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StartseiteAus Kultur- und SozialwissenschaftenGespenster, Kobolde und Dämonen31.12.2009

Gespenster, Kobolde und Dämonen

Kulturgeschichte und Psychologie des Geister-Glaubens

Silvester: Mit Böllern, Heulern und grellbuntem Feuerwerk wird das neue Jahr begrüßt - ursprünglich sollten Lärm und Licht böse Geister vertreiben. Bis heute gibt es Riten, die mit Geistern, Hexen und Spuk aller Art zu tun haben - von der alemannischen Fasenacht bis zur Walpurgisnacht.

Ein Feature von Andrea und Justin Westhoff

Laut muss es sein in dieser Nacht. (AP)
Laut muss es sein in dieser Nacht. (AP)

Ausgelassenheit, Lärm und Lichtzauber erfüllen die Silvesternacht, in der das neue Jahr anhebt.

Laut muss es sein und Feuer sollen brennen in dieser Nacht, um die bösen Geister daran zu hindern, mit hinüberzuziehen ins neue Jahr. So ist es Tradition. Bis heute, etwa bei den Perchtenläufen im Süden Bayerns und im Salzburger Land.

"Rauchnächte" heißen sie, die zwölf vom 25. Dezember bis zum Dreikönigstag am 6. Januar, in denen Haus und Hof mit Weihrauch erfüllt werden sollen, um böse Geister zu vertreiben. Denn hier gehen die Perchten um, benannt nach Frau Percht. Der Sage nach Wotans Weib, das mit den Seelen verstorbener Kinder umherzieht. In ihrem Gefolge auch Nachtgeister und Unholde. Frau Percht ist doppelgesichtig, Seelenbegleiterin und Schicksalsfrau. Und um das Geisterheer hinwegzufegen, ziehen die Bürger beim Perchtenlauf mit grausligen Masken lärmend durch Dörfer und Städte.

Doch wie laut die Geister auch vertrieben werden, sie scheinen immer wieder zu kommen – oder waren nie fort?

"Es ist natürlich völlig unzweifelhaft, dass Leute manchmal seltsame Dinge erleben. Dinge, die auf den ersten Blick unerklärlich, rätselhaft erscheinen."

"Ich habe das mal in den Ferien gemacht, in Italien, und da haben wir den Geist gebeten, sich erkenntlich zu zeigen, und da ist eine Minute später ein Buch über Kräuterheilkunde aus dem Schrank gefallen."

"Also ich war immer ein begeisterter Fan von solchen Phänomenen, nur irgendwann muss man sich halt fragen, kann das wirklich alles mit Geistern zu tun haben?"

"Buhhh!"

"Geistererfahrungen, paranormale Erfahrungen und so weiter, das sind sicher zeitbedingte Ausdrucksformen für eine tief verankerte psychische Struktur von uns allen."

Eberhard Bauer ist Leiter des Freiburger Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene:

"Der Umgang mit dem Außergewöhnlichen, mit dem Paranormalen ist fest in allen nur denkbaren kulturellen Facetten verankert. Schauen Sie in die Kunst, in die Musik, in die Fotografie, nicht wahr, sie können eigentlich eine Kulturgeschichte des Okkulten schreiben; das fasziniert die Menschen seit jeher. Es gibt so eine Art universelles Muster dieser Spuk- und Geistererscheinungen, relativ unabhängig von Zeit, Raum, und was vielleicht unterschiedlich ist, ist die Art und Weise, wie diese Grundphänomene eingekleidet werden."

Ein Nebelmänntlein umgeschlagen,
Ein graues Käppchen, grau Gewand
Am grauen Halse grauer Kragen,
das Richtmaß in der Aschenhand.
Durch seine Glieder zitternd geht
der Stral wie in verhaltner Trauer,
doch an dem Estrich, an der Mauer
Kein Schatten steht.


Der Geist des Kölner Dom-Erbauers Meister Gerhard, poetisch heraufbeschworen von Annette von Droste-Hülshoff.

"Geister sind körperlose, feinstoffliche Wesen; oft nur eine Ahnung, ein kalter Hauch, mitunter das Gefühl, etwas würde "durch einen hindurchgehen". Dann wieder erscheinen sie in konkreter Gestalt, meist eines Toten; in weißes oder graues Tuch gehüllt, um Mitternacht, zur Geisterstunde und immer am selben Ort. Und man kann sie hören."

Merkwürdig eigentlich, dass man Geister mit ihren eigenen Mitteln vertreiben will, gruselig anzusehen und lärmend.


"Mal poltern sie, die Unwesen, rasseln mit ihren Ketten, lachen laut und böse. Dann wieder sind sie ganz leise, wie klingende Glöckchen, oder klagend. Manche rufen einen Namen wie von weit her. Und seit altersher vernehmen Menschen die Geister im Jaulen der Wölfe, im Ruf des Käuzchens oder im Zischen einer Schlange; im Grollen eines Gewitter und im Heulen des Sturms."

Professor Christian Kaden, Musikethnologe an der Berliner Humboldt-Universität, hat viele Naturgeister-Geschichten gesammelt:

"Viele Menschen dieser Ritualkulturen haben nicht die Vorstellung, dass es nur diese ebenerdige Welt gibt, sondern das es eine zweite genauso reale Welt gibt, im Regenwald der Baumwipfel: unten ist es dunkel, oben ist es hell, unten sind die Würmer und Schlangen, oben sind die Vögel, das heißt es sind alternative Welten, die aber miteinander in Kontakt treten können. Die Temia in Malakka, das ist also in Malaysia, zählt zu den urtümlichsten Kulturen, die gegenwärtig auf der Welt noch verfügbar sind, haben die Vorstellung, dass jeder Mensch über seine Kopfseele, die aus einer zweiten Seele, der Herzseele, herauswächst, in der Lage ist, in die Natur einzugehen. Und mit dieser Kopfseele findet er Anschluss an die Daseinsweisen der Natur. Das sind die sogenannten spirit guides. Und die spirit guides äußern sich dem Menschen in Träumen, in dem sie singen. Und diese Gesänge, die man geträumt hat, nimmt man dann herunter in seine Leiblichkeit als Mensch und teilt sie den anderen Menschen mit."

Die ganze Natur ist "beseelt" – nicht nur der Mensch, auch jedes Tier, genauso Pflanzen und Steine, Berge und Täler, Flüsse und Quellen – eine animistische Weltsicht. Animus bedeutet Wind oder Hauch, später interpretiert als Seele und Geist. Im Animismus gibt es ein Heer von Naturgeistern, zugeordnet den vier Elementen. Literarisch auf ewig festgeschrieben: Goethes mächtiger und den Tod kündender Erlkönig mit Kron' und Schweif – eigentlich der Elfenkönig aus den nordischen Volkssagen. Oder die unzähligen Elementarwesen in Shakespeares Werken.

Prospero, einst Herzog von Mailand, jetzt aber vornehmlich mit Studien zur Magie beschäftigt, ist mit seiner Tochter Miranda auf einer Insel gelandet, wo er nun herrscht. Dort hatte eine Hexe den Luftgeist Ariel in einem gespaltenen Baum gefangen. Weil Prospero den Hüter über Luft, Wolken und Wind daraus befreit, ist ihm Ariel fortan zu Diensten. Zauberer Prospero fragt: "Hast Du, o Geist, den Sturm so ausgerichtet, wie ich Dir befahl?" Und Ariel antwortet:

Bis auf den kleinsten Umstand. Ich kam an Bord des Königlichen Schiffes, und setzte, in Flammen eingehüllt, bald das Vorderteil, bald den Bauch, das Verdeck und jede Kajüte in Schrecken. Zuweilen teilt' ich mich, und zündet' es an etlichen Orten zugleich an, dann floss ich wieder zusammen. Jupiters Blitze selbst, die Vorläufer fürchterlicher Donner-Schläge, sind nicht behender zu leuchten und wieder zu verschwinden; das schmetternde Gebrüll der schweflichten Flammen schien den allmächtigen Neptunus zu belagern, und seine kühne Wogen zittern zu machen, ja seinen furchtbaren Dreizack selbst zu erschüttern.

Was ansonsten durch die europäische Kulturgeschichte geistert, hat Johann Wilhelm Wolf im 19. Jahrhundert in seiner "Deutschen Götterlehre" festgehalten.

Oft zeigen sich die Wassergeister freundlich und hilfreich gegenüber den Menschen, aber ein andermal werden sie ihnen auch gefährlich. Sie locken gern durch ihren Gesang schöne Jünglinge in die Tiefe, und eben so stellt der Nix schönen Mädchen nach. Jedes Jahr fordert der Nix ein Menschenopfer. Überhaupt ist Blutdurst und Grausamkeit den Wassergeistern eigen. Das kalte, dicke Element scheint wenig Gefühl aufkommen zu lassen.

Naturgeister stellen das Hauptpersonal der Märchen. Und da diese Geschichten zur allgemeinen Volkskultur gehören, sind die Gestalten bis heute lebendig geblieben: Gute und böse Feen, riesenhafte Berggeister wie Rübezahl, grimmige Trolle und quirlige Elfen.

Wer weiß, vielleicht gibt es sie wirklich. Es ist ja beispielsweise nicht so, als seien die Isländer nicht in der Moderne angekommen. Dennoch hat der Inselstaat auch im 20. Jahrhundert eine Elfenbeauftragte.

Erla Stefansdottir ist Angestellte beim Bauamt in Reykjavik. Sie fühlt sich gut gerüstet für ihre Aufgabe: Seit ihrer Kindheit, sagt Erla, habe sie zu 17 verschiedenen Arten von Elfen Kontakt gehabt. Sie hat eine "Landkarte der verborgenen Welt" herausgegeben, um die Stätten der Trolle, Wichte, Elfen, Feen und Elben in Island zu schützen. Denn die sind nur liebenswert, so lange man sie nicht ärgert. Wehe, man stört ihre Wohnplätze, dann werden sie richtig sauer und rächen sich: eingestürzte Baugruben, teure Maschinenschäden, böse Unfälle – die Isländer sind lieber vorsichtig.

Man muss sich gut stellen mit den Geistern, wenn die ganze Welt voll von ihnen ist. Die Ethnologin Angelika Wolf:

"Wenn ein Mensch etwas getan hat, was einen dieser Geister erzürnt hat, dann wird er den Schutz und die Hilfe eines Mächtigeren suchen und zwar eines kompetenten Heilers, der dann auch Schamane genannt wird, weil er in der Lage ist, den eigenen Körper zu verlassen und Reisen zu gehen, er ist in der Lage, einen Geist, der vielleicht zu einem Menschen gehört und ihn beschützt hat, der entwichen ist, in den Wald gegangen ist oder das Dorf verlassen hat, diesen Geist wieder einzufangen und dem Menschen zurückzugeben, oder andere böse Geister, die sich vielleicht an die Gemeinschaft herangemacht haben oder an ein Individuum, zurückzudrängen und zu besänftigen."

Schamanen, heilige, mächtige Männer kannten wahrscheinlich die sibirischen Völker als erste. Inzwischen gibt es sie unter verschiedenen Namen in vielen Ritualkulturen. Sie werden von ihrem Stamm ausgewählt und müssen viele Prüfungen bestehen. Schamanen ahmen die Bewegungen und Geräusche mächtiger Tiere nach, um sich so in diese zu verwandeln: Man glaubt, dass sie fliegen können wie ein Adler, rennen wie ein Jaguar, kämpfen wie ein Bär. Sie tanzen mit Trommeln und Schamanenstab, mit Metallrasseln und Spiegeln, sie singen und sie essen halluzinogene Pflanzen, um sich in Ekstase oder Trance zu versetzen und so in die Geisterwelt einzudringen.

Ein Meister der Geister zu sein, das hatte schon immer eine ungeheure Faszination: Die Geschichten aus "1001 Nacht" berichten von den Djinn, diesen uralten Geisterwesen aus der arabischen Mythologie, ursprünglich eher mit Schrecken betrachtet. Je jünger die Erzählungen, desto untertäniger werden sie jedoch.

Aladin war ein junger Tunichtgut. Eines Tages aber fand er in einer Höhle eine alte Öllampe, die er nach Hause trug und seiner Mutter zeigte. "Ich werde in die Stadt gehen und sie verkaufen", sagte er. "Aber sie ist sehr schmutzig", antwortete die Mutter, nahm Wasser und Sand und fing an, die Lampe zu reiben. Doch kaum hatte sie damit begonnen, erschien ein riesiger Geist vor ihr und sprach:

"Womit kann ich Euch zu Diensten sein, mein Gebieter?"

Darüber erschrak die Mutter sehr und fiel in Ohnmacht. Aladin aber griff beherzt nach der Lampe und rief: "Diener der Lampe, ich habe Hunger. Bring mir etwas zu essen!" Der Geist verschwand und erschien sofort wieder mit köstlichen Speisen und Wein.
Als aber die Mutter aus ihrer Ohnmacht erwachte, freute sie sich nicht etwa, sondern verlangte, der Sohn solle die Lampe sofort aus dem Haus schaffen. "Unterlass überhaupt jeden Verkehr mit den Geistern", mahnte sie, "sie sind der Teufel aus der Hölle, wie der Prophet es uns gelehrt hat."
Doch Aladin behält die Wunderlampe, geht in die Welt hinaus, besteht viele Abenteuer mit Hilfe des Geistes und kommt reich zurück.


Auch in der Geschichte der abendländischen Kultur gibt es viele hilfreiche Geister. Aber hier gehören sie fast zur Familie, die "Gutelen", bekannter als Kobolde. Je nach Region heißen sie auch Heinzelmann oder Puck.

Sie sind klein und zeigen sich nur selten. Sie teilen mit Zwergen und Nixen den Hut, der nur bei ihnen spitz ist, und rot wie ihre Haare. Bei allen häuslichen Geschäften erzeigen sie sich thätig und gern helfend. Sie kehren und scheuern Hof, Haus und Küche, putzen das Geschirr, schüren das Feuer, melken und buttern, hacken und Holz. Besonders thätig sind sie, wenn bald Gäste kommen, was sie im Voraus wissen und richten alles auf den Empfang und die Bewirthung derselben ein.

So hat man's gern, so wie vor 100 Jahren Johann Wilhelm Wolf die Hausgeister beschreibt. Aber Achtung, auch Kobolde sind nicht immer "gut". Wenn man sie verärgert oder gar verscheucht, dann hängt der Haussegen mächtig schief.

Genau das wollte das Christentum aber, sie verscheuchen, am liebsten mit dem ganzen Geisterglauben aufräumen. Vergebens. Bis heute feiert er alljährlich fröhliche Urständ:

Fasenacht heißt das wilde Fest, das im Februar in Basel ebenso wie in den fränkisch-alemannischen Gegenden Deutschlands gefeiert wird. Mit Fasten, wie die Kirche gern behauptet, hat das nichts zu tun. Vaselen oder viseln bedeutet gedeihen, vermehren, und wenn die Menschen im Februar mit möglichst gräuslichen Fratzenmasken und Figuren umherziehen, mit Schellen, Rasseln und Trommeln einen Höllenlärm machen, dann wollen sie die Wintergeister in die Flucht schlagen, um Platz für den Frühling zu schaffen.

Höllenlärm trifft's: Als die Kirche merkte, dass sie die Geister im Volk einfach nicht loswurde, erklärte sie kurzerhand alle zu bösen Dämonen, die unter der Herrschaft des Teufels stehen. Der Religionswissenschaftler Professor Hartmut Zinser von der FU-Berlin:

"Wenn es nur einen Gott gibt, dann müssen die ganzen anderen, ich sage mal übermenschlichen Wesen, denen man im Traum oder sonst wo begegnet, ja was anderes sein, das können nur Geister sein oder Abgötter. Im Christentum werden die Geister zu bösen Geistern, und Gott ist der Gute."

"Faust:
Nun gut, wer bist Du denn?
Mephistoteles:
Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will, und stets das Gute schafft.
Faust:
Was ist mit diesem Rätselwort gemeint?
Mephisto:
Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, dass es zugrunde geht;
Drum besser wärs, dass nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein Eigentliches Element."

Der Teufel wird zur zentralen Figur der christlichen Geisterwelt: "Gefallener Engel", "Luzifer", "Satan": Er kann so viele Gestalten annehmen, das selbst Eingeweihte ihn nicht immer sofort erkennen.

"Mephistoteles:
Hast Du vorm roten Wams nicht mehr Respekt?
Kannst Du die Hahnenfeder nicht erkennen?
Hab ich dies Angesicht versteckt?
Soll ich mich etwa selber nennen?
Hexe:
O Herr verzeiht den rohen Gruß!
Seh ich doch keinen Pferdefuß
Wo sind denn Eure beiden Raben?
Mephisto:
Für diesmal kommst Du so davon;
Denn freilich ist es eine Weile schon,
Dass wir uns nicht gesehen haben.
Auch die Kultur, die alle Welt beleckt,
Hat auf den Teufel sich erschreckt:
Das nordische Phantom ist nun nicht mehr zu schauen:
Wo siehst du Hörner, Schweif und Klauen?
Hexe:
Sinn und Verstand verlier ich schier,
Seh ich den Junker Satan wieder hier!
Mephisto:
Den Namen, Weib, verbitt ich mir!
Hexe:
Warum? Was hat er Euch getan?
Mephisto:
Er ist schon lang ins Fabelbuch geschrieben;
Allein die Menschen sind nicht besser dran:
Den Bösen sind sie los, das Böse ist geblieben."

Da freilich irrte Meister Goethe: Auch der Böse verschwand keineswegs, und seine Geisterschar schon gar nicht. Selbst beim protestantischen Luther war die Welt voll davon:

Viele Dämonen sind im Wald und Wasser, in Sümpfen und an verlassenen Orten. Wenn ich nachts aufwache, so kommt der Teufel und disputiert mit mir, solange bis ich sage: Leck mich ...

... oder er schmeißt mit Tintenfässern.
Den Leibhaftigen selbst und seine Gefolgschaft wollte auch das Volk abwehren: So wurden Pentagramme in Türschwellen geritzt, um Satan daran zu hindern, ins Haus zu kommen.


Der Glaube an Magie war ungebrochen. Denn die Menschen im Mittelalter, meint Hartmut Zinser, wollten keinesfalls von allen Geistern verlassen sein:

"Offensichtlich ist die Vorstellung eines absoluten allwissenden Gottes, allmächtigen Gottes für viele Menschen im Alltag nicht so recht brauchbar. Wie soll man seine Hilfe erbitten? Man braucht aber im Alltag jemanden, der unterstützt, Sie brauchen dann auch gute Geister, zum Beispiel die Engel."

Scharen himmlischer Flügelwesen in weißen Gewändern: manche haben Menschenantlitze und leuchten von der Schulter abwärts in hellem Glanze, andere tragen Helme, oder es brennen Fackeln über ihren Köpfen, und sie künden in den Tönen aller Musikinstrumente in herrlichen Stimmen die Wunderwerke Gottes.

Viele fromme Christen wie Hildegard von Bingen haben die Engelbilder unserer Kultur gezeichnet – eindeutig nach Vorbildern guter Naturgeister. Den Glauben an diese Boten Gottes, an Schutzengel – den hat die Kirche nie unterbunden.

Und auch beim übrigen Volksgeisterglauben blieb ihr oft nichts übrig, als möglichst vieles "heidnische" christlich zu besetzen:

Schutz-Amulette erlaubte und verteilte die Kirche sogar – jetzt mit dem Lamm Gottes drauf. Die kleine Papierstreifen, die sich die Menschen in ihre Kleidung oder unter die Türschwelle steckten, um Krankheiten und böse Geister abzuwehren, sie wurden kurzerhand mit Bildern von Heiligen, Engelnamen und biblischen Beschwörungsformeln beschrieben. Das Vaterunser wurde sicherheitshalber dreimal gebetet, und das Bekreuzigen ist letztlich auch ein Abwehrzauber.

Wie wenig erfolgreich die christliche Geisterübernahme war, erkennt man spätestens an einem Gemeindeprotokoll der Stadt Hechingen vom 8. Februar 1525:

Wer einen Kobold, eine Nixe, oder ein anderes dergleichen Gespenst in seinem Hause, seinen Ställen, in Bächen und Teichen und so weiter einfängt und – lebendig oder tot – abliefert, erhält beim Oberjägermeister eine Belohnung von fünf Gulden.

Übel allerdings erging es jenen, die allzu viel von diesen Dingen verstanden und näheren Umgang mit den Geistern pflegten:

Hagazussas – Zaunweiber, das waren die Hexen ursprünglich: Weise, meist alte Frauen, die sich auskannten mit Kräutern, manche Krankheit heilen konnten und selbstverständlich auch die Wirkungen der Gifte kannten. Sie wandeln in den "heiligen Hainen" und sitzen auf der Schwelle zwischen der Menschen- und der Geisterwelt. Diese Frauen spielten eine besondere Rolle beim Fruchtbarkeitsfest der alten Germanen und Kelten, wo man in der Nacht des ersten Vollmondes zwischen Tag-Nacht-Gleiche im Frühjahr und Sommersonnenwende um das Feuer tanzte. Die Geisterkundigen Hexen sollten dabei die Zukunft vorher sagen.

Faszinierende, aber auch ein bisschen unheimliche Gestalten – und die Kirche schürte Angst und Hass gegenüber diesen Frauen:

Sie verwirren die Elemente mit Hilfe von Dämonen, um Hagelschlag und Sturm zu erregen, verstören den Geist der Menschen, bringen ihn zum Wahnsinn, Hass oder ungewöhnlicher Liebe.

Im Jahre 1487 erschien die berüchtigte Schrift "Malleus Maleficarum", bekannt unter dem Namen "Hexenhammer" – ein ganz und gar teuflisches Werk zur Hexenverfolgung, das Zehntausende Frauen, aber auch Männer und Kinder das Leben kostete.

Aus dem heidnischen Frühlingsfest machte die sexuell verklemmte Fantasie der Kirchenoberen den Hexensabbat.

Alljährlich in der Nacht zum ersten Mai versammeln sie sich an ihren speziellen Hexentanzplätzen, auf dem "Blocksberg". Sie fliegen auf Besen, Mistgabeln oder Tieren, die sie vorher mit Hexensalbe eingerieben haben. Und dann tanzen sie wild schreiend ums Feuer und vermählen sich mit dem Teufel – ein orgiastisches Fest ...

... bei dem viele nur allzu gerne mitfeiern wollten. Das konnte der Kirche nicht passen, und so erklärte sie das bunte Treiben zum Gedenktag der englischen Äbtissin Walburga, die im 8. Jahrhundert viele Wunder bewirkt haben sollte:

Der Tanz ums Feuer, das ausgelassene Feiern und Lärmen war erlaubt, aber – so hieß es jetzt – um die bösen Geisterwesen zu verscheuchen. Man malte weiße Kreuze an Häuser und Ställe oder streute geweihtes Salz auf die Türschwellen. Und zur Abwehr der Hexen wurden Besen in dieser Nacht verkehrt herum in die Türen gestellt.

"Die Hexen sind zurück" – das war ein Schlachtruf der europäischen Frauenbewegung, er sollte Solidarität mit den verfolgten Frauen demonstrieren. Manche von ihnen wollten an die Weisheit der naturkundigen Frauen anknüpfen. Inzwischen sind aber wieder Hexen oder auch Magier im eher alten, abergläubischen Sinn unterwegs, die behaupten, mit Geisterkräften die Zukunft voraussagen oder Wünsche wahr machen zu können – gegen Bares. Hartmut Zinser dazu:

"Ich weiß, dass es solche Angebote gibt, dass Sie ihren früheren Ehemann oder Geliebten wieder haben können, auch gegen eine gewisse Gebühr – ich sage immer: erst hinterher bezahlen!"

Aber für ganz viele – Frauen und Männer – ist es einfach nur ein Heiden-Spaß", vom 30. April auf den ersten Mai die Walpurgisnacht zu feiern.

Die Geister lassen sich einfach nicht vertreiben. Das kann auch damit zusammenhängen, dass zu ihnen in allen Kulturen immer auch die Seelen Verstorbener gehörten. Der Tod bleibt dem Menschen ein Mysterium. Dem Volksglauben nach spuken vor allem Legionen unerlöster Seelen durch die Welt. Denn die letzte Ruhe im Jenseits kann nicht finden, wer kein ordentliches Begräbnis bekommen oder ein Verbrechen begangen hat, oder Opfer eines solchen geworden ist. Wie in Shakespeares Hamlet:

Ich bin deines Vaters Geist;
Verdammt auf eine Zeitlang, nachts zu wandern
Und tags, gebannt, zu fasten in der Glut,
Bis die Verbrechen meiner Zeitlichkeit
Hinweggeläutert sind.
Wenn je du deinen teuren Vater liebtest
räch' seinen schnöden, unerhörten Mord!


Der Verstorbene verlangt diese Rache von Hamlet, weil der Königsbruder Claudius dem Alten, während er schlief, Gift ins Ohr geträufelt und durch die schnelle Heirat mit des Königs Witwe die dänische Krone erlangt hatte. Hamlet will seinen Onkel töten. Sein Freund Horatio bietet zwar an zu helfen, ist aber befremdet, dass ein Geist ihm diese Tat befohlen haben soll. Hamlets berühmte Antwort:

Es gibt mehr Ding' im Himmel und auf Erden,
Als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.


In außereuropäischen Kulturen spielen Totengeister bis heute eine zentrale Rolle. Vor allem in Asien und Afrika werden die Ahnen geachtet und verehrt. Nur wer mit ihnen in Kontakt bleibt, kann selbst auf ein gutes Leben hoffen.

In westlichen Kulturen ist es der Spiritismus, der lehrt, dass die Seelen Verstorbener in einer "anderen, besseren Welt" weiter existieren. Und man kann sie jederzeit heraufbeschwören: Das hat schon etwas ungeheuer Tröstliches, meint Religionswissenschaftler Zinser:

"Die Geisterbefragung gab es immer. Also Kontakt mit Göttern und Gestern aufzunehmen machen alle Religionen, und natürlich insbesondere in solchen Situationen, in denen Menschen mit ihrer Vernunft, auch Gefühlen nicht zurande kommen, weil es eben Situationen gibt, wo wir nicht wissen, was ist richtig, was ist falsch. Da werden dann die Götter und Geister befragt."

Die spiritistische Idee ist ein europäisches Geisteskind, aber der weltweite Durchbruch kam 1848 durch die amerikanischen Schwestern Margaret und Kate Fox. Die berichteten von Zwiegesprächen mit einem Klopfgeist in ihrem Haus – und machten daraus eine – überaus einträgliche – öffentliche Show.
Viel Tamtam war auch dabei, als in deutschen Salons die Geister gerufen wurden: Thomas Mann zum Beispiel hatte an mehreren Séancen des Freiherrn Schrenck-Notzing teilgenommen. Da erscheint dann ein Geist in einer Spieldose.

He, du verstecktes und lichtscheu-undenkliches Wesen aus Traum und Materie, was treibst du da vor unserer Nase? - Knacks, wird der Hebel gewendet, das Spielwerk geht. "Kommandieren Sie Halt!" sagt der Baron. Und auf mein Wort wird abgestellt. – "Los!" Die Dose spielt wieder. Dies einige Male. Man sitzt vorgebeugt und kommandiert das Unmögliche, lässt sich von einem Spuk gehorchen, einem scheuen kleinen Scheusal von hinter der Welt.

1923 hat Thomas Mann sie beschrieben, seine "Okkulten Erlebnisse". Wer allerdings glaubt, der Spuk mit den Totengeistern habe im 21. Jahrhundert ein Ende, der irrt. Im Gegenteil: Die "Geister-Kommunikationstechniken" wurden erheblich erweitert. Der Psychologe Eberhard Bauer:

"Bei den Jugendlichen und auch bei Erwachsenen spielt dieses Thema nach wie vor eine Rolle. Es gibt nach wie vor diese Familienzirkel, wo eifrig spiritistisch gerückt wird, und also Gläschen geschoben, und der Spiritismus gehört in einer bestimmten modernen Form durchaus noch zum Alltagsleben, denken Sie an diese ganzen Gruppen, was die Tonbandeinspielungen betrifft und so weiter, das heißt, dieser spiritistische Grundwunsch, mit Verstorbenen in Kontakt zu treten oder zu wissen, was nach dem physischen körperlichen Tod passierten wird, dieser Wunsch ist ganz tief in uns drin."

Ganz modern bietet das Internet unzählige Seiten mit Tipps und Anweisungen zum erfolgreichen Anrufen der Totengeister:

Bei Versuchen, Kontakt mit dem Jenseits herzustellen, braucht man keinerlei Angst zu haben. Fähigkeiten zu Techniken wie Suggestion, Hypnose sowie Magnetismus sollte vorhanden sein. Ein wichtiger Aspekt ist die Achtung vor allen Wesen.

O-Ton Jugendliche: "Also wir haben dis mal hier in der Wohnung gemacht, und nach einiger Zeit ging das dann auch, nach einiger Vorbereitung mit Glastisch und Glas, und na ja wir haben gefragt, ob ein Geist da ist und ging auf diesem Kreis mit den Buchstaben und Zahlen und Ja und Nein ging es zu Ja."

"Na ja und dann haben wir gefragt: Bist du der Teufel?, und dann ging er auch auf Ja."

Eine gute Einstellung zu ungewöhnlichen Phänomenen sollte vorhanden sein, ohne sich gleich zu erschrecken, nervös zu werden oder die Fassung zu verlieren.

O-Ton Jugendliche: "Bei mir ist es noch nie vorgekommen, dass irgendwas passiert ist, was unerklärlich war realistisch."

"Ich meine, dis ist eben einfach nur ne Vorstellung. Man schiebt eben doch. Oder irgendjemand schiebt. Und schiebt das dann zu einer Sache hin, die ungefähr stimmt oder wo man mit befriedigt ist, mit dem Ergebnis, was mehr oder weniger durch Zufall rauskommt."

Ultimativer Rat aus dem Internet.

Man sollte an ein Leben nach dem Tod und die Wiedergeburt von Seelen glauben.

O-Ton Jugendliche: "Ah, Buhh. Na ja, also wirklich dran glauben tu ich nicht. Ich hab das auch nur mitgemacht des Spaßes wegen, und würd es auch des Spaßes wegen immer wieder ja mal mitmachen."

"Na ich meinte, ob der Geist mir sagen könnte, wie alt ich werde. Und daraufhin meinte er 72."

"Ich würde das nie machen, ich hätte viel zu viel Angst davor, dass da was rauskommt in drei Wochen oder irgend so was. Und selbst wenn da rauskommt, ich werd 90, dann, ich glaub das Datum vergisst man sein Leben lang nicht."

Der Religionswissenschaftler Hartmut Zinser wollte es wissen und hat selbst spiritistische Geisterbefragungen miterlebt in all ihrer Banalität:

"Tante Erna teilt mit: 'Es geht mir hier gut, ich friere nicht, schöne Grüße', aber das ist natürlich eine Versicherung für Unsterblichkeit. Wie rudimentär auch immer, ein praktischer Beleg, und das nimmt den Menschen die Angst vor dem Tod."

Haben wir etwa die Geister im Zuge der Aufklärung zu sehr vertrieben? Womöglich rufen Viele deshalb unerklärliche Erscheinungen mit aller Macht zurück. Unsicherheit wirft die alten Fragen wieder auf: Ist diese Welt wirklich die einzige Realität? Gerade in Krisenzeiten kommen Esoterik und Okkultismus wieder. Schön für den Büchermarkt.

"Im Reich der Geister und tanzenden Hexen. Jenseitsvorstellungen, Dämonen und Zauberglaube" – gebundene Ausgabe 2002.
"Geister sind unter uns: Die Wahrheit über die ewigen Begleiter der Menschheit." – erschienen 2008.
"Mit Geistern reden: Wie man sie erkennt, ihnen entgegentritt und sie erlöst." – Taschenbuchausgabe, März 2009.
"Mit Engeln und Naturgeistern leben: Ein Grundkurs in Engellehre"


Das letztgenannte Buch schrieb Rudolph Steiner schon Ende des 19. Jahrhunderts, es wird aber bis heute immer wieder aufgelegt. In Steiners Anthroposophie ist der Glaube an Geister quasi Programm. Der anthroposophische "Flensburger Hefte-Verlag" veröffentlicht regelmäßig "Interviews mit Naturgeistern", worin drängende Lebensfragen von Lesern beantwortet werden. Die Geister werden als "Autoren" aufgelistet.

Und auch sonst: Jede Menge Hexen und Schamanen in der ach so aufgeklärten Gesellschaft. Bürger jeden Alters haben inzwischen die Geisterbahn bestiegen, um dem Alltag die richtige Würze zu geben.

Feen, Elfen, Drachen und Kobolde in der Fantasyliteratur. Nach dem "Herrn der Ringe" wabern jetzt Harry Potters Geister nicht nur durchs Kinderzimmer.

Zwanzig Geister bewegen sich durch Schloss Hogwarts, der Zauberschule. Magier, die früher dort gewohnt hatten, haben eine Art Abdruck hinterlassen, weil sie mit ihrem Leben nicht zufrieden waren. Oft entbehren die Geister nicht der Komik. Besonders die Maulende Myrte: Sie bewohnt eine defekte Toilette im Schloss. Kaum jemand betritt freiwillig den Raum, da Myrte ständig herumjammert und bei kleinsten Anlässen in Tränen ausbricht. Ein Monster hatte das Mädchen Myrthe getötet – genau auf jener Toilette, wo sie nun jeden nervt.

Oder der fast Kopflose Nick: Er sollte vor hunderten von Jahren enthauptet werden, aber der Henker hatte eine stumpfe Axt benutzt. Ein paar Zentimeter von Nicks Kopf blieben am Hals hängen. Und in diesem misslichen Zustand spukt er jetzt im Schloss herum.

Eines der Zwischenwesen ist ein Poltergeist: Peeves stiftet ständig Ärger und Unruhe und schmeißt mit zerbrechlichen Gegenständen um sich. So richtig böse ist er aber auch nicht, er mag nur auf Niemanden hören.

Und schließlich gibt es noch liebenswerte Hauselfen auf Hogwarts.


Auch im Kino ist die Geistershow in vollem Gange. Hier wird gerne der Teufel an die Wand gemalt. Geisterfilme sind oft Horrorgeschichten.

Tod, Dunkelheit, Einsamkeit, die menschlichen Urängste. Gruselige Totengeister in "The Sixth Sense", oder "Poltergeist", aber auch Tröstliches wie in "Ghost - Nachricht von Sam". Engel, die sich aus Liebe auf die Erde sehnen und Fantasyfilme für die ganze Familie. Im Fernsehen reichlich Serien mit Titeln wie "Psi-Faktor" oder "Ghostwhisperer". Manche kommen als Wissenschaftssendung daher wie "Galileo-Mystery", andere gar als Dokumentation mit Namen "Ghosthunters".

Inzwischen kann man der Geisterwelt auch ganz real wieder begegnen, nicht nur im Kino oder Fernsehen: "Geisterjagd" ist ein neues Hobby geworden, zuerst in den USA, jetzt auch in Deutschland. Im Internet findet man Hinweise zu den "Spooky Castles" in England und Schottland, und auch in Deutschland kann man seine Spuknacht buchen.

Verbringen Sie mit uns eine der aufregendsten und schauerlichsten Nächte Ihres Lebens in den alten Gemäuern eines Spukschlosses. Neben einer weißen Frau, die über die Jahrhunderte hinweg immer wieder gesichtet wurde, geht wohl auch eine im Schloss als Hexe verurteilte und auf einem nahen Hügel verbrannte Frau um, die auf Rache sinnt.
– 18.30 Uhr: Festliches Renaissance-Dinner
– 20 Uhr: Einführungsveranstaltung zur Geisterjagd
– 21.30 Uhr: Geisterjagd in dunklen Winkeln des Schlosses, aufgeteilt in kleine Gruppen.
Teilnehmer müssen über 18 Jahre alt sein.


"Man geht nachts an irgendwelche unheimlichen Orte, baut dort ein Hightech-Equipment auf, also Kameras, digitale Aufnahmegeräte, Infrarotthermometer, und versucht damit irgendwelche seltsamen Dinge aufzuzeichnen."

Bernd Harder hat es sich nicht entgehen lassen, so eine Geisterjagd mitzumachen. Obwohl oder gerade weil er "Skeptiker" ist. Er fungiert als Pressesprecher der GWUP, der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Diese Vereinigung wurde zuerst 1987 in den USA gegründet als Zusammenschluss von Wissenschaftlern und anderen Bürgern, die kritisches Denken durch den sich ausbreitenden Hang zum Okkultismus in Gefahr sehen. Denn Geisterjäger behaupten mittlerweile, Beweise vorlegen zu können.

"Und wenn man sich diese ganzen Aufzeichnungen dann ansieht, dann ist da natürlich immer irgendetwas Seltsames drauf, was man im ersten Moment nicht erklären kann, nur: das Ganze ist natürlich überhaupt kein Beweis für Geister. Diese Geräte, mit denen Geisterjäger da hantieren, die sind ja überhaupt nicht dazu gemacht worden, die haben ja ne völlig andere Funktion und sind natürlich auch sehr fehleranfällig, und man braucht eigentlich keinen Physiker und keinen Elektriker, sondern das ist ein Wahrnehmungsphänomen, da braucht man Leute, die sich mit Sinnestäuschungen auskennen. Man hört halt etwas, das gar nicht da ist, man sieht etwas, was gar nicht da ist, das passiert uns im Alltag ja auch sehr oft, aber wenn man versucht Leuten zu sagen, das könnte doch auch einfach ein Hörfehler sein, das hören sie Leute überhaupt gar nicht gerne."

Als Motive der zeitgeistlichen Geisterjäger vermutet Bernd Harder:

"Je technisierter unsere Welt wird und auch je komplizierte sie wird, desto mehr wächst die Sehnsucht nach etwas ganz anderem. Nach dem Sinn dahinter, also will man wohl irgendeine Art von Beweis für ein Leben nach dem Tod finden. Das häufigste Motiv dürfte einfach die Suche nach einem bisschen Nervenkitzel und Aufregung sein, so wie halt die Ghostbusters im Kino. Und uralte Motivation dafür ist bei vielen Geisterjägern, dass sie selbst mal irgendetwas Unerklärliches erlebt haben, und nun versuchen dem umfassend auf den Grund zu gehen."

Geisterhafte Erlebnisse wurden sowohl von Bewohnern als auch Gästen und Personal des Schlossgasthofes berichtet. Und wer weiß, vielleicht ist gerade Ihr Schlafgemach eines der spukreichsten Zimmer des Schlosses?

"Nun ja, ich kann das zum Teil verstehen, dass manche Menschen das sozusagen als Hobby verwenden, das ist vielleicht für viele ein harmloser, mehr oder weniger harmloser Freizeitspaß, aber es kann durchaus passieren, wie bei anderen im weitesten Sinne okkulten oder spiritistischen Praktiken, dass manche dieser Menschen dann auch die Geister nicht mehr los werden, die sie rufen, das heißt eben, dass manche Menschen mit einer gewissen Disposition, mit einer vielleicht seelischen Vorveranlagung sich da natürlich auch in Dinge hinein begeben, das heißt Phänomene machen oder selbst herbeiführen, die sie dann später nicht mehr aus dem Kopf bekommen."

Mit Geistern ist eben doch nicht zu spaßen. Eberhard Bauer leitet das 1950 gegründete "Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene". Dort kümmert man sich heute vor allem um Menschen, die sich durch "Spukphänomene" in Angst und Schrecken versetzt fühlen:

"Unser Erklärungsansatz besteht darin, dass wir diese spiritistische Erklärung, alsodass die Phänomene von Verstorbenen verursacht werden, durchaus als psychologische Realität akzeptieren, aber dann mit den Betreffenden versuchen herauszufinden, was wollen denn eigentlich die Geister?"

"Parapsychologen" nennen sich Bauer und all jene, die inzwischen weltweit unterwegs sind, um Spuk- und Geistererscheinungen, Hellsehen oder Telepathie, kurz: "PSI-Phänomene" zu untersuchen. Genauso wie die Hobby-Geisterjäger ziehen sie mit High-Tech-Equipment los und suchen zunächst nach natürlichen Ursachen des Übernatürlichen, meist mit Erfolg. Viele Spukerscheinungen haben simple physikalische Erklärungen: Temperaturschwankungen – der berühmte "kalte Hauch vorbeischwebender Geister" – ist in alten Gemäuern oft der Architektur oder dem Zahn der Zeit geschuldet. Geisterstimmen aus dem Teekessel erweisen sich als fehlgeleitete Radiowellen, und manchmal ist es die Kombination aus Physik und menschlicher Psyche, die Geister ruft.

Richard Wiseman, ein britische Parapsychologe und Magier, hat schon viele Geister um ihre angestammten Spukorte gebracht.

In den sagenumwobenen und für ihre Spukphänomene berüchtigten Gewölben von Edinburgh sperrte Wiseman im Jahr 2001 eine junge Freiwillige für 20 Minuten allein und in absoluter Dunkelheit in eines der Verliese. Eine Infrarotkamera zeichnete das Geschehen auf. Nach fünf Minuten glaubte die Frau Atemgeräusche im Gewölbekeller zu vernehmen, die immer bedrohlicher zu werden schienen. Als die Probandin in eine Ecke des Raumes starrte, sah sie ein rotes Glimmen und ergriff in Panik die Flucht. Der Versuch musste abgebrochen werden. Die Bilder der Kamera zeigten jedoch keinerlei Auffälligkeiten.

Feuchtigkeit, Kälte und Dunkelheit, erklärte Wiseman, erzeugen ein beklemmendes Gefühl, eine Urangst, die die Psyche des Menschen in Alarmbereitschaft versetzt und Sinnestäuschungen hervorrufen kann.

Parapsychologen sind bei ihrer Geisterjagd aber oft auch schon genarrt worden. Die aus Freiburg zum Beispiel von "Chopper", dem berühmtesten Geist der Bundesrepublik.

Monatelang spukte er in einer Zahnarztpraxis in einem Ort nahe Regensburg. Der Geist tönte aus Kloschüsseln, Spuknäpfen und Telefonhörern, beschimpfte Patienten und war in die 16jährige Zahnarzthelferin verliebt. Die räumte sogar ein, Sex mit dem Gespenst gehabt zu haben. Chopper wurde weltweit ein Medienstar. Schließlich rückten Polizei und Bundespost an sowie der Parapsychologe Hans Bender, der einem Pulk von Journalisten vor dem Haus erläuterte, um welches übersinnliche Phänomen es sich handeln könnte. Die "SoKo Geist" besetzte die Praxis mehrere Tage lang, legte technisch komplizierte Fallen und tauschte die Telefonanlage aus.
Am Ende stellte sich heraus, dass der Zahnarzt, seine Ehefrau und die Helferin den Spuk selbst inszeniert hatten – sie nutzten die besondere Akustik der gekachelten Praxisräume und Hohlräume in den Zwischenwänden für den Grusel. Die Täter wurden wegen Vortäuschung einer Straftat zu einer fünfstelligen Summe verurteilt und durften der Bundespost zudem den hohen Aufwand für Ursachensuche und Telefonaustausch erstatten.


Trick und Täuschung – die Skeptiker-Vereinigung will – anders als die von ihnen kritisch beäugten Parapsychologen – darauf nicht hereinfallen: Skeptiker arbeiten nicht nur mit wissenschaftlichen Methoden, sondern immer wieder auch mit professionellen Zauberern. Mit James Randi zum Beispiel, ein bekannter Magier und Mitglied der amerikanischen Skeptiker-Organisation:

"Wissenschaftler sind am leichtesten zu betrügen. Sie glauben, dass sie für alle Aufgaben ausreichend gebildet sind und deshalb nicht getäuscht werden können. Aber gerade dadurch gehen sie besonders leicht Betrügern auf den Leim. Ich gehe nicht zu einem Albert Einstein, wenn ich meine Zähne richten lassen will, und ich bitte nicht meinen Zahnarzt, mir die Relativitätstheorie zu erklären. Menschen haben unterschiedlichen Sachverstand, und Wissenschaftler, die denken, dass sie zu intelligent sind, um betrogen zu werden, sind die ersten, die den Eifelturm kaufen würden, wenn ihnen jemand den anbietet."

Religionsforscher Hartmut Zinser sitzt im Beirat der deutschen Skeptiker-Organisation GWUP. Parapsychologie als "wissenschaftliche Geisterjagd" kann er nicht ernst nehmen.

"Der Okkultismus hat einen großen Widerspruch: Er sagt nämlich: es gibt eine jenseitige Welt, die unserer Erfahrung entzogen ist, und gleichzeitig behauptet er, diese jenseitige Welt empirisch erfahren zu können. Und diesen Widerspruch den haben alle Parapsychologen nicht auflösen können, und deswegen kann es keine wissenschaftliche Esoterik oder Okkultismus geben. Was es geben kann, ist, dass ich die Vorstellungen der Menschen, die ja daran vielleicht auch glauben, untersuche. Da bin ich aber bei psychologischen Vorstellungen und Deutungen."

In diese Richtung haben sich die Parapsychologen auch inzwischen weiterentwickelt, jedenfalls die aus Freiburg. Eberhard Bauer geht es heute vor allem um Psychohygiene.

"Hinter vielen dieser Spukerscheinungen stecken eigentlich sehr herkömmliche alltägliche, normale – in Anführungszeichen – Probleme, sprich dass es sich um irgendwelche verdrängten Aggressionen handelt oder dass man mit Problemen von Herawachsenden zu tun hat, die mit ihrer Sexualität Schwierigkeiten haben, oder Ablösungsprozesse, Übergangsituationen oder dass vielleicht auch ganz massive Eheprobleme, Scheidungsprobleme anstehen und so weiter, diese Art und Weise, dass manche Menschen, viele Menschen sogar, Probleme personifizieren, also diese sozusagen in Form von Geistern oder von Verstorbenen sehen oder erleben: Diese Geisterhypothese ist ein bestimmter Kunstgriff unseres Unbewussten, Probleme zu visualisieren und anschaulich zu machen, handhabbar zu machen und insofern gibt es eben, um einen Kollegen von mir, Herrn von Lucadou, zu zitieren, die hübsche Formulierung "Geister sind auch nur Menschen", allerdings in einer spezifischen Form."

Die "Geisterhypothese" stammt vom Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung. Er verstand Geisterscheinungen als eine "psychische Realität". Auch Eberhard Bauer und seine Kollegen nehmen die Schilderungen der Hilfesuchenden ernst und versuchen für sie einen Sinn darin zu finden. Aber nicht immer können solche Bemühungen die Geister vertreiben:

"Es gibt eben einen bestimmten Prozentsatz von unserer Beratungsklientel am Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie, so 30 bis 40 Prozent, wo die Leute zumindest einen gewissen auffälligen Charakter haben in der Art und Weise, wie sie sich verhalten, wie sie das schildern und so weiter, und da versuchen wir eine entsprechende Versorgung vor Ort zu machen, und dazu gehört eben, dass man mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Psychotherapie, aus der klinischen Psychologie Kontakte herstellt oder in manchen, eher seltenen Fällen natürlich auch eine psychiatrische Versorgung vor Ort eben anstreben muss."

"Das kann eine Bandbreite sein, von eben tatsächlich einer neurotischen Konfliktlage, dass die Leute versuchen, sich selbst wieder zu stabilisieren über solchen Aberglauben, also das würde dann ja Aberglaube bei uns heißen, bis hin zu dem, dass das dann ein ganz ausgefeiltes Wahnsystem ist, eben tatsächlich eine Psychose, was bedeutet, dass sie die Realitätsvorstellungen oder Bedeutungen der anderen Menschen in ihrem sozialen Kontext eben nicht teilen."

Dr. Ernestine Wohlfart ist Psychiaterin, verirrte Seelen und verwirrte Geister hat sie somit erforscht. Aber sie ist auch Leiterin des "Zentrums für Interkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie" an Charité in Berlin und als solche etwas vorsichtiger mit psychiatrischen Diagnosen, gerade wenn es um Geistervorstellungen geht:

"Man kann natürlich nur jeweils das beurteilen, auch als Psychiater, was jetzt sozusagen die Grenzüberschreitung von der Realität ist, wenn man sich auskennt mit dem kulturellen Kontext, man muss immer so an die Grenze gehen können auch im Gespräch mit Patienten, wo man heraus findet, ist jetzt dieser Dämon tatsächlich, gehört der zu dem kulturellen Kontext oder nicht."

In die psychiatrische Ambulanz wird ein afrikanischer Mann mittleren Alters eingeliefert, der seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Er ist völlig verzweifelt, hat furchtbare Angst und erzählt dem Arzt von unheimlichen Ereignissen um ihn herum: Manchmal sei ihm, als ob er plötzlich von einer unsichtbaren Hand gepackt werde, seine Mutter und ihre Schwestern erscheinen ihm im Schlaf und fesseln und quälen ihn. Seine Seele sei entführt worden, sagt der Mann, und er fühle sich "wie ein Baum, der langsam vertrocknet."

In der Therapie wurde bald deutlich, dass es sich hier um den seelischen Konflikt eines Menschen zwischen verschiedenen Kulturen handelt. Die Mutter des Afrikaners hatte bei ihrem Besuch tatsächlich versucht, den Sohn – der ihr zu "westlich" lebte – auf den "richtigen Weg" zurückzuführen. Sie vollzog traditionelle afrikanische Rituale in seiner Wohnung. Der Mann glaubte zwar nicht daran, aber als die Mutter ihn warnte vor dem Zorn der Ahnengeister und zugleich verwünschte – kam die Angst und ließ ihn nicht mehr los.

In der Ethno-Psychiatrie, sagt Ernestine Wohlfart, geht es darum, die Geister "ernst zu nehmen", zu verstehen, welche Bedeutung sie in der jeweiligen Kultur haben und wie der Umgang mit ihnen dort normalerweise abläuft. Erst dann kann eine Diagnose gestellt und eine Therapie gefunden werden.

"Ich mein, das ist alles ein Grenzbereich und das ist auch alles sehr schwierig, weil zum Beispiel Patienten durchaus aufgrund ihrer Sozialisation zum Beispiel eben diese Fähigkeit haben, in Trance zu gehen. Und das Wesentliche ist immer zu unterscheiden, wann die Leute sich selber gefährden oder andere gefährden und was für diese Patienten die beste Möglichkeit der Behandlung ist."

Zudem hat die Psychiaterin mit ihrem kulturwissenschaftlichen Ansatz im Laufe ihres Umgangs mit fremden Dämonen auch etwas mehr Verständnis für Geistervorstellungen von Menschen aus christlich-abendländischen Kulturen entwickelt. Das Klappern im Hintergrund übrigens könnte von den zustimmenden Geistern der Charité stammen.

"Das mit den Schutzengeln, das ist etwas, was der Mensch dann offensichtlich auch in der westlichen, aufgeklärten Welt – zumindest manche – brauchen, dass sie wissen, es gibt auch noch etwas anderes als diese Realität oder auch meine Autonomie, die alles bestimmen kann. Ich habe mal einen jüngeren Patienten aus Rostock behandelt, der mit 17 so die Vorstellung entwickelt hatte, dass er einen besonderen Bezug zu Gott hat und wurde dann natürlich mit Neuroleptika behandelt, und so Mitte 30 – dank unserer Offenheit in der Ambulanz, dass er das auch irgendwie weiter behalten darf, hat er eben diese Vorstellung, dass ihn das schützt, dass er eine besondere Beziehung zu Gott hat, aber eben nicht mehr in so einem akuten Erregungszustand oder so was ist, sondern das für sich akzeptiert hat."

Manchmal kann man Geister vielleicht auch einfach hinnehmen. Die katholische Kirche hat das allerdings bis heute nicht geschafft. In der ihrer Dogmatik spielt die Geisteraustreibung weiter eine Rolle.

Im "Rituale Romanorum" von 1999 wird der Exorzismus genau geregelt. Er soll heutzutage nur noch ein Gebet sein, so wie es im Vaterunser heißt: " ... und erlöse uns von dem Bösen". Der Exorzist fragt nicht mehr nach dem Namen der Teufel – "Wie heißt du?" –, sondern fordert ihn direkt auf, den Gequälten zu verlassen. Der "Besessene" muss diesem Gebet um Befreiung ausdrücklich zustimmen. Und vor allem soll immer erst "genau festgestellt werden", ob wirklich eine "Besessenheit" vorliegt.

Was immer das heißen mag. Hartmut Zinser:

"Die Kirchenoberen haben nach meinen Beobachtungen in den letzten Jahrzehnten, eigentlich seit dem Vaticanum II diese Seiten aus dem Katholizismus zurückgedrängt, sie machen selbst strengste Kontrollen, vor allen Dingen nach diesem Zwischenfall da in Würzburg, Anneliese Michel, die dann an so einem Exorzismus gestorben ist. Dann bieten sich aber sofort Leute an, man fährt also von Allgäu nach Italien in ein anderes Bistum, und das ist den Bischöfen zum größten Teil überhaupt nicht recht."

Das sieht der Religionswissenschaftler vielleicht doch etwas zu rosig. Immerhin gibt es eine "Internationale Vereinigung der Exorzisten", gegründet 1990 von Pater Gabriele Amorth, dem offiziellen Exorzisten des Vatikans, der selbst schon massenhaft Geisteraustreibungen vollzogen haben soll.

"Sie sind da und sie sind ein Beleg dafür, wie unendlich groß die Bedürfnisse nach Unterstützung nach Hilfe nach Begeisterung, nach Unterhaltung auch ist. Für sich oder an sich existieren die Geister nicht. aber in dem Moment, wo es Menschen gibt, die an sie glauben, fangen die Geister an zu existieren in den Köpfen der Menschen. Und dieser Geisterglaube ist so hart wie der Glaube ans Papier, dass es Geld ist."

Die Geister sind immer da – auch wenn sie es manchmal schwer haben mit den Menschen. Bei Oscar Wilde ist das geistreiche Augenzwinkern unverkennbar.

Sir Simon de Canterville, anno 1575 hungers gestorben, spukt seit Generationen im Schloss. Im 19. Jahrhundert kauft der amerikanische Botschafter Washington Otis das Schloss vom letzten Lord Canterville. Dieser erklärt:

Wir möchten selbst dort nicht mehr wohnen, seit meine Großtante vor Schreck einen Anfall bekam, weil sich zwei Knochenhände auf ihre Schultern legten. Und ich fühle mich verpflichtet, Ihnen zu sagen, Mister Otis, dass mehrere lebende Mitglieder meiner Familie das Gespenst gesehen haben sowie auch der Pfarrherr der Gemeinde. Nachdem der Herzogin jener Unglücksfall zugestoßen war, wollte keiner von der jüngeren Dienerschaft bei uns bleiben.

Erz.: Die Familie zieht trotzdem ein – Der Botschafter weigert sich überhaupt an Geister zu glauben, während die Kinder den "tatsächlich" herumgeisternden Sir Simon mit frechen Streichen ärgern. Endgültig sauer wird das Gespenst, als Otis die alte Haushälterin anweist, einen Fleck auf dem Fußboden neben dem Kamin zu entfernen – obwohl die Frau darauf hinweist, es handele sich um das Blut von Lady Eleanore von Canterville, die 1575 vom eigenen Gatten, Sir Simon, ermordet worden war. Es sei ja eben diese Schuld, die ihn nicht zur Ruhe kommen lasse.
Der amerikanische Gesandte greift entnervt zu "Pinkertons Fleckenentferner" und entfernt das Mal selbst. Sofort erhellt ein gewaltiger Blitz den Raum und es ertönt ein schrecklicher Donnerschlag. "Was für ein scheußliches Klima!", bemerkte Otis gelassen und zündete sich eine lange Zigarre an.


Ein bisschen Magie braucht der Mensch von Zeit zu Zeit wohl doch – ein paar Geister, gute und böse - und sei es nur, um sie vertreiben zu können.

Ausgelassenheit, Lärm und Lichtzauber erfüllen die Silvesternacht, in der das neue Jahr anhebt. In den meisten deutschen Städten brennt man um die Mitternachtsstunde Feuerwerkskörper ab, wirft Frösche, entzündet Böllerschläge und zieht lärmend durch die Straßen, den Begegnenden Glück wünschend. Auch auf dem Lande sind Schießen, Trommeln, Pfeifen und Peitschenknallen noch weithin üblich.

"Ich werde tatsächlich ganz klassisch versuchen, an Silvester die Geister mit Böller und Raketen zu vertrieben, aber ich weiß ja was für einen Sinn das hat und dass ich vermutlich damit nicht wirklich irgendwelche Geister bannen kann – unter anderem, weil gar keine gibt. Gut, wenn dann Kinder dabei waren, dann muss man das für die Kinder machen, Geister vertreiben und Knaller und Dunkelheit vertreiben, das muss dann auch schon alles sein, man soll die Feste so feiern wie sie fallen!"

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