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Genetisch angereichert

Argentinische Kuh produziert Milch mit Proteinen menschlicher Muttermilch

Von Victoria Eglau

Kühe als Lieferantinnen von Muttermilch.
Kühe als Lieferantinnen von Muttermilch. (AP)

Gentechnik. - In Argentinien gibt eine Kuh mit verändertem Erbgut seit kurzem Milch, die der Muttermilch von Menschen ähnelt. Forschern der Universität San Martín und des Nationalen Instituts für Agrartechnologie, INTA, war es 2010 gelungen, im Labor zwei menschliche Gene in das Genom des Rinds einzufügen. Im April 2011 kam die transgene Klon-Kuh auf die Welt, und seit gut zwei Monaten gibt sie Milch mit zwei Proteinen, die sonst in menschlicher Muttermilch enthalten sind.

"Wir haben die Zellen eines Jersey-Rinds genetisch modifiziert, und aus diesen Zellen einen Embryo geklont. Rosita Isa ist also eine transgene Klon-Kuh","

erklärt Adrian Mutto, Molekularbiologe und Biotechnologie-Experte von der argentinischen Universität San Martín. Genauer gesagt ist Rosita Isa sogar eine doppelt transgene Kuh: die erste der Welt. Denn Mutto und seine zwei Forscher-Kollegen führten zwei menschliche Gene in das Genom des Jersey-Rinds ein. Zwei Gene, die dafür verantwortlich sind, dass menschliche Muttermilch die beiden Proteine Lactoferrin und Lysozym enthält. Das Ziel der argentinischen Wissenschaftler: mit diesen Proteinen eine Kuhmilch herzustellen, die für Menschen gesünder und wertvoller ist als herkömmliche Milch.

""Das Protein Lactoferrin haben alle Säugetiere. Aber im Mensch zeigt nur das menschliche Lactoferrin Wirkung. Wenn wir Muttermilch trinken, bringt Lactoferrin das Eisen aus dem Darm in den Blutkreislauf. Das ist 1000 Mal effizienter als wenn wir Eisentabletten nehmen würden. Aber Lactoferrrin fördert auch das Wachstum der Zähne und die Reifung der Darm-Zellen, und wirkt gegen Bakterien, Viren und Pilze.","

erläutert Wissenschaftler Adrian Mutto die Tugenden des Lactoferrins. Das andere Protein, Lysozym, wirke ebenfalls antibakteriell und funktioniere wie ein Antibiotikum, sagt er.

""Babys haben noch keine Darmflora, und sind daher anfällig für Infektionen des Verdauungstrakts. Aber das Protein Lysozym schützt sie vor diesen Infektionen."

Ein Jahr nach ihrer Geburt wurde Rosita Isa kürzlich zum ersten Mal gemolken – die Wissenschaftler hatten die Milchproduktion hormonell herbeigeführt. Kurze Zeit später stellte das Team von der Universität San Martín und Argentiniens Nationalem Institut für Agrartechnologie erfreut fest, dass die Milch der transgenen Kuh menschliches Lactoferrin und Lysozym enthält. Sechsmal hätten sie Rosita Isas Milch analysiert, berichtet Adrian Mutto – immer war das Ergebnis positiv. Wenn es nach ihm und seinen Kollegen ginge, wird die Muttermilch-ähnliche Kuhmilch einmal im Supermarkt erhältlich sein.

"Wir wissen, dass es viele Kleinkinder gibt, die, aus welchen Gründen auch immer, keine Muttermilch bekommen. Der Mensch ist die einzige Spezies, die die Milch anderer Spezies trinkt. Aber Kuhmilch wurde von der Natur dazu bestimmt, Kälber zu ernähren. Für den Menschen hat Kuhmilch viele Defizite. Wir wollten also eine Milch mit hohem Nährwert für den Menschen, die billig herzustellen ist. Unsere Milch braucht keine Weiterverarbeitung, sie wird einfach gemolken, weswegen sie sehr preiswert sein wird."

Auch für Erwachsene hätte die Muttermilch-ähnliche Kuhmilch Vorteile, sagt Adrian Mutto. Lactoferrin ist zwar nicht das einzige Vehikel für die Aufnahme von Eisen ins Blut, aber das Protein ist eben besonders effizient. Mutto glaubt, dass es mindestens fünf, sechs Jahre dauern wird, bis die angereicherte Kuhmilch eventuell auf den Markt komme. Der Biotechnologie-Experte rechnet mit einem langen Genehmigungsverfahren. Bisher gibt es weltweit noch keine zugelassenen gentechnisch veränderten Lebensmittel aus Tieren. Was Rosita Isas Vervielfältigung angeht, macht sich Mutto weniger Sorgen. Das Forscherteam wird die transgene Klon-Kuh mit einem normalen Bullen ihrer Rasse kreuzen.

"Da die genetische Veränderung in den Chromosomen gespeichert ist, wird sie nach den Mendelschen Regeln vererbt. Das heißt, ein Teil von Rosita Isas Nachwuchs, weniger als 25 Prozent, wird ebenfalls die menschlichen Gene haben, die die Proteine Lactoferrin und Lysozym produzieren."

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