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Seit 11:35 Uhr Umwelt und Verbraucher
StartseiteUmwelt und VerbraucherVegetarische Nahrung und medizinische Effekte11.05.2016

GesundheitVegetarische Nahrung und medizinische Effekte

Verarbeitetes Fleisch kann beim Menschen Darmkrebs verursachen. Das hat die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation veröffentlicht. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Mediziner für die gesundheitlichen Vorteile vegetarischer Ernährung interessieren.

Von Daniela Siebert

 Ein Glas Haferdrink, Reisdrink und Sojadrink, umrundet von Getreidekörnern.   (imago / Niehoff)
Haferdrink, Reisdrink und Sojadrink bilden Alternativen zu Milch. (imago / Niehoff)
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"Es ist sehr gut gesichert, dass sich durch pflanzliche, vor allem eine vegane oder vegan betonte Ernährung, sehr gute Effekte bei Diabetes Mellitus, bei Bluthochdruck und in der Reduktion von kardiovaskulären Erkrankungen zeigen lassen. Es gibt einige Krebsformen, da sehen wir Vorteile: Prostatakrebs, Darmkrebs, für andere Formen wie Brustkrebs ist es noch nicht schlüssig zu sagen", sagt Andreas Michalsen, Professor für Naturheilkunde an der Charité und Chefarzt für Integrative Medizin am Berliner Immanuel-Krankenhaus. Vegane Ernährung bedeutet: Verzicht auf jegliche tierische Nahrung: kein Fisch, kein Fleisch, keine Eier, keine Milchprodukte. 

Der US-amerikanische Arzt Neal Barnard konnte in seiner Klinik sogar ohne Medikamentengabe, allein mit solch einer Diät etliche Patienten mit Bluthochdruck und  Patienten mit Diabetes Typ 2 komplett heilen. Außerdem sei veganes Essen besser zur Vorbeugung gegen Alzheimer:

"Es gibt Nahrungsmittel, die das Risiko erhöhen, dazu gehören Milch- und Fleischprodukte. Das Fett darin ist nicht nur für das Herz schlecht, sondern auch für das Gehirn. Nahrungsmittel, die viel Vitamin E enthalten, scheinen dagegen eine Schutzwirkung zu haben, zum Beispiel Nüsse und Samen."

Pflanzliche Ernährung kann hilfreich sein

Auch grünblättriges Gemüse wie Spinat und Mangos seien reich an Vitamin E so Neal Barnard.

Sein Arzt-Kollege Michael Greger von der Tierschutzorganisation "Humane Society" vermutet, dass pflanzliche Ernährung auch bei vielen anderen Problemen hilfreich sein könnte, wie rheumatischer Arthritis oder psychischen Erkrankungen wie Depression.

Dazu fehlen bisher allerdings klare wissenschaftliche Beweise. Wie andere Experten auch, betont Greger, dass aber auch eine vegetarische oder vegane Ernährung schlecht sein kann, wenn sie nicht ausgewogen ist, beispielsweise mit zuviel Nudeln und zu wenig Vitaminen. Auch auf die Qualität der Nahrungsmittel kommt es an, wenn man die gesundheitlichen Vorteile nutzen möchte:

"Wenn Sie in meinen Gefrierschrank schauen, da sind zur Hälfte gefrorene Beeren drin, zur Hälfte gefrorene Grünpflanzen. Denn manchmal ist gefrorenes Obst und Gemüse sogar gesünder als das Frischgemüse im Supermarkt, das vielleicht schon eine Woche per Schiff aus Neuseeland angereist ist. Durch Licht und Luft gehen jeden Tag Nährstoffe verloren. Das Einfrieren dagegen geschieht oft noch am Tag der Ernte, so dass mehr Nährstoffe erhalten bleiben."

Frische regionale Produkte seien auch prima, bei Konserven sollte kein Salz enthalten sein rät Greger.

Äpfel mit Schale essen, Tee ohne Milch trinken

Claus Leitzmann, Ernährungswissenschaftler von der Universität Giessen, hebt vor allem auf die Vorteile sogenannter sekundärer Pflanzenstoffe ab. Davon gibt es Abertausende, die meisten davon noch unerforscht. Von etlichen kennt man aber schon positive Wirkungen etwa gegen Krebs, gegen freie Radikale, gegen Bakterien. Zu den bekannteren gehören Flavonoide und Carotinoide. Damit ihre Körper von solchen sekundären Pflanzenstoffen optimal profitieren können, gibt Leitzmann Verbrauchern diese Tipps: Äpfel mit Schale essen, Tee ohne Milch trinken und Karotten auch gekocht konsumieren. 

Zu den besonders gesunden Geheimtipps zählen für Leitzmann und andere Experten: Grünkohl, Aprikosen, rote Trauben und rote Beeren. 

Man muss nicht gleich den ganzen Weg gehen und Veganer werden, gestehen die Fachleute zu, aber jeder Schritt in diese Richtung seien sinnvoll. Andreas Michalsen bringt es auf diese Faustregel für alle: Je weniger tierisches Fett und Eiweiß desto gesünder. Die gängigen Warnungen vor Mangelernährung von Veganern hält er für übertrieben.
 
"Das ist eigentlich ein Ärgernis, weil wenn wir einfach die Daten sehen, überwiegt der Nutzen wenn man eine vegane Ernährung aufnimmt, massiv deutlich die mögliche Gefährdung."

Zu den Skeptikern gehört die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Sie hatte erst kürzlich empfohlen: Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche sollten sich überhaupt nicht vegan ernähren. Und Veganer sollten unbedingt Vitamin B12 Präparate einnehmen. Einen möglichen Mangel von Vitamin B12, das für die Nerven und das Blut wichtig ist, hat auch Andreas Michalsen im Blick. Er rät Veganern, alle sechs Monate den Pegel kontrollieren zu lassen und nur bei Bedarf die Zusatz-Präparate einzunehmen. Studien haben außerdem gezeigt, dass Veganer auf ihre Kalziumzufuhr achten müssen, weil sie sonst leichter Knochenbrüche bekommen könnten.

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