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GEMA protestieren

Tausende demonstrierten in Berlin gegen die Preispolitik der Musikverwertungsgesellschaft

Von Luigi Lauer

Demonstranten protestieren in Berlin gegen eine Neuordnung der GEMA-Gebühren.
Demonstranten protestieren in Berlin gegen eine Neuordnung der GEMA-Gebühren. (picture alliance / dpa / Maurizio Gambarini)

Die GEMA hat für das kommende Jahr drastische Preissteigerungen für Clubbetreiber und Partyveranstalter angekündigt. Die Beträge verzehnfachen sich teilweise. Sie käme so teuer, dass viele Clubs schließen müssten, fürchten die Betreiber.

"Ich bin Lotar und ich bin heute euer Anmelder, Anmelder für die Kundgebung: Fair Play, gemeinsam gegen Gemeinheiten."

Soweit Lotar, der Anmelder, mit vollem Namen Lotar Küpper, laut Visitenkarte: Kulturarbeiter und Mitglied im Vorstand von Electrocult, einem Verein zur Förderung der elektronischen Musik und Clubkultur. Gemeinheiten schreiben sie an diesem Abend übrigens mit A I, gema-in wie GEMA. Küpper ist einer der Initiatoren der Demonstration vor der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg, wo die GEMA gestern ein Mitgliederfest feierte. 2000 Demonstranten wurden erwartet, nach mehreren Schätzungen waren es am Ende mehr als doppelt so viele.

"Ich rufe alle Teilnehmer auf, unsere Kultur, unsere Musik, unseren Lebensstil friedlich, freundlich und, insbesondere gegenüber den Mitgliedern der GEMA, sympathisch zu vertreten."

Stein des Anstoßes ist die geplante Gebührenerhöhung für Clubs und Diskotheken. Fast alle Einnahmen aus Clubs sind sogenannte "unverteilbare Gelder", weil die von den DJs gespielte Musik nur selten einem konkreten Urheber zugeordnet werden kann. Diese Einnahmen gibt die GEMA über einen allgemeinen Topf denen, die eh schon am meisten verdienen, also Dieter Bohlen, Herbert Grönemeyer und Co. 65 Prozent der GEMA-Ausschüttungen fließen an fünf Prozent der Mitglieder. Das sind aber selten jene, die in kleinen Clubs gefördert werden. Offenbar reicht der GEMA das noch nicht, schimpft Lotar Küpper:

"Es geht heute um eine Demonstration gegen die GEMA. Die GEMA hat eine Tarifreform veröffentlicht, die 2013 greifen soll, und für unsere Clubszene bedeutet, dass Erhöhungen bis zu 1.200 Prozent zum Tragen kommen, die wir uns schlicht nicht leisten können."

Nicht nur die Klubbetreiber fürchten um ihre Existenz. Die Reform könne alleine in Berlin bis zu 40.000 Arbeitsplätze kosten, so Schätzungen. Die GEMA hält entgegen, das neue System sei gerechter als das bisherige. Gerechter oder nicht: Es wird vor allem eines: teurer. Steffen Hack alias Stoffel ist Betreiber des Watergate, einem der angesagtesten Clubs in Berlin-Kreuzberg direkt an der Oberbaumbrücke.

"Also wir zahlen im Moment 10.000 Flat nach dem bisherigen Tarif, was man noch aushandeln konnte mit der GEMA. Wobei nach dem neuen Tarif, mit Zeitlimit auf fünf Stunden, was Schwachsinn ist, das sind jetzt aber Schätzungen, 200.000 Euro fällig wären."

"Ich würde sagen, dass es Gaga ist, sittenwidrig, es ist Wucher."

Dr. Motte, Erfinder der Loveparade und Vorzeigefigur der Tanzszene, vermutet, hier wollten Interessengruppen ein veraltetes System verteidigen, das der Internet-Ära nicht mehr gewachsen ist.

"Die GEMA ist vom Denken her noch in den 50-er Jahren und nicht mehr zeitgemäß. Tonträgermarkt ist weltweit eingebrochen, auch in Deutschland, und das bedeutet, dass die Einnahmen der GEMA sich auch verringern. Und jetzt versuchen die Lobbyisten innerhalb der GEMA rauszupressen, was geht."

Überraschend, dass auf der Demonstration auch Fahnen der Piratenpartei zu sehen sind. Die waren doch immer dagegen, dass Musik etwas kostet, zumindest im Internet? Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband hat den neuen Vertrag jedenfalls nicht unterschrieben, weshalb sich die GEMA genötigt sah, eine Schiedsstelle einzurichten. Ein ruhiges Sommerfest sieht anders aus ...

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