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StartseiteInterviewGeologe Kroonenberg bestreitet menschgemachten Klimawandel22.12.2009

Geologe Kroonenberg bestreitet menschgemachten Klimawandel

Wir können weder "gegen das Klima wie gegen das Wetter" etwas tun

Salomon Kroonenberg, früher Professor an der Universität Delft, bezeichnet sich als Klimarelativist: Der Mensch sei nicht am Klimawandel schuld, auch der viel zitierte Einfluss von CO2 sei gar nicht so sicher. Den Beweis für Kroonenbergs These liefert ihm die Erdklimageschichte selbst.

In den Alpen schmelzen die Gletscher - das taten sie aber auch schon früher, sagt Geologe Kroonenberg (AP Archiv)
In den Alpen schmelzen die Gletscher - das taten sie aber auch schon früher, sagt Geologe Kroonenberg (AP Archiv)

Jochen Spengler: Ein großer Fehlschlag war dieser Gipfel, sagt nicht nur der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber. Nun steuere die Erde auf eine Erwärmung von mehr als drei Grad zu und eine solche Erwärmung sei nur schwer beherrschbar. – Am Telefon jetzt um neun Minuten vor sieben ist einer, der sich selbst als Klimarelativist bezeichnet: Professor Salomon Kroonenberg, Geologe, der bis vor Kurzem an der niederländischen Universität Delft gelehrt hat. Guten Morgen, Herr Kroonenberg.

Salomon Kroonenberg: Guten Morgen!

Spengler: Was ist ein Klimarelativist?

Kroonenberg: Ich glaube nicht so sehr, dass die Menschen das Klima in der Zukunft beeinflussen können. Ich glaube, dass es die zwei Grad Erwärmung, vor der man sich fürchtet, überhaupt nicht geben wird, weil das Klima bisher immer geschwankt hat durch natürliche Prozesse.

Spengler: Die Mehrzahl der Wissenschaftler, Professor Kroonenberg, ist ja nun überzeugt: Erstens es gibt eine globale Erwärmung und zweitens der Mensch ist schuld daran. Um mal jetzt bei Punkt eins zu bleiben: Sie bestreiten also, dass es eine globale Erwärmung gibt?

Kroonenberg: Es gab eine globale Erwärmung bis heute, aber es ist nicht gut gezeigt, dass das wirklich die Schuld der Menschen ist. Wir haben eben eine kleine Eiszeit gehabt bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und seitdem ist die Temperatur angestiegen. Aber solche Wärmeperioden hat es auch in der Vergangenheit gegeben, zum Beispiel im Mittelalter, auch in der römischen Zeit. Da sehen wir, dass die Temperaturen höher waren als jetzt. Es ist für mich also nicht ganz ausgeschlossen, dass das ganz natürliche Prozesse sind.

Spengler: Nun sagt aber doch die große Mehrheit der Klimaforscher, Herr Professor Kroonenberg, und stützt sich dabei auf Temperaturrekonstruktionen, dass es im Mittelalter keineswegs wärmer war als heute und dass die Kohlendioxidkonzentration der Atmosphäre jahrtausendelang konstant war und erst jetzt steigt, seit der Mensch riesige Mengen Kohlenstoff aus fossilen Lagerstätten hinzufügt.

Kroonenberg: Es ist richtig, dass der Mensch sehr viel Kohlendioxid in die Atmosphäre gebracht hat, aber der Einfluss auf das Klima ist gar nicht so sicher, wie viele Wissenschaftler glauben, dass das ist. Zum Beispiel: In den letzten zehn Jahren hat es gar keine Erwärmung gegeben, trotz dass die Menge an Kohlendioxid erheblich angestiegen ist, und auch zwischen 1945 und 1975 hat es eine Abkühlung gegeben, und trotzdem ist das CO2 in derselben Zeit angestiegen. Es gibt also auch andere Prozesse. Das Klima-Panel der Vereinten Nationen sagt, dass das CO2 der wichtigste Faktor ist, aber dann kann ich mir nicht erklären und das Klima-Panel auch nicht, warum die Temperatur in den letzten zehn Jahren trotzdem nicht steigt.

Spengler: Also Sie bestreiten vor allen Dingen, dass der Mensch schuld ist am Klimawandel?

Kroonenberg: Das bestreite ich, das glaube ich nicht und das bestreite ich auch für die Zukunft. Ich glaube nicht, dass der Mensch einfach am Thermostat der Erde drehen kann, um es ein Grädchen wärmer oder kälter zu machen.

Spengler: Was kann der Mensch denn dann tun?

Kroonenberg: Ich glaube, wir müssen uns anpassen. Wir müssen verstehen, dass die Natur immer schwankt und dass wir keine Garantie haben, dass alles stabil bleiben wird. Es war auch in der Vergangenheit nicht stabil. Die Leute, die denken, dass die Natur stabil ist und nur angefangen hat, sich zu ändern, seit es in den Zeitungen steht, die haben nicht verstanden, dass Schwankungen normalerweise das sind, was die Erde birgt.

Spengler: Aber Sie bestreiten nicht, dass die Mehrheit der Wissenschaftler nicht Ihrer Position folgt?

Kroonenberg: Das habe ich gesehen. Doch wenn ich mit vielen Wissenschaftlern persönlich spreche, dann gibt es sehr viel mehr Nuancen, als was in der Öffentlichkeit gesprochen wird. Man sieht auch aus der Korrespondenz der E-Mails der englischen Universität, die ja veröffentlicht worden ist, dass der Kern der Wissenschaft und der IPCC tatsächlich versucht haben, die Erwärmung der letzten Jahre schöner vorzustellen, als es wirklich ist. Ich bin nicht davon überzeugt, dass all die Daten tatsächlich eine einzige Tatsache wiedergeben.

Spengler: Ich will aber noch mal festhalten. Sie bestreiten nicht, dass die Gletscher schmelzen, dass es immer mehr Stürme und Unwetter gibt, dass der Meeresspiegel steigt?

Kroonenberg: Das ist so, aber die Gletscher waren in der römischen Zeit auch kleiner. Das wissen wir, weil jetzt die Reste der Wälder aus der römischen Zeit sichtbar werden, wenn die Gletscher sich zurückziehen. Wir sehen auch, dass der Meeresspiegelanstieg nicht größer ist als im 20. Jahrhundert. Wenn wir das vergleichen mit den Veränderungen in der Umwelt, die wir am Ende der großen Eiszeit gehabt haben, dann sehen wir, die Leute, unsere Vorväter haben das mitgemacht, dass der Meeresspiegel 20-mal so schnell angestiegen ist als jetzt. Wir sehen auch in dieser Zeit, dass der größte Teil der Gletscher schon abgeschmolzen ist. Die Leute gucken durch solch ein schmales Schlüsselloch der Zeit, dass sie gar nicht sehen, wie schnell die Erde sich ändern kann, auch ohne jeden menschlichen Einfluss.

Spengler: Verstehe ich Sie richtig, dass der Mensch das Klima ebenso wenig beeinflussen kann wie das Wetter? Ist das Ihre These?

Kroonenberg: Es ist möglich, dass das CO2 ein kleines bisschen dort gewirkt hat. Aber was man zum Beispiel aus der kleinen Eiszeit sieht, zumal das von allen Wissenschaftlern anerkannt wird, das war primär eine Frage der Sonnenaktivität und nicht des CO2. Wir können nichts dafür, dass die Sonne schwankt, dass es etwa mehr oder weniger Sonnenflecken gibt, dass die magnetische Aktivität der Sonne schwankt. Sie haben recht: ebenso wenig können wir etwas tun gegen das Klima wie gegen das Wetter.

Spengler: Und Sie haben keine Angst, dass Ihr Land, dass Holland absäuft?

Kroonenberg: Holland ist das bestgeschützte Delta der Welt. Ich glaube, wenn wirklich der Meeresspiegelanstieg rascher gehen würde, als wir es jetzt erwarten und ich es erwarte, dann müssen wir vordringlich dort arbeiten, wo die Gefahr am größten ist, und das ist nicht in Holland, sondern das ist in Bangladesch. Die armen Leute machen dort die Deiche mit der Hand. Holland ist geschützt gegen Sturmfluten, wie sie einmal in 10.000 Jahren vorkommen können. Es ist doch sehr gut geschützt.

Spengler: Ihre Thesen entbinden uns nicht von der Verpflichtung, den ärmeren Ländern zu helfen. – Das war der Geologe und Klimarelativist Professor Salomon Kroonenberg. Herr Kroonenberg, danke für das Gespräch.

Kroonenberg: Vielen Dank! Auf Wiederhören.

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