Hintergrund / Archiv /

 

Geschichte aktuell: Letzter Akt eines blutigen Abenteuers

Vor 25 Jahren beendete Gorbatschow die sowjetische Afghanistan-Invasion

Von Robert Baag

Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow im April 1986
Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow im April 1986 (picture alliance / dpa / Tass)

Der Einmarsch sowjetischer Soldaten in Afghanistan 1979 markierte den Beginn eines blutigen Krieges. Mit dem Einzug Michail Gorbatschows in den Kreml wendete sich das Blatt. Am 8. Februar 1988 verkündete er das Ende des sowjetischen Engagements am Hindukusch. Knapp zehn Jahre sollte es dauern, bis der letzte sowjetische Soldat das Land verlassen hatte.

Ein Spätherbst, Mitte der achtziger Jahre. Nahe des Salang-Gebirgspasses im Hindukusch, mitten in Afghanistan. Verzweifelt versucht sich ein Nachschub-Konvoi der sowjetischen Armee aus einem Hinterhalt der Widerstandskämpfer zu befreien. Vergebens. Die Mujaheddin, die afghanischen Partisanen gegen die Sowjetbesatzer, schießen die kleine Kolonne erbarmungslos zusammen, einer filmt ausführlich das jämmerliche Sterben der "schurawi", wie sie ihre Gegner verächtlich nennen. Dass es sich bei den meisten dieser Sowjetsoldaten um junge Wehrpflichtige handelt, die hierhin befohlen worden sind und keineswegs freiwillig in Afghanistan kämpfen, das interessiert die Partisanen überhaupt nicht. Allenfalls das westliche Publikum sieht derlei Filmsequenzen, im Fernsehen in den USA, in Europa, in der "Freien Welt", wie es damals üblicherweise hieß. Der "Kalte Krieg" zwischen Ost und West dauert nun schon fast 40 Jahre. Die Menschen hinter dem sogenannten "Eisernen Vorhang", vor allem in der Sowjetunion, erfahren wegen der allgegenwärtigen Zensur in ihren Medien nichts über das wahre Ausmaß dieses Partisanenkriegs. Doch auch sie machen sich ihren Reim auf die Vorgänge in Afghanistan: "Gruz 200", "Fracht 200" – diesen Tarn-Code der Moskauer Militärbürokratie kennt in der UdSSR damals jeder. Viele Soldaten-Familien in den Städten und Dörfern des Riesenreichs fürchten ihn. "Fracht 200" – so heißen im Armeejargon die verlöteten Zinksärge, die aus Afghanistan zurückgeflogen werden: Darin die sterblichen Überreste ihrer Männer, Väter, Verlobten, Söhne oder Brüder. Schon lange, schon über ein halbes Jahrzehnt, geht das so. Begonnen hatte alles kurz nach den Weihnachtstagen 1979.

"Die eigenen Leute haben uns nur an den Mutterflüchen erkannt, die unsere Jungs pausenlos vor sich hin brüllten. Das war so eine Art Verteidigungsreflex bei denen. 'Aha', sollte das heißen, 'hier ist ein eigener Mann'."

27. Dezember 1979 - kurz nach 19 Uhr Ortszeit. In der afghanischen Hauptstadt Kabul hat der Sturm auf den Dar-ul-Aman-Palastkomplex begonnen, in dem sich Hafizullah Amin, der Präsident des Landes, verschanzt hat. Major Michail Romanov vom sowjetischen Geheimdienst KGB befehligt das Kommandounternehmen der Spezialeinheit "Alfa". Sein Auftrag ist klar: Der afghanische Präsident Hafizullah Amin ist zu liquidieren. Die Trauer über Amins gewaltsamen Tod hält sich in Grenzen - national wie international. Er war als blutiger Diktator berüchtigt und verhasst. Doch als kurz darauf Panzer mit sowjetischen Soldaten aus den mittelasiatischen Sowjetrepubliken Turkmenistan und Usbekistan in Afghanistan einrollen und das Land besetzen, ist der Schock groß, ist es weltweit mit der Weihnachtsruhe schlagartig vorbei. US-Präsident Jimmy Carter macht umgehend klar, dass die UdSSR mit ihrer Invasion die internationale Lage nachhaltig verändert hat. Anfang Januar 1980, greift er die sowjetische "Nummer 1", den damals mächtigsten Mann der UdSSR, den Generalsekretär der Kommunistischen Partei, Leonid Breschnjew, öffentlich scharf an:

"Das, was Breschnjew mir antwortete, war völlig unzureichend. Er gab vor, Moskau sei um Hilfe gerufen worden, um Afghanistan vor einer Bedrohung durch ein drittes Land zu schützen. Das war offenkundig falsch. Denn Präsident Amin, der die Sowjets angeblich gerufen hat, wurde nach dem sowjetischen Coup ermordet. Breschnjew hat auch behauptet, dass die sowjetischen Truppen abgezogen werden, wenn sich die Lage stabilisiert habe und die Bedrohung Afghanistans vorüber sei. Das","
so erklärte Carter

""sind für mich unzureichende und irreführende Antworten"."

Nach einer NATO-Ratssitzung noch in den letzten Dezembertagen 1979 erklärt der damalige Generalsekretär Joseph Luns:

""Ich möchte betonen, dass die Sowjetunion damit zum ersten Mal in einem Land außerhalb des Ostblocks ihre Militärmacht so direkt und massiv eingesetzt hat."

"Sobald die Sowjetunion in Afghanistan einmarschiert war, wurden dann natürlich die größten Schreckgespenster an die Wand gemalt von bestimmten westlichen Kreisen","

meint Matthias Uhl, wissenschaftlicher Mitarbeiter am DHI, dem Deutschen Historischen Institut in Moskau. Denn, so Uhl:

""Zum Einen bestand die Gefahr, die man sah: Jetzt marschiert die Sowjetunion zum Indischen Ozean durch, jetzt möchte sie endlich einen Zugang an die Ölquellen bekommen, jetzt möchte sie quasi die Ölströme Asiens und Arabiens kontrollieren - und hier sahen die Amerikaner den eigentlichen Grund zum Eingreifen. Die wollten halt ihre geopolitische und geostrategische Situation weiter stabilisieren und sahen quasi diese durch den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan bedroht, während es der Sowjetunion im Prinzip wirklich darum ging, ihren Einfluss in Afghanistan zu sichern. Sie hat also keine weitergehenden Expansionsziele verfolgt."

In Wirklichkeit aber, so der Moskauer Publizist und Militärexperte Aleksandr Gol'c, habe der verhängnisvolle Entschluss, in Afghanistan einzumarschieren, einen noch viel banaleren Grund gehabt:

"Zu diesem ganzen zehn Jahre andauernden Krieg kam es nur deshalb, weil ein sehr alter Mann - der für Ideologie zuständige Michail Suslov - einem noch älteren Mann - nämlich Leonid Breschnjev - gesagt hat: ‚Genosse Generalsekretär, noch ein Land - Afghanistan - hat jetzt den Weg des Sozialismus eingeschlagen."

Dmitrij Olschanskij - damals in der sowjetischen Außenpolitik zuständig für Afghanistan - nennt einen weiteren Verantwortlichen für den Einmarschbefehl:

"Der damals amtierende Verteidigungsminister, Marschall Ustinov, der gehört in allererster Linie dazu."

Der habe die Interessen des ‚WPK' vertreten, des sogenannten "Militär-industriellen Komplexes" – des Rüstungssektors.

"Generale brauchen den Krieg","

so die Erfahrung Olschanskijs:

""Damit neue Sterne auf die Schulterklappen kommen."

Als entschiedener Gegner des Afghanistan-Abenteuers gilt ausgerechnet Jurij Andropov, damals Vorsitzender des Geheimdienstes KGB, des "Komitees für Staatssicherheit der UdSSR" - noch einmal der Historiker Matthias Uhl:

"Andropov war sehr bewusst - vor allem durch die zahlreichen außenpolitischen Kontakte des KGB - dass diese Invasion einen massiven Imageverlust für die Sowjetunion bedeuten würde. Das schien Andropov als einzigem von Anfang an klar, dass also der Einmarsch das Ende der Entspannungspolitik bedeuten würde, dass eine neue Konfrontationsphase mit den USA beginnen würde. Und er warnte immer wieder vor den politischen Risiken dieses Einsatzes."

Doch: Andropovs Ansicht setzt sich nicht durch. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Schon wenige Tage nach dem sowjetischen Einmarsch, hat sich der afghanische Widerstand formiert, warnt Azimullah Mudschadedi, der Sprecher der "Afghanischen Nationalen Befreiungsfront" die Invasoren aus Moskau unmissverständlich:

"Ja, ganz sicher können wir einen Guerilla-Krieg führen. Wir können eine Menge anderer Dinge tun, die wir hier öffentlich nicht erwähnen können. Aber Sie werden eines Tages in den Nachrichten hören, dass die Russen große Schwierigkeiten bekommen werden, Afghanistan zu unterwerfen. Denn die Russen sollen nicht glauben, dass Afghanistan ein hilfloses Land ist. Oder dass die Nation und ihre religiöse Kraft erlahmt sind. Für einen allgemeinen Volksaufstand oder eine Revolution braucht man keine Panzer, keine Mörser und keine Kanonen und keine schwere Artillerie."

Mudschadedis Prophezeiung wird sich schneller erfüllen, als es sich die greisen Bewohner des Moskauer Kreml vorzustellen vermögen. Die Kriegsführung ist grausam - auf beiden Seiten. Und am stärksten leidet dabei die Zivilbevölkerung. Doch die Sowjetunion verstrickt sich immer tiefer in ihr Afghanistan-Abenteuer. Dann sterben ab Anfang der achtziger Jahre kurz hintereinander ihre Führer, die greisen Generalsekretäre der KPdSU, der Kommunistischen Partei der Sowjetunion: Erst Leonid Breschnjew, dann Jurij Andropov, schließlich Konstantin Tschernenko. Im Vergleich zu ihnen schafft es im März 1985 nachgerade ein Jüngling an die Spitze von Staat und Partei – der damals erst 54-jährige Michail Gorbatschow. Verblüfft verfolgt die Welt bald, wie plötzlich eine frische politische Frühlingsbrise durch die vermuffte, marode UdSSR pfeift: Endlich einmal ein KPdSU-Generalsekretär, der lächelt, der lebhaft ist, gerne kommuniziert und nicht nur mit mürrisch herabgezogenen Mundwinkeln ein stetes "njet" – "Nein!" – hervorstößt.

"Seit dem Krieg gab es im ganzen Westen keine solche Welle der Sympathie gegenüber der sowjetischen Führung und der Sowjetunion."

Erinnert sich Anatolij Tschernjajew, Gorbatschows außenpolitischer Berater, in seinen Memoiren an diese Zeit. Der Grund dafür habe auf der Hand gelegen:

"Alle westlichen Gesprächspartner erwarteten, dass Gorbatschows neue Mannschaft die Wirtschaft in Gang bringen würde, denn davon versprachen sie sich einen Nutzen. – Ihre Hoffnungen waren indes allzu voreilig, denn es galt einen gewaltigen Koloss zu bewegen. (...)Wir waren zehn bis dreißig Jahre im Rückstand, die Landwirtschaft war am Ende, die Behörden waren unfähig, die Kader musste man wechseln (...) - und dann noch unsere ‚internationale Pflicht' in Afghanistan. Wir waren von der Intelligenz unseres Führers entzückt, und hunderttausende Familien erwarteten von ihm, dass er ihre Söhne aus diesem törichten Krieg nach Hause holte."

Doch Gorbatschow und seine Mannschaft müssen gleichzeitig auf vielen wirtschaftlichen, sozialen, innen- und außenpolitischen Baustellen unterwegs sein. Das Erbe aus den Zeiten seiner Vorgänger, der sogenannten Politbüro-"Gerontokraten", wiegt schwer, hängt wie ein Klotz am Bein.

Dann, November 1986, Gorbatschow ist bereits über anderthalb Jahre im Amt, protokolliert Tschernjajew eine Politbüro-Sitzung, bei der wieder einmal "Afghanistan" auf der Tagesordnung steht. Gorbatschow ist wütend, greift die Militärführung offen an:

"Wenn das so weitergeht, müssen wir noch 20 bis 30 Jahre kämpfen! In sechs Jahren haben wir nicht gelernt, einen Krieg zu führen! Immer noch wird überlegt: 'Wo sollen wir unser Panzerkorps aufstellen?' - Dort wird jedoch ein anderer Krieg geführt - wie in Vietnam, Angola und Mozambique. Zu Recht taucht die Frage auf: Machen wir ein Ende oder wollen wir uns militärisch vollkommen blamieren?"

Verblüfft und schockiert zugleich notiert Tschernjajew auch die Antwort des amtierenden Generalstabschefs, des Marschalls der Sowjetunion Sergej Achromejev:

"Wir haben den Kampf um die Unterstützung der Bevölkerung verloren. Die Mehrheit der Afghanen steht inzwischen auf der Seite der Konterrevolution. Wir vernachlässigten die Bauern, sie haben von der Revolution nicht profitiert. Achtzig Prozent des Landes befinden sich in den Händen der Mujaheddin, und dort ist die Lage der Bauern besser als auf staatlich kontrolliertem Gebiet."

Selbst viele marxistisch inspirierte Afghanen, die damals mit Hilfe der Sowjetunion den Sozialismus nach Afghanistan hatten bringen wollen, gestehen heute ihr Scheitern unumwunden ein: Guljam Mohammed etwa, ein nach Moskau ins Exil geflohener, ehemaliger hoher Funktionär der pro-sowjetischen "Chalq"-Partei, zu Deutsch: "Volkspartei", meint später selbstkritisch:

"Unsere Revolutionäre lernten den Marxismus-Leninismus nach den sowjetischen Filmen, die man bei uns in den Kabuler Kinos zeigte. Und dann wollten sie bei uns dasselbe machen, was man dort sah: 'Gegner musst du vernichten! Sonst hast du keine Ruhe.' - Aber: Afghanistan ist nicht Europa! Jeder tote Feind hat hunderte Angehörige, die dem Staat diesen Tod nie im Leben verzeihen werden. - Einen Menschen zu töten, heißt automatisch: Hunderte andere Menschen werden zu Feinden, zu unversöhnlichen Feinden des Staates."

"Wir wollen dort ja keinen Sozialismus. Wir wollen nur vermeiden, dass die Vereinigten Staaten dort Stützpunkte errichten",

protokolliert Anatolij Tschernjajew während jener Sitzung des Moskauer Politbüros Mitte November 1986 das Minimalziel Gorbatschows:

"Solange dort weder Flughäfen, noch Stützpunkte oder Garnisonen entstehen, können die Afghanen sich dort einrichten, wie es ihnen gefällt.(...) Das strategische Ziel lautet: Innerhalb von einem, maximal zwei Jahren ist alles abzuschließen, und die Truppen sind abzuziehen."

Die starren Fronten des Kalten Kriegs behindern Gorbatschows ehrgeiziges Ziel die Sowjetunion umzubauen, Staat, Wirtschaft und Gesellschaft zu modernisieren. "Perestrojka" heißt ab 1987 sein Ziel - ein programmatisches Schlagwort, das rasch weltweit seinen Weg in den damaligen politischen Wortschatz findet. – Am 8. Dezember 1987, ein Jahr nach der Afghanistan-Sitzung des Politbüros, schafft Gorbatschow schließlich einen wichtigen außenpolitischen Erfolg - den Durchbruch im Verhältnis zu den USA. Zusammen mit US-Präsident Ronald Reagan unterzeichnet er die sogenannten "INF-Verträge über nukleare Mittelstrecken-Systeme", mit denen die Vernichtung aller Raketen dieses Typs sowie das künftige Produktionsverbot dieser Waffen festgeschrieben werden. Zwischen Washington und Moskau, den beiden atomaren Supermächten, setzt politisches "Tauwetter" ein. Noch in Washington, kurz nach seiner Unterschrift, verspricht Gorbatschow ehrgeizig:

"Der Vertrag, den wir heute unterschrieben haben, seine Bedeutung, geht viel weiter darüber hinaus, was wir heute direkt unterschrieben haben. Wir haben einen langen Weg zurückgelegt, bevor wir zu dem Vertrag gekommen sind. Wir mussten sehr viele Hindernisse ausräumen. Aber wir haben erst den Anfang erreicht. Obwohl: Wir wissen alle, dass die größte Reise fängt immer mit dem ersten Schritt an."

Doch in Afghanistan stehen immer noch die sowjetischen Interventionstruppen, über hunderttausend Mann, herrscht blutiger Bürgerkrieg. Mit welchen inneren politischen Widerständen Gorbatschow und seine Vertrauten zu kämpfen haben, bis er schließlich am 8. Februar 1988 das Ende des sowjetischen Afghanistan-Engagements verkünden kann, vor allem aber, weshalb er nicht schon früher die "Reißleine gezogen" hat, versucht sein Berater Tschernjajew in seinen Memoiren nachzuzeichnen:

"Weil Afghanistan, wie auch zu Anfang des Abenteuers, als Teil der globalen Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus gesehen wurde und nur aus taktischen Gründen die Kategorie des 'Neuen Denkens' auf den Konflikt angewendet worden war. – Außerdem wurde Gorbatschow (...) von Berichten der obersten und streng geheimen Instanzen des militärisch-industriellen Komplexes von rascheren Maßnahmen abgehalten."

Und so wird noch einmal ein ganzes Jahr vergehen, ehe Generalleutnant Boris Gromov am 15. Februar 1989 mit seiner 40. Armee die Brücke über den afghanisch-usbekischen Grenzfluss Amudarja überquert und anschließend auf Heimatboden meldet:

"Genosse Armee-General! Nachdem die Einheiten des 'Zeitweiligen begrenzten Kontingents der sowjetischen Streitkräfte' ihre Aufgabe, der Republik Afghanistan internationalistische Hilfe zu leisten, beendet haben, sind sie vollständig auf das Territorium der Sowjetunion zurückgezogen worden. Es meldet: Der Armee-Befehlshaber – Generalleutnant Gromov!"

Karen Karagesjan: "Dieser Krieg hat zwei Seiten gehabt: Eine politische und eine militärische, oder: militärisch-wirtschaftliche. - Soweit ich weiß, hat unser Land dieser Krieg jährlich sechs Milliarden Rubel gekostet."

Karen Karagesjan, einst außenpolitischer Mitarbeiter im Zentralkomitee der KPdSU und seit den achtziger Jahren ebenfalls enger Berater von Michail Gorbatschow, zieht eine düstere Bilanz: Knapp zehn Jahre hat es gedauert, bis der letzte sowjetische Soldat das Land am Hindukusch verlassen hat. Etwa fünf Millionen Flüchtlinge werden gezählt. Rund 1,2 Millionen Tote sind zu beklagen - davon etwa 14.000 gefallene Sowjetsoldaten.

Karen Karagesjan: : "Zehntausende - vielleicht Hunderttausende wurden Krüppel. Ich spreche nicht mehr vom psychologischen Faktor. Damals hat man das erst entdeckt. Früher hat man daran überhaupt nicht gedacht. Soldat ist Soldat! Geht in den Krieg, muss entweder verteidigen oder angreifen, wird getötet, sieht Mord, sieht Tod... das hat man gespürt, wenn die Soldaten aus Afghanistan kamen, wie sie psychologisch auch gelitten haben. - Und außerdem, es wurde klar: Die Russen haben ja auch ihre Partisanen im Zweiten Weltkrieg gehabt, dass der Partisanenkrieg, in diesem Fall 'Volkskrieg', nicht zu gewinnen ist."

Der Truppenabzug, die de facto Niederlage der UdSSR in Afghanistan, beschleunigt eine Entwicklung, an die alle Akteure vor einem Vierteljahrhundert offenbar keinen Gedanken verschwendet hatten, worauf auch der Rüstungsexperte Hannes Adomeit von der Berliner "Stiftung Wissenschaft und Politik" hinweist, nämlich:

"Dass die radikal-islamistischen Strömungen Auftrieb bekommen haben im Zuge eben des Kampfes gegen die Invasoren und natürlich - das ist der zweite Gesichtspunkt - dass die USA zum Entstehen der Taliban beigetragen haben. Denn sie haben ja dann über Pakistan im Rahmen des Ost-West-Konfliktes diese religiösen, auch fundamentalistischen Strömungen mit Waffen unterstützt. Sie haben also zusammen praktisch mit der Sowjetunion zu diesem Problem beigetragen, mit dem wir heute alle konfrontiert sind."

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Hintergrund

IndienEin Mann für Wunder

Narendra Modi begrüßt seine Anhänger in Gujarat, Indien.

Auf dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi, der nun seit hundert Tagen im Amt ist, ruhen große Hoffnungen. Aus ganz einfachen Verhältnissen schaffte er bis ganz nach oben. Auf große Reformen hat er aber bislang trotz drängender Probleme verzichtet.

AzubisZu alt, zu schlecht, zu fremdländisch

Zwei Stapel mit Abschluss-Zeugnissen liegen auf einem Tisch.

Obwohl viele deutsche Firmen händeringend nach Auszubildenden suchen, bleiben viele Schulabgänger ohne Lehrstelle. Die Unternehmen klagen über schlechte Bewerber. Aber oft stehen sie sich mit ihren Vorurteilen auch selbst im Weg. Vor allem junge Deutsch-Türkinnen spüren das.

HygienekontrollenVerdreckt, verfault, verdorben

Ein Cheeseburger, aufgenommen in einem Berliner Restaurant.

Ob es sauber in einem Restaurant oder beim Fleischer zugeht, erfährt der Kunde in Deutschland nur selten. Das verhindern derzeit auch noch die geltenden Gesetze. In Dänemark kann der Besucher schon beim Betreten des Geschäfts sehen, wie es dort um die Hygiene steht - nicht nur mit einem Lächeln.

 

Politik

Waffenlieferungen in den IrakDas Parlament bleibt bis zuletzt gespalten

Vor der Debatte zu den Waffenlieferungen an die Kurden zeigt sich der Bundestag weiter uneinig, auch innerhalb der Parteigrenzen. Die Bundesregierung konnte die Kritiker mit ihrem Entgegenkommen nicht überzeugen. Vor allem die Frage, ob deutsche Soldaten in den Irak müssen, bleibt umstritten.

 

Wirtschaft

Matratzen im TestAuf die Abstützeigenschaft kommt es an

Ein Junge schläft versteckt unter einer gestreiften Bettdecke, nur sein Haarschopf ist zu sehen.

Wie findet man die passende Matratze - hart, weich oder irgendwas dazwischen? Die Stiftung Warentest hat diesmal drei verschiedene Typen untersucht - Latex-, Schaumstoff- und Boxspring-Matratzen. Die günstigen Schaumstoffmatratzen schnitten nicht gut ab.

 

Gesellschaft

Maori in NeuseelandRückbesinnung auf alte Traditionen

Ein Maori mit einer typischen Gesichtsbemalung und Grimasse.

Als die Europäer in Neuseeland das Christentum einführten, verboten sie den Ureinwohnern, den Maori, ihre Sprache und Religion. Inzwischen ist Maori sogar die zweite Amtssprache in Neuseeland und vor allem junge Maori interessieren sich wieder für die alte Religion ihres Volkes.