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StartseiteWirtschaft am MittagGenossenschaftsbanken: Gewinner der Schuldenkrise12.03.2012

Genossenschaftsbanken: Gewinner der Schuldenkrise

Volks- und Raiffeisenbanken bauen Marktanteile aus

Mehr als 17 Millionen Deutsche sind Mitglied "ihrer" Bank - und sie haben allen Grund zur Freude: Die genossenschaftlichen Kreditinstitute konnten das Jahr 2011 trotz Schuldenkrise mit soliden Gewinnen abschließen.

Von Philip Banse

Die im Dunst liegenden Hochhäuser der Banken von Frankfurt am Main (AP)
Die im Dunst liegenden Hochhäuser der Banken von Frankfurt am Main (AP)

Trotz Schuldenkrise - die Volks- und Raiffeisenbanken haben im vorigen Jahr fast so viel Gewinn gemacht wie im Rekordjahr 2010. Alle Genossenschaftsbanken zusammen verbuchten nach Steuern einen Überschuss von drei Milliarden Euro – der Rekord wurde um 200 Millionen verpasst. Für das laufende Jahr rechnet der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) mit "einem soliden Ergebnis auf hohem Niveau und einem weiteren Ausbau der Marktanteile". Die Genossenschaftsbanken seien von der Griechenlandkrise und dem Schuldenschnitt nicht massiv betroffen, sagt Vorstand-Mitglied Gerhard Hofmann: "Irgendwann mal" hätten die Genossenschaftsbanken Griechenland-Anleihen im Wert von 400 Millionen Euro gehalten. Den Wertverlust hätten die Genossenschaftsbanken jedoch bereits angemessen in ihren Jahresabschlüssen für 2011 berücksichtigt. Alle diese Griechenland-Anleihen seien zudem vor 2010 erworben worden. Es sei nicht Geschäftsmodell, als Trittbrettfahrer der Staats-Schuldenkrise Gewinne zu machen, sagte der BVR-Präsident Uwe Fröhlich. Er musste aber einräumen, dass sich wohl auch Genossenschaftsbanken an den jüngst von der Europäischen Zentralbank zu Billigst-Konditionen verteilten Milliarden bedient haben – allerdings nur in einem "kleinen einstelligen Milliardenbereich":

"Meine Anmerkung geht ganz klar in die Richtung, dass das eben nicht Teil unseres Geschäftsmodells ist. Man kann das sicher als Zubrot sehen oder unter Gerechtigkeitsgesichtspunkten sagen: Wenn denn alle anderen das machen, dann machen wir da ein bisschen mit, aber das wird uns nicht aus der Krise führen, so ein Verhalten."

Der Lobbyverband der Genossenschaftsbanken forderte die Bundesregierung auf, für gerechte Marktbedingungen der Banken in Deutschland zu sorgen. BVR-Präsident Fröhlich kritisierte etwa die Commerzbank, die vom Steuerzahler mit Milliarden gerettet worden war, für die staatliche Finanzspritze aber keine Zinsen zahle. Das verzerre den Wettbewerb, weil jede andere Bank für so eine Refinanzierung Zinsen zahlen müsste. Ähnliches gelte auch für andere vom Steuerzahler gerettete Banken, klagte Fröhlich:

"Insbesondere wenn – ich will jetzt mal einen Banknamen nennen – die IKB bei Finanztest als der Konditionsspitzenreiter auftaucht, ist das nicht in Ordnung. Es kann eigentlich nicht sein, dass jemand, der auf staatliche Hilfe angewiesen ist, sich nicht entsprechend Mühe gibt, sich auch betriebswirtschaftlich eine Gewinn- und Verlustrechnung vorzulegen, die mit einer schwarzen Zahl endet."

Die Genossenschaftsbanken wenden sich auch gegen Pläne der EU, Verbraucher bei telefonischen Bankgeschäften besser zu schützen. Die Kommission plant, dass Banken telefonische Beratungsgespräche und Order-Erteilungen aufzeichnen müssen. BVR-Vorstandsmitglied Gerhard Hofmann lehnt diesen Plan ab:

"Wir sehen auch keine Notwendigkeit, dass die EU hierzu Vorgaben macht. In keinem uns bekannten Fall hatte eine telefonische Ordererteilung zu einem Problem für Kunden geführt. Wir sehen den Vorschlag der Kommission in diesem Punkt deshalb als Überregulierung an."

Probleme mit telefonischen Orders seien also kein Problem. Klagen über falsche Beratung am Telefon füllen bei Verbraucherschützern jedoch Akten.

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