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StartseiteUmwelt und VerbraucherSchädlich für die Augen: auf das Handy starren05.10.2015

GesundheitSchädlich für die Augen: auf das Handy starren

Tablet, Smartphone und Computer - wir starren inzwischen viele Stunden am Tag auf diese Geräte. Doch was hat das für einen Effekt aufs Sehen? Denn unsere Augen sind nicht dafür konzipiert, ständig auf Bildschirme zu starren. Die geringe Nähe zum fokussierenden Gegenstand kann zu einem Problem werden und zu Kurzsichtigkeit führen.

Von Daniela Siebert

Viele Menschen nutzen das Smartphone, um sich Videos anzuschauen (dpa/picture alliance/Kyodo)
Mit ein paar Tricks kann man bestimmte Risiken durch das Starren aufs Handy verringern. (dpa/picture alliance/Kyodo)
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Unsere Augen unterscheiden sich in ihrer Konstruktion kaum von denen bei Menschenaffen oder auch Dinosauriern sagt Professor Frank Schaeffel. Für das permanente Schauen auf größere oder kleinere Bildschirme sind sie ganz sicher nicht konzipiert erklärt der Neurobiologe von der Uni-Klinik in Tübingen.

"Unsere Vorfahren waren wahrscheinlich Steppenbewohner und haben natürlich auch gejagt, die mussten also in der Ferne scharf sehen, gleichzeitig haben die aber auch Handarbeit gemacht, das heißt, man muss in der Nähe und in der Ferne scharf stellen können, das heißt, wir haben eine ausgezeichnete Akkommodation, so nennt man das, wenn man hin und her fokussieren kann. Unser Auge ist optimiert für Outdoor Activity, Aufenthalt im Freien und Sehen in die Ferne, ganz sicher."

Dass wir nun aber in Räumen so viel und lange auf Bildschirme direkt vor uns schauen, erhöht vor allem das Risiko, kurzsichtig zu werden, ist sich Schaeffel mit Professor Wolf Lagrèze von der Universitätsaugen-Klinik Freiburg einig. Das gilt insbesondere für Kinder und Teenager:

"Die Smartphones oder Tablets selber sind nicht schädlich für die Augen, sondern, dass einfach Kinder dadurch nicht mehr so in dem Maße rausgehen und draußen spielen, wie sie das früher gemacht haben und wer viel drinnen ist im Vergleich zu jemandem, der viel draußen ist, der hat ein deutlich erhöhtes Risiko, kurzsichtig zu werden."

Dabei stünden digitale Displays Büchern in nichts nach, so Schaeffel. Videospieler haben sozusagen dasselbe Risiko wie klassische Leseratten: Entscheidend ist die geringe Nähe zum fokussierten Gegenstand. Generell sei Naharbeit das Problem, betonen die Experten, also alles was sich maximal auf Armlänge abspielt, nähen beispielsweise kann deshalb ebenfalls zu Kurzsichtigkeit führen. Wissenschaftliche Studien haben inzwischen aber gezeigt, dass es schützt, viel raus ans Tageslicht zu gehen.

"Natürlich kann man durch diese Maßnahme Kurzsichtigkeit nicht 100-prozentig vermeiden und das Fortschreiten auch nicht 100-prozentig aufhalten, sondern man kann damit nur bestimmte Risiken vermindern. Die Empfehlung wäre: zwei Stunden am Tag draußen Zeit zu verbringen, aber es gibt da keine eindeutig benennbaren Schwellen."

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In Taiwan hat man daraus sogar schon die Vorschrift abgeleitet, dass Schulkinder jeden Tag 120 Minuten ins Freie müssen. Mit Erfolg: Daraufhin sank dort die Rate an kurzsichtigen Erstklässlern von 50 Prozent auf 45 Prozent.

Trockene Augen sind ein anderes Problem, das durch angestrengtes Display gucken entstehen kann:

"Also bei der Büroarbeit am Computer, auch wenn man zuhause am Computer sitzt oder Tablet-PC oder von mir aus am Smartphone spielt, ist es so, dass man bei konzentrierten Sehaufgaben weniger häufig blinzelt, das heißt, die Augenoberfläche kann trockener werden und wenn wir jetzt über die Büroarbeit nachdenken, ist es so, dass durch eine vielleicht nicht ganz gute Luftqualität oder zum Beispiel im Winter, wenn viel geheizt wird, die Luft sehr trocken wird, das sind alles Faktoren, die die Augenoberfläche reizen können und dann zu dem sogenannten trockenen Auge führen können. Da gibt es keine bleibenden Schäden, das ist nur unangenehm."

Er empfiehlt, zwischendrin bei der Büroarbeit, die Augen auch mal in die Ferne schweifen zu lassen und die Augen zur Erholung gelegentlich für mehrere Sekunden zu schließen. Frank Schaeffel hat sich für seine Augen folgende Hilfe überlegt:

"Was eine ganz einfache Sache ist: Man kauft einen Monitor, der groß genug ist und stellt ihn weit genug weg, das ist nicht direkt getestet, aber aus den Daten die vorliegen, ist das eine Schlussfolgerung, die sinnvoll ist, mache ich selber auch jetzt wo die billig sind würde ich einen kaufen, wo ich einen Meter weg sitze und einen 27 Zoller, das lohnt sich sicherlich."

So etwas wie eine Höchstdauer, wie lange es gut ist, am Tag auf Displays zu schauen, solch eine Höchstdauer wollen die Experten nicht nennen. Evolutionsbiologisch betrachtet, sei es vielleicht auch gar nicht so schlimm, wenn immer mehr Menschen kurzsichtig würden, gibt Frank Schaeffel zu bedenken.

"Was soll man dem Auge denn sagen, was es machen soll? Wenn ich immer nur in der Nähe gucke, warum soll ich ihm sagen, es soll sich optimieren für große Entfernungen?"

Bei sehr starker Kurzsichtigkeit können sich allerdings auch diverse Folgeerkrankungen einstellen.

 

 

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