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StartseiteVerbrauchertippWechselservice funktioniert nur eingeschränkt07.05.2018

GirokontenWechselservice funktioniert nur eingeschränkt

Viele Banken werben mit dem Versprechen, ein Girokontowechsel von einer Bank zur anderen sei innerhalb von zehn Minuten möglich. Verbraucherschützer warnen jedoch: Zwar sind alte und neue Bank seit Herbst 2016 verpflichtet, beim Kontowechsel zusammenarbeiten - reibungslos klappt das aber in den seltensten Fällen.

Von Dieter Nürnberger

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Eine EC-Karte steckt im Schlitz eines Geldautomaten (dpa / picture-alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
Zu wenige Geldautomaten vor Ort: Für viele ein Grund, das Girokonto zu wechseln. (dpa / picture-alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
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Monatliche Gebühren, happige Preise für Überweisungen auf Papier, teure Wertpapier-Depots – das Girokonto ist in den vergangenen Jahren teuer geworden, nur noch wenige Banken bieten es gratis an. Mögliche Einsparungen bei den Bankgebühren können ein guter Grund sein, die Bank zu wechseln. Jedoch nicht der einzige, sagt Stephanie Pallasch, Redakteurin bei "Finanztest":

"Wenn es bei der Kommunikation mit einer Bank nicht läuft, auch dann ist dies ein Grund ein Konto zu wechseln - selbst wenn dieses preislich in Ordnung ist. Aber auch die Geldautomatensituation: Wenn Sie viel unterwegs sind oder Sie haben in Reichweite Ihrer Arbeitsstelle oder des Zuhauses keinen Geldautomaten, wo Sie kostenlos abheben können. Dann macht das ein Konto teurer. Auch das kann ein Aspekt sein, um ein Girokonto zu wechseln."

Seit Herbst 2016 sind die alte und die neue Bank gesetzlich verpflichtet, bei einem Kontowechsel zusammenzuarbeiten, damit es einfacher und auch schneller als bisher geht. So muss die alte Bank beispielsweise eine Übersicht aller Buchungen der letzten 13 Monate liefern, die künftige alle Zahlungspartner von der neuen Verbindung unterrichten.

Missglücktes Wechsel-Formular

Auch sollen beide Banken für Schäden haften, die bei einem fehlgeschlagenen Wechsel entstehen. Das klingt erst einmal gut. Verbunden mit der gesetzlichen Kontowechselhilfe ist allerdings ein Formular, welches der Kunde ausfüllen muss.  

"Leider ist das Formular des Gesetzgebers sehr missglückt: Es gibt zum Beispiel fünfzig verschiedene Möglichkeiten Kreuze zu setzen. Und es ist in einem reinen Juristen-Deutsch gehalten. Sogar einer unserer Tester, ein gelernter Bankkaufmann, hat nicht verstanden, wo er welches Kreuz setzen muss."

Hinzu kommt, dass auf den Internetseiten der Banken das gesetzlich vorgeschriebene Formular nicht immer einfach zu finden ist. Vor allem die größeren Bankinstitute bieten parallel und zusätzlich einen eigenen digitalen Kontowechselservice an, als Alternative zum Formular des Gesetzgebers. Damit klappt der Wechsel in der Regel besser, so Warentesterin Stephanie Pallasch:

"Es werden alle Lastschriften angezeigt, es werden auch Zahlungen wie Amazon oder Paypal angezeigt. Es wird genau gefragt, wen möchtest du von Deiner neuen Kontoverbindung unterrichten. Es gibt aber immer noch kleine Hürden: Eine Bank sagte beispielsweise, dass sie auch die Daueraufträge übertragen. Als dies dann der Testkunde noch einmal nachfragte, sagte die Bank, dass er dies doch selber tun müsste, dies sei leider noch ein kleiner Fehler im Programm."

Altes Girokonto lieber nach dem Wechsel noch ein oder zwei Monate bestehen lassen

Probleme kann es auch geben, wenn bisherige Zahlungspartner, die von der Bank verschickten Schreiben nicht wahrnehmen oder akzeptieren. Wichtig zudem: Das alte Girokonto sollte nicht zum Stichtag der Eröffnung bei der neuen Bank gekündigt werden. Lieber noch ein oder zwei Monate bestehen lassen - versehen mit einem kleinen Guthaben, so die Empfehlung der Stiftung Warentest. Die alte Girocard sollte aber nicht mehr eingesetzt werden.

"Wenn man mit der alten Girocard noch bezahlt und die Lastschriften zurückgehen - dann wird das sehr teuer. Besonders Lebensmittelläden treten solche Forderungen sofort an Inkasso-Unternehmen ab. Und dann kostet es das Dreifache des eigentlichen Einkaufs."

Fazit der Untersuchung: Ein Bankwechsel ist in vielen Fällen immer noch mit viel Arbeit verbunden. Auch wenn einzelne Institute - in der Untersuchung beispielsweise die DKB, die "ING-Diba" oder auch die Triodos Bank - mit ihren digitalen Wechselservice-Angeboten den Kunden die Arbeit doch erleichtert und beschleunigt haben. Dass es nur zehn Minuten dauere, wie nicht selten die Werbung einzelner Banken verspricht, sei allerdings deutlich untertrieben.

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