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Giftige Chemikalien im Einsatz

Greenpeace hat Textilien auf Rückstände untersucht

Moderation: Britta Fecke

"Made in China" steht auf einem Etikett in einer Jacke
"Made in China" steht auf einem Etikett in einer Jacke (picture alliance / dpa / Marcus Brandt)

Egal ob Armani oder Zara: Rückstände von Chemikalien sind in vielen Kleidungsstücken nachzuweisen. Zwar gebe es bislang keinen Nachweis, dass das Tragen solcher Textilien für den Menschen toxisch sei, sagt Christiane Huxdorff von Greenpeace. Für die Umwelt jedoch ergäben sich gravierende Auswirkungen.

Britta Fecke: Die Zeiten, in denen ein Wintermantel seinen Träger fast ein Leben lang begleitete, sind vorbei. In der Regel besitzt der westeuropäische Konsument mehrere Wintermäntel oder Jacken und er trägt sie auch nur ein bis zwei Winter lang. Dann kommt was Neues in den Schrank oder an den Mann. Die Tragedauer eines T-Shirts ist in der Regel noch kürzer. "Fast Fashion" wird das Segment genannt und die Herstellungspraktiken dieser günstigen und schnellen Modeartikel sind fast immer umwelt- und gesundheitsschädlich. Greenpeace hat die giftigen Garne, die Umweltgifte in Textilien untersucht. Artikel von Armani bis Zara wurden dabei getestet. – Ich bin jetzt verbunden mit Christiane Huxdorff, Chemieexpertin von Greenpeace. Frau Huxdorff, welche Chemikalien kommen denn bei der Herstellung von solchen Textilien zum Einsatz?

Christiane Huxdorff: Welche Chemikalien eingesetzt werden, wissen wir nicht. Aber wir wissen natürlich, welche Rückstände sich jetzt immer noch in den Textilien finden. Da haben wir zum Beispiel Rückstände von Waschmitteln, das sind sogenannte Nonylphenolethoxylate. Diese können toxisch sein für Wasserorganismen. Dann finden wir auch immer noch Rückstände von Weichmachern, den sogenannten Stellaten. Diese haben hormonelle Wirksamkeit. Und dann finden wir auch Rückstände von Azofarbstoffen. Diese Amine können krebserregend sein.

Fecke: Sie haben schon gesagt, welche Rückstände gefunden wurden. Woher kommen die Kleidungsstücke?

Huxdorff: Kleidungsstücke haben wir quer durch den ganzen Kleiderschrank eingekauft, also Jeans, Hosen, Kleider, T-Shirts, aber auch Unterwäsche.

Fecke: Und woher kamen die dann, wo wurden die hergestellt?

Huxdorff: Hergestellt werden die überwiegend in China, also in Asien, aber auch in Mittelamerika.

Fecke: Ein Teil dieser Rückstände ist toxisch, haben Sie gesagt. Werden denn diese toxischen Chemikalien, wenn ich sie auf der Haut trage, mit einem T-Shirt, über die Haut absorbiert?

Huxdorff: Bisher gibt es keinerlei Nachweise, dass das Tragen von solchen Textilien toxisch ist für den Menschen. Aber eben in der Produktion werden die Chemikalien in großen Mengen eingesetzt und verschmutzen eben dort die Umwelt und die Flüsse.

Fecke: Jetzt haben Sie gesagt, dass es nicht nachgewiesen ist, dass sich das zum Beispiel im Fettgewebe oder dergleichen des Menschen ansammelt. Dennoch sind die Rückstände ja in einigen Produkten relativ hoch. Was haben Sie da so an besorgniserregenden Rückständen gefunden?

Huxdorff: Wir haben Rückstände von Aminen gefunden, die sind krebserregend. Wir haben auch in sehr vielen Produkten, also in mehr als zwei Drittel der Produkte haben wir Nonylphenolethoxylate gefunden, und diese stehen eben im Verdacht, hormonell wirksam zu sein, und sind toxisch für Wasserorganismen. Und wenn die in China in die Abwässer gelangen und dann toxisch sind für die Wasserorganismen, dann kann man sich ja vorstellen, wie gesund der Fluss dann vor Ort noch wirklich ist.

Fecke: Das heißt aber, auch wenn es egoistisch klingt: Mit dem schnellen Kauf immer wieder neuer Textilien schädige ich die Gewässer in China, aber schade mir hier vor Ort nicht?

Huxdorff: Das kann man nicht ganz sagen, denn die Chemikalien, die eingesetzt werden, bleiben nicht in China. Die sind wirklich langlebig und persistent und durch die Umwelt, weil wir ein gesamtes Ökosystem haben, gelangen diese Chemikalien dann eben auch hier in die Umwelt, in die Abwässer, in die Lebensmittel, und dann können auch wir uns hier wieder damit belasten.

Fecke: Ich frage trotzdem noch einmal penetrant nach: Wenn ich jetzt so ein T-Shirt trage, das einen relativ hohen Rückstandgrad toxischer Chemikalien enthält, und ich schwitze viel, absorbiere ich das dann, schade ich mir selbst, oder schade ich mir nur über den Umweg mit den Gewässern und des Auswaschens?

Huxdorff: Durch das Tragen als solches führe ich meinem Körper keine Gefahr zu.

Fecke: Sie haben getestet von Armani, also von relativ hochwertigen oder zumindest teueren Kleidungsstücken, bis runter zu etwas größeren Produzenten wie Zara. Gab es da Unterschiede?

Huxdorff: Es gibt geringe Unterschiede, aber was entscheidend ist: Diese Nonylphenole haben wir bei allen Markenprodukten gefunden. Jede Marke hat das eingesetzt. Teilweise waren es sogar zwei Produkte bei jeder Marke, die diese Rückstände haben. Das heißt, wir können nicht sagen, dass diese Chemikalien grundsätzlich bei einzelnen Marken nicht eingesetzt werden. Es gibt welche, die sind besser, wie zum Beispiel Diesel und H&M, aber grundsätzlich haben auch die diese Chemikalien eingesetzt.

Fecke: Was raten Sie dem Verbraucher?

Huxdorff: Was auf jeden Fall wichtig ist, dass wir Textilien so lange wie möglich tragen, also nicht nur, weil ein T-Shirt schon zwei Wochen alt ist, gleich wieder ein neues kaufen, sondern wirklich überlegen, brauche ich das wirklich, oder ist das nur, weil der Freund oder der Nachbar ein neues tolles T-Shirt hat. Und wenn ich mir dann ein neues T-Shirt kaufe, dann kann ich gucken, welche von diesen Unternehmen verpflichten sich schon, auf Chemikalien zu verzichten. Die haben dann diese Greenpeace Detox-Verpflichtung unterschrieben und sagen dann, dass sie bis zum Jahr 2020 auf giftige Chemikalien verzichten wollen. Das wären dann Unternehmen wie zum Beispiel H&M und C&A.

Fecke: Giftige Garne – ich sprach mit Christiane Huxdorff über die Untersuchung von Greenpeace über toxische Chemikalien in Kleidungsstücken.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.



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