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StartseiteLange NachtGeschüttelt, nicht gerührt12.07.2008

Geschüttelt, nicht gerührt

Die Lange Nacht des Ian Fleming

Er hat einen Auftrag und er hat eine Lizenz, die Lizenz zum töten. James Bond, alias 007, ist zum Inbegriff des Geheimagenten geworden. Sein Erfinder Ian Fleming hätte dieses Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert und er steht seinem Helden in nichts nach.

Von Katharina Palm

Sean Connery und "Bond-Girl" Luciana Paoluzzi bei Dreharbeiten zu "Thunderball" (AP Archiv)
Sean Connery und "Bond-Girl" Luciana Paoluzzi bei Dreharbeiten zu "Thunderball" (AP Archiv)

Als Commander der Naval Intelligence Division, Frauenheld und Genussmensch, war auch ihm das Beste gerade gut genug. Kein Detektiv, kein Spion und auch kein anderer Geheimdienstler versprüht mehr Sinnlichkeit und Manneskraft. Allein die Frage, wer wohl das nächste Bondgirl wird, stellt die erste Riege der Topmodels und Schauspielerinnen weltweit auf den Kopf.

In dieser "Langen Nacht" wird die schillernde Lebensgeschichte des Ian Fleming mit seiner Romanfigur James Bond verflochten. Mit Hintergrundinformation zu den Filmen, Interviews und mit der ebenfalls unsterblichen James-Bond-Filmmusik. Und es wird endlich die Frage geklärt, warum der Martini für Bond denn unbedingt geschüttelt werden muss.

Autorin: Katharina Palm


Ian Fleming und sein Alter Ego

Er ist Schotte, sieht gut aus, ist kultiviert, spricht fließend englisch, deutsch, russisch und französisch, liebt schnelle Autos, er trinkt und raucht gerne und viel. Seine große Leidenschaft sind Frauen und er liebt das Meer. Die Rede ist von Ian Fleming, dessen aufregendes Leben in nichts dem seines literarischen Helden und Alter Ego nachsteht.

Ian Fleming, geboren 1908 in London als Sohn eines Bankiers, Studium der Psychologie in München und Genf. 1933 Korrespondent für die Nachrichtenagentur Reuters nach Moskau, im Zweiten Weltkrieges hochrangiger Verbindungsoffizier beim britischen Geheimdienst. 1952 erschuf er die legendäre Heldenfigur des Geheimagenten James Bond, am 13. April 1953 erschien mit "Casino Royale" der erste Roman dieser Erfolgsserie, gesamt wurden 14 Bond-Romane verfasst.

Ian Fleming starb in der Nacht am 12. August 1964, nicht ohne die Ärzte um Entschuldigung für die späte Störung gebeten zu haben..

Es gab aber auch jede Menge Unterschiede. Siegfried Tesche kennt ein paar.

"Also Fleming zum Beispiel liebte Tee. James Bond hasste Tee. Fleming hat meistens Whisky getrunken, Bond hat meistens Wodka - Martini getrunken, es gibt aber auch Buchvorlagen in denen er Bourbon trinkt oder Malt trinkt, oder so was. Fleming war sehr sehr belesen, Bond liest meist die Times oder auch mal Daily Express oder so. Es gibt sogar eine Szene in der er Die Welt liest, wenn er er sich in Deutschland aufhält, dann muss man eben auch deutsche Zeitungen lesen."

Während die USA Nordkorea bombardieren und die erste Wasserstoffbombe zündeten, Königin Elisabeth von England gekrönt wird und in Deutschland die Marshal-Plan-Hilfe endet, lässt Ian Fleming einen Geheimagenten im Smoking die Welt retten. Den Namen seines Helden lieh er sich von einem Vogelkundebuch aus seiner Jugend:
"Vögel der Westindischen Inseln" von ... James Bond.

Seiner Frau schrieb er dazu:

Es fiel mir auf, dass dieser kurze, unromantische, angelsächsische und vor allem maskuline Name genau das war, was ich brauchte, und so wurde ein zweiter James Bond geboren.

Alles über Ian Fleming

Ian Fleming Centre


Barbar der Moderne
James Bond wurde zum Markenzeichen seines Erfolges. Mit ihm gelang es dem ehemaligen Geheimdienstoffizier, Journalisten und Thriller-Autor Ian Fleming, das Image des britischen Geheimdienstes auf ewig zu sanieren. Fleming galt nie als ein besonders raffinierter Autor, sondern setzte auf die reißerische Bond-Melange von "Sex, Snobbery and Sadism". Davon zehrt das Weltkino seit über fünfzig Jahren.


Casino Royal und viele weitere Romane

Fleming schrieb jeden Morgen von neun bis zwölf Uhr. Dann ging er ans Meer um sich beim fischen oder schwimmen zu entspannen. Siebzehn Uhr schrieb er dann an seiner 20 Jahre alten Imperial-Reiseschreibmaschine weiter. Pro Tag schrieb er im Schnitt 2000 Worte.

Veröffentlicht wurde "Casino Royale" dann am 13. April 1953 in London und am 23. März in New York. Die Bücher verkauften sich leider zu Beginn nicht so, wie Fleming sich das erhofft hatte.
Die Erstauflage bestand aus 3000 Exemplaren plus 1750 Büchern für die Bibliotheken.

Da das Geld für den Lebensunterhalt nicht ausreichte, lebte Fleming und seine Familie von der Unterstützung seiner wohlhabenden Mutter.

Trotzdem belohnte sich Ian Fleming für seine Arbeit an "Casino Royal", mit einer goldene Schreibmaschine. Die Spezialanfertigung kostete immerhin 174 Dollar. Auf dieser Maschine schrieb er dann jedes Jahr, während seines zweimonatigen Aufenthaltes in Jamaika, ein Buch.

Zwischen 1953 und 1964 schrieb Ian Fleming 14 Bond - Romane und mehrere Kurzgeschichten.

Der Autor hatte große Bewunderer und Freunde. Unter ihnen waren Größen wie Prinz Philipp, Graham Greene und George Simenon. In der Ausgabe des "Live" Magazins vom 17. März 1961 erschien eine Liste mit den 10 Lieblingsbüchern von John F. Kennedy. Auf Platz 9 befand sich: "Liebesgrüße aus Moskau".

Bondklub Deutschland

Fan-Seiten James Bond

James Bond Filme


Bond und die Frauen

Bondgirls sind ein fester Bestandteil jedes Buches und jeder Geschichte von Ian Fleming und den späteren Filmen.

Für einen Mann wie Bond, der als Auftragskiller für die Regierung arbeitet, scheinen politische Ideale weder für hübsche, noch für hässliche Frauen denkbar. In den James Bond Filmen hat man das das Frauenbild Stück für Stück dem jeweiligen Zeitgeist angepasst. Erotik gehört jedoch zum Grundrezept damals wie heute

Der Vatikan ging damals mit dem ersten Bond Film sehr hart ins Gericht. In der Zeitung "Osservatore Romano" schrieb man:

"Eine gefährliche Mischung aus Gewalt, Vulgarität, Sadismus und Sex. Aber wir sind so scharfsinnig zu hoffen, dass der Film keinen großen Erfolg haben wird."

Auffällig ist, dass die meisten Bondgirls vorher ziemlich unbekannt waren und ihr Ruhm spätestens beim nächsten Bondfilm zu Ende war. Die sicherlich erwartete große, internationale Filmkarriere brachte ihnen James Bond nicht. Sophie Marceau oder Oscarpreisträgerin Halle Berry sind da wohl eher die Ausnahmen.


Bücher zum Thema:

Der Autor Siegfried Tesche beschäftigt sich seit Jahren mit dem Phänomen James Bond. Mehrere Bücher von ihm sind zu diesem Thema erschienen.

Siegfried Tesche: "James Bond - Top Secrets. Die Welt des 007"
Verlag Militzke, Leipzig 2006, 624 Seiten

Ein neuer Bond kommt in die Kinos, und ein Sachbuch zu den Büchern und Filmen dazu. Siegfried Tesche ist immer dann gut, wenn es ihm gelingt, auf die Rezeption von Bond einzugehen, wenn er den Kult um die Figur und seine Macher in die Zeit einordnet. So wirken aus heutiger Sicht viele Kontroversen nur noch übertrieben. Tesche hat jedoch zu einigen Filmen so viele Informationen zusammengehäuft, dass es manchmal auch mühsam wird. Kritik


Siegfried Tesche: Die schönsten Zitate aus James Bond-Filmen: Für Reden, E-Mails, Gästebuch, zum Vergnügen und zur Erkenntniss. Mit ausführlicher Vorstellung aller Filme
Humboldt Verlag, ISBN: 978-3899940572, 8,90 Euro

In diesem Buch werden die schönsten Zitate zu unterschiedlichen Themenbereichen übersichtlich aufbereitet: Liebe, Frauen, Essen, Getränke, Glückspiel, Politik, Reisen, exotische Länder, Autos, Technik, - ein James Bond weiß zu vielen Dingen etwas zu sagen, natürlich gewürzt mit dem berühmten englischen Humor. Siegfried Tesche kennt alle Bond-Darsteller von Sean Connery bis Pierce Brosnan persönlich und war auch bei Filmaufnahmen dabei.


Siegfried Tesche: Mr. Kiss Kiss Bang Bang: Die Geschichte der James-Bond-Filmmusiken
Schott Musik, ISBN: 978-3795705671, 19,95 Euro

Über die 007-Filme selbst ist schon viel geschrieben worden. Weniger über ihre Musik. Diese Lücke schließt nun - eindrucksvoll detailliert und akribisch recherchiert - Bondexperte Siegfried Tesche.


Siegfried Tesche: Sean Connery. Sein Leben, seine Filme
Henschel Verlag, ISBN: 978-3894873622, 14,95 Euro


Danny Morgenstern und Manfred Hobsch: James Bond XXL: Das weltweit umfangreichste 007-Nachschlagewerk. 2 Bde.
Zur Zeit vergriffen

Auf mehr als 1.700 Seiten haben die Autoren in James Bond XXL so ziemlich alles zusammengetragen, was wir eigentlich schon immer wissen wollten. Eine Art gedrucktes Wiki zum Thema, denn es finden sich die unglaublichsten Details in fast 10.000 Stichworten.


Alexander Smoltczyk: James Bond, Berlin, Hollywood: Die Welten des Ken Adam
Nicolai'Sche Verlagsbuchhandlung, ISBN: 978-3875840698, 24,90 Euro

Klaus Hugo Adam alias Ken Adam ist Schöpfer dieser Welten und Gadgets. Er ist der eigentliche Mister Q, Filmarchitekt und Designer der ersten sieben Bond-Filme, insgesamt über 80 Produktionen unterstanden bislang seiner Art Direction. Alexander Smoltczyk setzt dem Leben und der Arbeit dieses herausragenden Urbanisten des schönen Scheins nun endlich sein längst fälliges Denkmal.


Ian Fleming und Hans Jaenicke: James Bond - Leben und sterben lassen
2 CDs, Random House Audio, ISBN: 978-3866040243, 15, 00 Euro

m zweiten Bond-Roman muss 007 gegen den mächtigen und gefährlichen Verbrecherboss Mr. Big antreten, der die New Yorker Unterwelt beherrscht. Gegen ihn und seine verführerische Wahrsagerin Solitaire, die mit Hilfe von Tarotkarten die Zukunft lesen kann, scheint auch der Agent Ihrer Majestät hilflos, bis es ihm gelingt, Mr. Big eine Falle zu stellen.

Und natürlich die Bond-Bücher von Ian Fleming

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