vins.

"Es gibt eine magische Grenze bei 40 Jahren. Wir stellen fest, Leute unter 40 und das sind ungefähr 60 Prozent unserer Kunden, kontaktieren uns gar nicht. Sie machen das rein im Internet, ein Konto auf und zahlen Geld rein. Unsere Kunden über 40, die suchen meistens vorher einen Kontaktpunkt mindestens. Also schreiben eine E-Mail, rufen einmal an. Wollen vermutlich wissen, ob es uns wirklich gibt."

Auch die traditionellen Großbanken registrieren aufmerksam, dass junge Kunden zunehmend den Weg über das Internet wählen, um Finanzgeschäfte abzuwickeln. Das gilt auch für Geschäftskunden – vor allem Mittelständler. Deshalb hat sich etwa die Commerzbank inzwischen an drei Fintech-Unternehmen beteiligt. Christian Hoppe hält für die Bank den Kontakt zur Szene:

"Da wir einen Focus auf dem Firmenkundenbereich haben, ist es jetzt nicht nur einfach unser Ziel, die Jungend zu erreichen. Sondern es geht uns auch darum, dass wir auch die nächste Generation der Mittelständler erreichen. Wenn der Senior-Mittelständler abtritt und der junge rückt nach, der wird auch neue Wege gehen. Und der wird auch digitaler sein. Und da muss man auch Produkte anbieten und ich glaube, wir sind da auf dem richtigen Weg. Wir haben aber noch ein bisschen was, was wir verbessern können."

Verbessern muss sich in Frankfurt am Main auch der Austausch zwischen den jungen Fintech-Unternehmen. Vorbild ist da die zurzeit quirligere Szene in Berlin, wo es bereits rund 50 Start-ups in dem Feld gibt, die sich regelmäßig austauschen. Die Frankfurter Goethe-Uni will in der Bankenstadt nun die Lücke füllen. Professor Andreas Hackethal ist dort Lehrstuhlinhaber für Finanzwissenschaft und gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender des Fintech-Start-up Vaamo:

"Wir haben Räume freigemacht, wo wir Fintechs zusammenbringen. Und zwar nicht nur untereinander, sondern eben auch mit Wissenschaftlern. Aber auch mit Vertretern der Praxis, sodass man genau diesen Austausch hat, und zwar permanent. Natürlich, Veranstaltungen gibt es jetzt schon viel, aber nicht diesen einen zentralen Ort, den wollen wir bieten in Frankfurt."

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