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StartseiteUmwelt und VerbraucherGentechnik durch die Hintertür27.08.2010

Gentechnik durch die Hintertür

Gen-Fütterung auch in Fleisch und Milch nachweisbar

Fleisch von Tieren, die mit genveränderten Pflanzen gefüttert wurden, muss nicht gesondert gekennzeichnet werden. Angeblich hinterlässt das Futter keine Spuren und wird komplett verdaut. Neueste Analysemethoden widerlegen diese Annahme offenbar.

Von Susanne Lettenbauer

Verbraucherschützer fordern eine Kennzeichnung auch für Produkte von Gen-Fütterungen. (AP)
Verbraucherschützer fordern eine Kennzeichnung auch für Produkte von Gen-Fütterungen. (AP)

Fütterung im Kuhstall. Langsam verschwinden Kraftfutter und Silage in den Mäulern der braunen Rinder. Draußen fährt der Bauer die Gülle aufs Feld. Noch weiß er nicht, dass er mit den herkömmlichen Fäkalstoffen auch winzige Genschnipsel des Futters mitverspritzt. Wenn er später seine Kühe melkt, dürften in der Milch ebenfalls winzige Genschnipsel des Futters enthalten sein.

Davon gehen seit diesem Sommer Forscher aus Italien aus und die deutschen Gentechnikexperten wie Alexander Hissting sind alarmiert:

"Die neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, in Einzelfällen kann man nachweisen, dass Tiere Genprodukte gefressen haben und zwar am Endprodukt. Wir sind leider noch nicht soweit, dass man es routinemäßig, zum Beispiel am Supermarktregal bei der Milchtüte nachweisen kann, aber es zeigt, hier gibt es eine klare Verbindung vom Futtermittel zum Endprodukt."

Die italienischen Forscher untersuchten zwar Ziegen, ihre Ergebnisse könnten deswegen nicht eins zu eins auf Rinder übertragen werden. Trotzdem ist Hissting überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch dieser Nachweis erbracht werden kann:

"Sicherlich ist jeder Tierorganismus ein bisschen anders, in den aktuellen Untersuchungen hat man hat gesehen, dass in Forellen mehr Rückstände zu finden sind als in anderen Tieren. Hier muss man sicher genau schauen, warum. Es gibt derzeit Nachweismethoden, die die Nachweise führen können und andere können dies nicht. Ich denke, das ist eine Frage der Genauigkeit der Untersuchungsmethoden und dann wird man sicherlich in Zukunft das auch in der Kuhmilch nachweisen können."

Professor Heinrich Meyer vom Lehrstuhl Physiologie an der Technischen Universität München-Weihenstephan legte erst vergangenes Jahr eine ausführliche Studie zum Nachweis von transgenen Futtermitteln in tierischen Produkten wie der Kuhmilch vor und fand - nichts:

"Man muss den Befund klar unterscheiden von dem was wir untersucht haben. Ad eins war es völlig klar, dass die Wissenschaft irgendwann dazu kommen wird, dass man Genfragmente auch in Lebensmitteln tierischer Herkunft nachweisen wird."

Meyer winkt ab: Bereits 1999 wurde gezeigt, so Meyer, dass körperfremde Erbsubstanz, also DNA, bei der Verdauung nicht vollständig abgebaut wird, die aktuellen Forschungsergebnisse brächten somit keine neuen Erkenntnisse. Kleinste Fragmente gingen immer in die Zirkulation des Organismus über. Die Erbsubstanz aus Lebensmitteln sei dabei der vierthäufigste Inhaltsstoff. Der Mensch nimmt täglich ungefähr ein Gramm davon zu sich - wertvolle Inhaltsstoffe, so der Lebensmittelforscher, die von immunaktiven Zellen, das heißt, den weißen Blutkörperchen nahezu vollständig zerlegt würden:

"Die werden durch die Verdauung hocheffizient zerlegt und abgebaut, sodass man in der Größenordnung, einmal zehn hoch achtzehn Genschnipsel, so wie es hier in dieser Meldung auch heißt, eben auch in unseren Lebensmitteln aus der Verdauung heraus kriegt."

Gerade bei Kühen sei dieser Abbau hoch effizient aufgrund des Wiederkäuens, sagt der TU-Forscher. Der Gentechnikexperte Alexander Hissting hält dagegen: Heute werden nahezu alle konventionell gehaltenen Tiere mit Genprodukten wie Gensoja und Genmais gefüttert. Nur Biolandwirte verzichten vollständig auf diese Tiernahrung. Beim Verzehr von Schweinefleisch, Geflügel, Eiern, Ziegenmilch und auch Tiefkühlforellen muss der Verbraucher damit rechnen, Erbgut transgener Pflanzen aufzunehmen. Das sei gesundheitlich unbedenklich, zu diesem Schluss kommt nicht nur der TU Weihenstephan Forscher Heinrich Meyer, sondern auch eine Studie der Umweltorganisation Greenpeace. Dringend müssten diese Produkte aber gekennzeichnet werden, um dem Verbraucher aufzuklären.

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