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Gewalt in Charlottesville"Ein Terroranschlag weißer Rassisten"

 Mit Schulzschilden und Stöcken ausgerüstete rechte Demonstranten in der US-Stadt Charlottesville. (imago / Pacific Press Agency)
Mit Schulzschilden und Stöcken ausgerüstete rechte Demonstranten in der US-Stadt Charlottesville. (imago / Pacific Press Agency)

Nach dem Tod einer 32-jährigen Frau in Charlottesville in den USA hat die Bundespolizei FBI die Ermittlungen übernommen. Ein Auto war offenbar vorsätzlich in eine Gruppe von Menschen gesteuert worden, die gegen eine Demonstration von Rechtsextremisten protestierten. US-Präsident Trump löste mit seiner Reaktion große Empörung aus.

Bei dem Autofahrer handelt es sich um einen 20-Jährigen aus Ohio. Medienberichte unter anderem von Buzzfeed deuten darauf hin, dass sich der mutmaßliche Täter "White-Supremacist"-Gruppen, die mit einer angeblichen Vorherrschaft der Weißen sympathisieren, zugehörig fühlt.

Auf seiner Facebook-Seite finden sich Posts, die den syrischen Machthaber Assad als "unbesiegt" bezeichnen und ein Babyfoto von Adolf Hitler. Der Fall werde als mögliches Hassverbrechen behandelt, teilte ein FBI-Sprecher mit. Der Mann wird der Tötung und der Körperverletzung beschuldigt. 

Menschen erhalten erste Hilfe, nachdem ein Fahrzeug in eine Gruppe von Demonstranten gerast ist. (AFP / Paul J. Richards)Menschen erhalten erste Hilfe, nachdem ein Fahrzeug in eine Gruppe von Demonstranten gerast ist. (AFP / Paul J. Richards)

Kritik an Trump

Bereits zuvor hatte es Straßenschlachten zwischen beiden Lagern gegeben, viele Menschen wurden verletzt. US-Präsident Trump verurteilte die Gewalt, die "von vielen Seiten" gekommen sei. Diese Formulierung löste viel Kritik aus. Denn: Der Präsident hatte es vermieden, einzelne Gruppierungen beim Namen zu nennen. 

Zum Beispiel die rechtsextremen Gruppen, die in Charlottesville zu einer Kundgebung aufgerufen hatten. Dazu zählten Anhänger der "White-Supremacy-Ideologie" sowie Mitglieder der ebenfalls ultrarechten "Alt-Right"-Bewegung und des Ku-Klux-Klans.

Politiker von Republikanern und Demokraten sowie Bürgerrechtler kritisierten, Trump hätte sich eindeutig von rechtsextremem Rassismus distanzieren müssen.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton etwa fand deutliche Worte, noch bevor Trump ans Mikrofon trat. Er twitterte, auch wenn man die freie Rede verteidige, so müsse man doch Hass, Gewalt - und die "white supremacy" verurteilen:

Der Senator Cory Gardner - ein Republikaner wie Trump - wandte sich direkt an den Präsidenten. Man müsse das Böse beim Namen nennen, twitterte er: Hier gehe es um Anhänger der "white supremacists" und um heimischen Terrorismus.

Der ebenfalls republikanische Senator Marc Rubio schrieb, es sei "sehr wichtig, dass der Präsident die Ereignisse in Charlottesville als das beschreibt, was sie sind, ein Terroranschlag weißer Rassisten".

Das Wiesenthal-Zentrum, das mit der weltweiten Suche nach Nazi-Verbrechern bekannt wurde, verurteilte die Gewalt als Terror. Es rief US-Spitzenpolitiker, allen voran Präsident Trump, dazu auf, "die extreme Alt-Right-Bewegung und die weißen Nationalisten, die Hass, Misstrauen und Gewalt säen, eindeutig zu verurteilen".

Der Bürgermeister von Charlottesville, Mike Signer, dankte Präsident Trump zwar, forderte ihn aber auch zum Handeln auf:

Mike Signer hatte kurz zuvor bekanntgegeben, dass bei den Krawallen in seiner Stadt ein Todesopfer zu beklagen ist.

Polizeihubschrauber stürzte ab

Zudem stürzte ein Polizeihubschrauber ab, der das Geschehen aus der Luft beobachten sollte. Zwei Polizisten starben bei dem Absturz. Über die Ursache ist noch nichts bekannt.

Der Anlass für die Krawalle war die geplante Kundgebung der Rechtsextremen. Sie richtete sich gegen eine Entscheidung der Stadtverwaltung, die ein Denkmal des Bürgerkriegs-Generals Robert Lee abbauen lassen will. Der Grund: Lee führte im Bürgerkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts die Truppen der Südstaaten an, die für die Sklaverei eintraten.

Die Nationalgarde des US-Bundesstaates Virginia sichert einen Straßenzug in Charlottesville. (AFP / Paul J. Richards)Die Nationalgarde des US-Bundesstaates Virginia sichert einen Straßenzug in Charlottesville. (AFP / Paul J. Richards)

Schon am Freitagabend waren Rechte mit Fackeln durch die Stadt gezogen. Am Samstag kam es dann schon im Vorfeld der eigentlichen - und später abgesagten - Kundgebung zu Zusammenstößen zwischen Rechtsradikalen und Gegendemonstranten. Der Gouverneur von Virginia, Terry Mc Auliffe, rief den Ausnahmezustand aus:

(jcs/vic/gri/hba)

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