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StartseiteSprechstundeGesundheitslexikon Kreuzbandriss14.10.2008

Gesundheitslexikon Kreuzbandriss

Von den Bändern am Knie ist besonders das vordere Kreuzband verletzungsanfällig. Oft passiert das beim Überdrehen des Knies, bei einem Sturz beim Skifahren oder durch einen Tritt gegen das Knie beim Fußball spielen. Häufig reißen Kreuzbänder, wenn der Sportler eine Bewegung plötzlich abbremst und dabei das Knie gleichzeitig dreht.

Von Renate Rutta

Ein Skifahrer genießt auf der Loferer Alm im Bundesland Salzburg den Tiefschnee. (AP Archiv)
Ein Skifahrer genießt auf der Loferer Alm im Bundesland Salzburg den Tiefschnee. (AP Archiv)
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"Das war ein Skiunfall. Ich bin ein bisschen zu langsam gefahren, da ist die Bindung nicht aufgegangen beim Sturz. Wie das genau passiert ist im Fliegen, hab ich nicht mitgekriegt aber hinterher tats weh. Ich hab einen Knall gehört und einen Schmerz gespürt und konnte danach, also die erste Viertelstunde, 20 Minuten konnt ich gar nicht aufstehen und als ich dann irgendwann stand, gings eigentlich aber das hat ne Weile gedauert."

Alexandra Schneider konnte zwar nach dem Sturz wieder aufstehen aber an eine Abfahrt ins Tal war nach der Verletzung am Knie nicht zu denken.

"Ich hab das ganze Programm mitgenommen, ich bin Pistenraupe gefahren, Helikopter geflogen. Ich wurde ins Krankenhaus geflogen und da ist das Knie geröntgt worden. Die haben den Verdacht auf Kreuzbandriss geäußert, das kann man aber beim Röntgen nicht sehen und dann war der Urlaub eh am nächsten Tag zu Ende und dann hab ich mich hier in die Röhre gelegt und ja, dann wurde der Verdacht bestätigt."

Von den Bändern am Knie ist besonders das vordere Kreuzband verletzungsanfällig. Oft passiert das beim Überdrehen des Knies, bei einem Sturz beim Skifahren oder durch einen Tritt gegen das Knie beim Fußball spielen. Häufig reißen Kreuzbänder, wenn der Sportler eine Bewegung plötzlich abbremst und dabei das Knie gleichzeitig dreht.

"Dann muss das Kniegelenk diese indirekte Gewalt abfangen, wobei es zum einen dazu kommen kann, dass die Menisken verletzt werden, zum andern die Bänder, die das Kniegelenk zum einen innen wie außen festigen, als auch die sogenannten Kreuzbänder, die praktisch die Bewegung des Oberschenkels gegen den Unterschenkel limitieren."

Dr. Michael Ahle, Arzt für Chirurgie und Unfallchirurgie, leitete die Ambulanz an der Deutschen Sporthochschule in Köln und hat daher viel Erfahrung mit Knieverletzungen.

Dass das Knie so anfällig ist, liegt zum einen an der komplizierten Anatomie. Und es liegt daran, dass das Knie das am meisten beanspruchte Gelenk des Körpers ist, denn es trägt einen Großteil des Körpergewichts.

Etwa 80.000 mal passiert das pro Jahr in Deutschland - so wie es Alexandra Schneider getroffen hat.

"Danach musst ich in die Orthopädie, dann wurden ein paar Tests durchgeführt an meinem Knie und dann muss erstmal sechs bis acht Wochen gewartet werden bis die Schwellung raus ist und der Erguss raus ist und bevor operiert werden kann."

Neben den Bändern reißen nämlich auch kleine Blutgefäße und so kommt es zu einem Bluterguss im Knie. Das Kniegelenk schwillt an - und das verheißt nichts gutes.

"Man hat als erstes Symptom einen Schmerz im Knie, dann häufig eine Bewegungseinschränkung und auch eine Schwellung des Kniegelenks, wobei man sagen muss, dass die Schwellung des Kniegelenkes immer eine schwerere Verletzung anzeigt. Schwerer heißt, dass dann häufig Strukturen, die im Kniegelenk selber sind, also zum Beispiel Kreuzbänder verletzt sind, es hierdurch zu einer Blutung dann kommt."

Die Kreuzbänder verlaufen - daher ihr Name - überkreuz von der Mitte des Schienbeinkopfes zum Oberschenkelknochen hin.
Jedes Kniegelenk verfügt über zwei Kreuzbänder, ein vorderes und ein hinteres, wobei Schäden am hinteren Kreuzband selten vorkommen. Die Verletzung des vorderen Kreuzbandes ist mit etwa fünfzig Prozent die häufigste Bandverletzung am Kniegelenk.

Um die Verletzung genau einzugrenzen, werden am Knie mehrere Untersuchungen durchgeführt. Überprüft wird die Bandstabilität am Kniegelenk. Ein Test, der bei Verdacht auf Kreuzbandverletzungen angewandt wird, ist der sogenannte Lachmanntest, wie Dr. Ahle erklärt.

"Wenn wir jetzt das Beispiel einer vorderen Kreuzbandverletzung nehmen, führt das dazu, dass man den Unterschenkel unnatürlich gegen den Oberschenkel nach vorne hinaushebeln kann, das ist der sogenannte Lachmanntest. Weiterführend würde man eine Diagnostik machen, das sogenannte Kernspin oder MRT, wodurch man eine Verletzung der Kreuzbänder diagnostizieren kann. Röntgen, wenn ich eine knöcherne Verletzung ausschließen will. Also ein dick geschwollenes Knie mit einem Bluterguss im Knie kann zum Beispiel auch eine knöcherne Verletzung zum Beispiel ein Knochenbruch im Bereich des Schienbeinkopfes sein, das kann auch dazu führen."

Ein weiterer Test zur Bandstabilität am Kniegelenk ist der Schubladentest. Hier wird eine vermehrte Verschieblichkeit nach vorn und hinten überprüft.

"Die zweite Untersuchung, die man bei frisch verletztem Kreuzband fast nie durchführen kann, ist die sogenannte vordere Schublade, das heißt ich beuge das Knie etwa 90 Grad, fixiere den Fuß mit meinem eigenen Hintern und halte dann mit der einen Hand den Oberschenkel an der Kniescheibe fest und ziehe jetzt den Unterschenkel wieder gegen den Oberschenkel nach vorne. Auch hier kann man merken, dass er stabil ist und dass man einen festen Anschlag hat."

Ist nun eindeutig geklärt, welche Strukturen im Knie verletzt sind, fällt die Entscheidung, ob operiert wird oder nicht.
Durch den Riss des vorderen Kreuzbandes kommt es nämlich zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Instabilität des Kniegelenks. Das kann zum Wegknicken des Knies und zu Stürzen führen und noch weitere Folgen haben.

"Es verbleibt für den Patienten eine Instabilität mit einer häufigen erneuten Verletzung und langfristig gesehen führt dies dazu, dass der Knorpel im Kniegelenk, der Knorpelüberzug auf dem Schienbein und dem Oberschenkelknochen, verschleißt und dann eine frühzeitige Arthrose des Kniegelenks eintritt."

Nicht immer muss jedoch operiert werden. Bei sportlich wenig aktiven Patienten reicht manchmal ein konsequentes Training der Oberschenkelmuskulatur.

Alexandra Schneider bekam eine Schiene für ihr Knie, musste acht Wochen warten, bis es abgeschwollen war und wurde dann operiert.

"Bei der Operation wurden mir aus dem Oberschenkel zwei Sehnen entnommen und mit zwei Schrauben oben und unten, also mit einer Schraube im Oberschenkel und mit der andern Schraube im Unterschenkel befestigt und als Ersatz dann quasi für das kaputt gegangene Kreuzband eingebaut."

Das ersetzte Kreuzband darf natürlich nicht sofort voll belastet werden.

"Der Arzt hat mir gesagt, zwei bis drei Wochen auf Stützen gehen und ne Teilbelastung von höchstens 20 kg auf dem Bein, ja und danach hoff ich, dass ich bald wieder ohne Stützen und auf meinen eigenen Beinen laufen kann."

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Um die Heilung zu unterstützen macht sie leichte Bewegungsübungen und Krankengymnastik. Weil ihr operiertes Bein noch leicht geschwollen ist, erhält sie eine sogenannte Lymphdrainage. Dabei sorgt der Physiotherapeut Arno Bamberg dafür, dass die überschüssige Flüssigkeit aus dem Bein abgeleitet wird.

"Vor allen Dingen am Anfang in der ersten Phase, wo der Patient überwiegend ruhig gestellt wird, steht Lymphdrainage im Vordergrund. Allerdings muss man da auch schon durch Bewegungsübungen darauf achten, dass man möglichst schnell die volle Streckung im Knie erreicht, mit der Beugung wird es ein bißchen dauern, geht man noch langsam an, weil das reizt das Knie."

"Haben Sie vielleicht einen Arztbericht dabei? Ja.- Wunderbar, ja Zustand nach Kreuzbandplastik, die Operation ist jetzt 5 Tage her - hm - legen sich bitte mal hin - ja - was ist das so genau Lymphdrainage? - einfach gesagt beschäftigt sich Lymphdrainage damit, Flüssigkeit zu verschieben, - hm - wir fangen am besten hier in der Leiste an, da befinden sich die Leistenlymphknoten, die müssen angeregt werden, damit sie die Flüssigkeit, die nach oben verschoben wird, weitertransportieren können - hm und die Flüssigkeit geht nicht von alleine weg? - nein, sie geht nicht von alleine weg, deswegen machen wir das hier, so ich fang hier am Oberschenkel an, verschiebe die Flüssigkeit nach oben, das machen wir schichtweise vom Oberschenkel nach oben, dann zum Unterschenkel, dann zum Fuß, das ganze wird etwa eine halbe Stunde dauern.

Wenn's zu fest sein sollte, bitte sagen - hm - es darf nicht weh tun - ne, tut es nicht - ok
Wie lange dauert das jetzt erfahrungsgemäß, bis ich wieder ein normal geformtes Knie habe? - also ne Restschwellung wird sicher ein bisschen länger dauern aber im Lauf der Lymphdrainage werden Sie sehen, dass das Bein, insbesondere das Knie abschwillt, 2 bis 3 Wochen, dann sieht es schon anders aus - das ist ja schön."

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