• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 13:30 Uhr Zwischentöne
StartseiteInterview"Wir müssen sprachlich abrüsten - auch in den Medien"31.01.2016

Gerüchte und Hass im Netz"Wir müssen sprachlich abrüsten - auch in den Medien"

Im Internet wird Flüchtlingen Cholera angedichtet oder die Tötung von Zootieren. Die Gerüchte seien unglaubliche, unsittliche Gemeinheiten, sagte der ehemalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye im DLF. Dabei spiele auch eine völlig unbeachtete Verängstigung in Teilen der Gesellschaft eine Rolle. Es sei notwendig, über eine Zurückhaltung in der Sprache eines jeden zu diskutieren.

Uwe-Karsten Heye im Gespräch mit Birgid Becker

Uwe-Karsten Heye (imago / Hoffmann)
Uwe-Karsten Heye (imago / Hoffmann)
Mehr zum Thema

Konstantin von Notz "Keine Kapitulation vor rechten Pöblern"

Hasskommentare im Internet Twitter will gegen Online-Hetze vorgehen

Fremdenfeindlichkeit Politiker fordern mehr Zivilcourage gegen Rechts

Heye forderte, Gerüchten, Häme und Hass im Internet weiter Fakten entgegenzusetzen. Die Hetze richte sich ganz gezielt gegen Flüchtlinge. "Da gefriert einem das Blut in den Adern", sagte der frühere Regierungssprecher. Man müsse die unterschiedlichen Motivationen hinter Hass-Kommentaren und Verschwörungstheorien analysieren. Zu der hysterischen Stimmungslage trägt seiner Ansicht nach auch die Spaltung der Gesellschaft in viele arme und wenige reiche Menschen bei. "Das alles muss man zusammendenken", sagte Heye im Deutschlandfunk.

Zugleich müsse die hasserfüllte Form der Auseinandersetzung in Beziehung zu Berichten gesetzt werden, dass sich in islamischen Ländern immer wieder Menschen in die Luft sprengen. In den aktuellen Nachrichten scheine es oft so, als würden solche Attentate "gegenüber" verübt. "Ich glaube, es gibt darüber eine völlig unbeachtete Verängstigung", so Heye. Betroffen von der Hysterie sei nicht nur Deutschland, sondern auch so offene Gesellschaften wie die in Skandinavien. Man dürfe jedoch nicht unterschätzen, dass die Gewalt nicht unmittelbar hier, sondern mindestens 2.000 Kilometer entfernt passiere.

Terroristische Wandlung des Rechtsextremismus

Im Hinblick auf Fremdenhass in Deutschland sagte Heye, es gebe "einen wachsenden Rechtsextremismus, der sich terroristisch wandelt". Rechtsextremisten gingen verstärkt in den Untergrund. Heye resümierte jedoch, er sei "optimistisch genug, dass wir die Niederlage der Eliten von Weimar nicht wiederholen werden". Es existiere eine Gegenöffentlichkeit, eine große Substanz in der Gesellschaft, die der historischen Erfahrung der Deutschen - dem "Nie wieder!" - eine klare Struktur gebe.

Heye ist Mitbegründer der Initiative "Gesicht zeigen!", die sich gegen Rechtsextremismus einsetzt. Sie ermu­tigt laut eigenen Angaben Men­schen, aktiv zu wer­den gegen Frem­den­feind­lich­keit, Ras­sis­mus, Anti­se­mi­tis­mus und rechts­ex­treme Gewalt. Die Nichtregierungsorganisation wurde im Jahr 2000 als Reaktion auf rassistisch motivierte Übergriffe in Deutschland von Heye, Paul Spiegel und Michel Friedman gegründet. Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder ist Schirmherr des Vereins. 

Das gesamte Gespräch können Sie mindestens sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk