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StartseiteDLF-MagazinGibt es noch Leben in "Second Life"?13.08.2009

Gibt es noch Leben in "Second Life"?

Andere virtuellen Welten machen dem Internetangebot Konkurrenz

Der Medienboom um die virtuelle Welt von "Second Life" ist vorbei. Doch mittlerweile gibt es viele Alternativen: Andere 3-D-Welten locken nicht nur Nutzer, sondern haben auch Ideen, wie sich mit dem Onlineangebot Geld verdienen lässt.

Von Thomas Reintjes und Konstantin Zurawski

Virtueller Spielplatz: "Second Life". (secondlife.com)
Virtueller Spielplatz: "Second Life". (secondlife.com)

"Das ist der Marktplatz von 'Neue Mitte' - heißt: die Insel. Wir sehen da drauf Tauben, wir sehen ein Café, wir sehen ein schlossähnliches, großes Gebäude, die erste Sternwarte der Welt von Tycho Brahe, im Jahr 1400-irgendwas gebaut. Es gibt ganz furchtbar viele Details. Also wenn Sie da durchmarschieren und sich das angucken, sind Sie gut einen Tag unterwegs."

Manfred Heinze zeigt blühende Landschaften auf seinem Monitor. Die "Neue Mitte" und die umliegenden Inseln befinden sich in "OpenNeuland". "OpenNeuland" ist eine von mehreren Alternativen zu "Second Life", die in den vergangenen Jahren entstanden sind. In einigen davon ist Manfred Heinze aktives Mitglied. Hier kann er kreativ werden, mitgestalten und -bauen und Freunde treffen.

"Wir haben tatsächlich eine virtuelle Kneipe - und zwar in jeder virtuellen Welt genau dieselbe. Das ist das Stellwerk. Ich weiß gar nicht, warum es so heißt. Es hieß schon immer so. Und diese Kneipe ist unsere Stammkneipe und wir treffen uns da ganz regelmäßig seit Jahren ein Mal in der Woche, als mindesten Termin, aber auch sehr viel öfter."

Aufmerksam auf die virtuellen Welten wurde Manfred Heinze - natürlich - durch "Second Life", als es Thema in allen Medien war. Heute gefällt es ihm in anderen Welten besser, weil sie mehr Möglichkeiten bieten. Das System von "Second Life" habe sich nicht weiterentwickelt, sei technisch auf dem gleichen Stand wie vor zwei Jahren.

Dem Erfolg von "Second Life" tut das keinen Abbruch. Der Betreiber von "Second Life", Linden Lab, veröffentlicht auf seiner Website regelmäßig Statistiken. Und die zeigen stetig wachsende Nutzerzahlen. Das riesige Medieninteresse vor zwei Jahren hat lediglich einige Kartei-Leichen hinterlassen. Diese Avatare, virtuelle Spielfiguren, wurden schon länger nicht mehr online gesehen. So hat es auch der Kölner "Second Life"-Experte Marco Euskirchen erlebt:

"Man konnte sozusagen zuschauen, wie die Leute dann aus den Startinseln heraus fielen - und sich die Inseln angesehen haben. Am Ende ist natürlich, wie das bei jeder neuen Plattform ist, nur ein gewisser Teil übrig geblieben. Für mich äußert sich das eigentlich nur in einer Anzahl von Leuten in meiner Freundesliste, die nun nur noch sehr selten auftauchen, vielleicht gar nicht mehr auftauchen werden."

Euskirchen jedoch ist "Second Life" wie viele andere auch treu geblieben. Gerade baut er dort mit seiner Agentur die Stadt Köln auf - virtuell. Laut Konzept soll die Domstadt kulturelles Leben, Community, Kreativität und Business anlocken. Hier soll man sich also sowohl ungezwungen treffen, als auch Geschäfte machen können.

Kultur, Community, Kreativität - dafür scheinen virtuelle Welten sich gut zu eignen. Wie Unternehmen aus der realen Welt in der virtuellen Welt Geld verdienen, dafür gibt es noch keine richtig erfolgreichen Modelle. Viele Unternehmen haben sich nach der anfänglichen Euphorie wieder aus "Second Life" zurückgezogen. Einzig der Betreiber Linden Lab macht seinen Schnitt: mit dem Verkauf von virtuellen Landflächen, die die Nutzer nach ihren Wünschen gestalten und bebauen können.

Damit haben die Betreiber der virtuellen Welten anderen Dienstanbietern im Internet etwas voraus. Zwar konzentriert sich derzeit der Blick der Öffentlichkeit auf Dienste wie Twitter und soziale Netzwerke wie Facebook. Und die verzeichnen auch einen starken Zulauf. Doch welche Geschäftsidee hinter Twitter steckt, darüber kann man nur spekulieren.

"Habbo Hotel" hingegen, eine virtuelle Welt für Kinder, setzt mit 143 Millionen Mitgliedern immerhin 50 Millionen Euro pro Jahr um. Das Geld geben die Kinder aus, um ihrer Spielfigur einen neuen Haarschnitt zu gönnen oder einen Besuch im virtuellen Spaßbad. In "Second Life" zeigt sich inzwischen sehr deutlich, welche Anwendungen dort gut funktionieren. Die Volkshochschule Goslar beispielsweise ist sehr aktiv und bietet die verschiedensten Kurse an. Unter anderem kann man in "Second Life" den Theoriekurs für den Segelschein besuchen. Marko Euskirchen bestätigt diesen Trend.

"Wir erleben momentan eine Häufung von Projekten, die mit E-Learning zu tun haben. Einfach, weil zum Beispiel das Thema Sprache in 'Second Life' relativ gut transportiert werden kann. Für Firmen momentan eher interessant: Aufgrund der Wirtschaftskrise wird doch ganz gerne an Konferenzen und den Kosten, die diese verursachen, gespart und 'Second Life' benutzt als Meeting-Plattform, als Veranstaltungsfläche."

Solche Anwendungen sind allerdings nicht unbedingt auf "Second Life" angewiesen, sondern können genauso gut in anderen virtuellen Welten stattfinden. Und davon sind in den vergangenen Jahren viele entstanden. Die Entwicklung scheint damit klar zu sein: "Second Life" ist nicht allein das dreidimensionale Internet, "Second Life" wird nur ein Teil davon sein. Dieses 3-D-Web wird ganz ähnlich funktionieren wie das heutige Internet, in dem man sich über Links von einer Website zur anderen bewegt.

"Wir haben dreidimensionale virtuelle Welten, die jeder für sich betreiben kann und die anfangen, sich zu verlinken. Da gibt es diesen Begriff des Hypergrids. Und Sie springen quasi von einer dieser dreidimensionalen Welten in die Nächste. Und surfen quasi jetzt nur in 3D. Das ist der einzige Unterschied."

Das Potenzial dreidimensionaler virtueller Welten ist nach wie vor enorm. Mittlerweile haben diese Angebote laut einer britischen Untersuchung mehr als eine halbe Milliarde Mitglieder. Allein im zweiten Quartal 2009 sei die Mitgliederzahl um 39 Prozent gestiegen. Das ruft auch Investoren auf den Plan. Mitten in der Krise hat gerade das Berliner Unternehmen Metaversum eine Finanzierung von 4,5 Millionen Euro gesichert. Es wird sie in die "Second Life"-Alternative Twinity investieren.

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