Dienstag, 21.11.2017
StartseiteUmwelt und VerbraucherPilzbefall bedroht die Getreideernte im Mittelmeerraum17.03.2017

GetreideschwarzrostPilzbefall bedroht die Getreideernte im Mittelmeerraum

Im vergangenen Jahr sind durch Pilzbefall große Teile der Getreideernte auf Sizilien vernichtet worden. Ursache war eine bisher unbekannte Variante des Getreideschwarzrosts. Die Sporen können mit dem Wind weite Strecken zurücklegen, dieses Jahr könnte es den ganzen Mittelmeerraum betreffen. Die Welternährungsorganisation ist alarmiert.

Von Lisa Weiß

Ein Botaniker in Großbritannien versucht, auf einem Blatte den Pilz Getreideschwarzrost zu identifizieren, der die Getreideernte bedroht.  (imago / David Woodfall)
Ein Botaniker in Großbritannien versucht, auf einem Blatte den Pilz Getreideschwarzrost zu identifizieren, der die Getreideernte bedroht. (imago / David Woodfall)

Stichprobenartig dreht Agronom Biagio Randazzo die Blätter seiner jungen, grünen Weizenpflanzen um, schaut, ob dunkle Flecken im Grün sind, Sporen herabrieseln. Eigentlich ist es noch zu früh im Jahr für Pilze, die den Getreideschwarzrost verursachen. Aber sicher sei hier gar nichts mehr, sagt Randazzo. Schließlich war der Getreideschwarzrost bis vor kurzem hier auf Sizilien so gut wie unbekannt:

"Ich hatte ihn noch nie gesehen. Vor zwei Jahren habe ich ihn auf sehr spätreifenden Getreidesorten bemerkt, aber letztes Jahr war er sehr früh da, schon um den 20. April."    

Die Krankheit kann ganze Ernten vernichten

Und nicht nur auf seinen Feldern, sondern fast überall in Sizilien hatte der Getreideschwarzrost seine Spuren hinterlassen. Was den Wissenschaftler und Landwirt wunderte: Selbst die Getreidesorten, die eigentlich gegen Schwarzrost immun sein sollten, waren befallen. Deshalb nahm er Proben, schickte sie zum Referenzzentrum für globale Rosterkrankungen an der Universität Aarhus in Dänemark. Mit dem Ergebnis: Es handelt sich um eine neue, bisher unbekannte Art. Eine, die besonders aggressiv ist. Entsprechend besorgt ist die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, kurz FAO. Man müsse noch weiterforschen, aber die Bauern sollten ihren Weizenbestand besonders sorgfältig kontrollieren. Denn möglicherweise könnte sich der Pilz ausbreiten, sagt Fazil Dusunceli von der FAO.

"Wir wissen nicht, wie die verschiedenen Getreidesorten reagieren, wie widerstandsfähig sie gegen den Pilz sind und wie diese Art in kälteren Gegenden klar kommt. Wir haben sogar von Infektionen in Deutschland mitbekommen, aber nur in sehr geringem Umfang."

Klar ist, solche Pilzsporen können mit dem Wind mehrere hundert Kilometer weit reisen, auch übers Meer, bis nach Afrika. Und: Die Krankheit kann ganze Ernten vernichten. Das hat auch Landwirt Giuseppe aus Ciminna in der Gegend von Palermo gemerkt:

"Letztes Jahr hatten wir ein bisschen Schwarzrost. Am Ende hat dieses Getreide keinen Ertrag gebracht."

Ausbreitung nach Afrika befürchtet

Denn Getreide, das mit Schwarzrost befallen ist, produziert kaum Körner. Zwar vernichten Fungizide den Pilz ziemlich zuverlässig, aber Biobauern dürfen diese Mittel nicht einsetzen. Auch der Entdecker des Pilzes, Biagio Randazzo, setzt mehr auf resistente Getreidesorten:

"Die genetische Resistenz ist gratis, das Fungizid musst du kaufen. Und bei dem Produktionsniveau hier, das im Vergleich zum europäischen Durchschnitt niedrig ist, kostet dich das einiges."

Und sollte sich der Pilz bis nach Afrika ausbreiten, gibt es dort noch weniger Menschen, die sich die teuren Fungizide leisten können. Deshalb hat Randazzo sich zum Ziel gesetzt, resistente Weizensorten zu züchten. Auf seinen Versuchsfeldern rund um Ciminna kreuzt er verschiedene Weizensorten miteinander, auf 800 Parzellen stehen kleine grüne Pflanzen. Zur Kontrolle, ob der Pilz in diesem Jahr wieder da ist und wie stark der Befall ist, hat der Agronom auch Sorten gepflanzt, die sehr anfällig für den Pilz sind - neben die, die er testen will:

"Wahrscheinlich werden wir widerstandsfähige Sorten finden, mittelmäßig widerstandsfähige, anfällige Sorten und mittelmäßig anfällige. Jede Parzelle wird genau angeschaut und wir suchen uns die vielversprechendsten und widerstandsfähigsten Pflanzen aus."

Hoffnung auf resistente Sorten

Randazzo hofft, eine Sorte zu finden, die viel Getreide produziert - und bei der gleichzeitig mehrere sekundäre Gene resistent gegen den Pilz sind. Denn auch der Pilz mutiert ständig weiter, den Schutzschild von Getreidepflanzen mit nur einem resistenten Gen könnte er schon kurze Zeit später wieder überwinden.

"Es ist ein Match, wirklich. Letztes Jahr ist es 10:0 für den Pilz ausgegangen. Wenn das anfällige Getreide deutlich befallen ist und das resistente eindeutig nicht, dann sind wir schon weiter. Eins zu Null für uns, dieses Mal."

Aber das Spiel ist dann noch lange nicht zu Ende, sagt Randazzo. Denn wenn er, vermutlich nach vier bis fünf Jahren, die richtigen Getreidesorten gefunden hat - dann muss sich noch zeigen, ob diese Weizensorten auch an anderen Orten gut wachsen. Zum Beispiel in Afrika.

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