Montag, 20.11.2017
StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Zukunft gehört Anderen08.11.2017

Geplante CO2-Vorgaben für Autos Die Zukunft gehört Anderen

Deutsche Autobauer hielten dank ihrer Lobbyisten wie Außenminister Gabriel oder EU-Kommissar Oettinger am Verbrennungsmotor fest, kommentiert Thomas Otto. Die Branche nütze jede Möglichkeit, aus etablierten Technologien so viel Geld wie möglich herauszuholen. China dagegen führe schon ab 2019 eine E-Auto-Quote ein.

Von Thomas Otto

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Abgase entweichen den Auspuffrohren eines Autos (Jaguar) am 2201.2004 in Frankfurt am Main. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
Abgase entweichen den Auspuffrohren eines Autos in Frankfurt am Main. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
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Es ist – wie so oft in der EU - ein Kompromiss, den die Kommission heute vorgelegt hat. Ein Kompromiss zwischen Klima- und Gesundheitsschutz auf der einen Seite und Wirtschaftsinteressen auf der Anderen. Die Autolobby hat dafür gesorgt, nicht zu stark belastet zu werden. Dem Klimawandel ist das allerdings herzlich egal.

Um 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2021 soll der maximale CO2-Ausstoß der EU-Fahrzeugflotte bis 2030 sinken. Im Durchschnitt der gesamten EU-Fahrzeugflotte wohl gemerkt. Die Vorgaben der EU-Kommission hätten auch deutlich strenger sein können. Vor allem aber lassen sie genug Schlupflöcher, damit sich auch in Zukunft jeder einen schweren Geländewagen kaufen kann, der das nötige Kleingeld dafür hat.

Je sparsamer die Einen, desto dreckiger die Anderen

Umso sparsamere Kleinwagen die Einen bauen, umso dreckiger können die Innenstadt-Panzer der Anderen sein. Denn die Vorgaben für die einzelnen Hersteller bemessen sich am Gewicht ihrer Fahrzeuge. Ein neues Schlupfloch schafft die Kommission für diejenigen, die Fahrzeuge mit null Emissionen oder Hybrid-Konzepten anbieten. Diese Hersteller sollen weniger strenge CO2-Ziele bekommen - als Anreiz für saubere Technologien.

Schon dass die Kommission hier von Null-Emissions-Autos spricht, ist ein Witz. Nirgendwo hält sie nämlich fest, mit welcher Energie diese betrieben werden. Das Elektroauto mit Kohlestrom ist alles andere als sauber. Und am Ende wird damit noch der spritfressende Rennbolide im Programm des Herstellers gerechtfertigt.

Viele Schlupflöcher für die nächsten zehn Jahre

Europas Autobranche habe viel aufzuholen und dürfe den Anschluss nicht verlieren, so die Botschaft der EU-Kommission. Die heute vorgestellten Pläne lassen allerdings viele Schlupflöcher, mit denen Autobauer auch in den kommenden zehn Jahren weiter auf Verbrennungsmotoren setzen können, anstelle in grundlegend andere Konzepte zu investieren.

Und so bekennt die Kommission selbst, dass im Jahr 2030 noch vier von fünf Autos in der EU mit Verbrennungsmotor fahren werden. Die Niederlande werden da bereits weiter sein: Sie wollen ab 2030 die Neuzulassung von Verbrennungsmotoren verbieten. Frankreich und Großbritannien wollen zehn Jahre später folgen. Und außerhalb der EU will China bereits ab 2019 eine Quote für Elektroautos einführen.

Aus etablierten Technologien so viel Geld wie möglich herausholen

Die deutschen Autobauer werden dann – dank der Hilfe ihrer Lobbyisten wie Außenminister Sigmar Gabriel oder EU-Kommissar Günter Oettinger – weiter am Verbrennungsmotor festhalten und nur die Mindestanforderungen in Sachen Klimaschutz erfüllen. Spätestens der Diesel-Skandal hat uns gelehrt: Deutsche Autobauer nutzen wirklich jede Möglichkeit, aus etablierten Technologien so viel Geld wie möglich herauszuholen, bevor sie auf Alternativen umstellen müssen. Die Zukunft gehört Anderen. Zum Beispiel Volvo, die schon 2019 für neue Modelle reine Verbrenner ausmustern wollen.

Thomas Otto  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Thomas Otto (Deutschlandradio / Bettina Straub)Thomas Otto, geboren 1987 in Dresden, studierte in Leipzig Soziologie und Hörfunk. In dieser Zeit arbeitete er unter anderem für den MDR und die Nachrichtenagentur dapd. Nach dem Studium volontierte er beim Deutschlandradio. Seit 2014 berichtet er für die drei Programme von Deutschlandradio aus dem Studio Brüssel.

  

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