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StartseiteDie neue PlatteGlanzvolle Improvisationen16.12.2012

Glanzvolle Improvisationen

Der Pianist Laurens Patzlaff und seine "Reflections on Debussy"

Neben den üblichen "Best of"-CDs gibt es zum 150. Geburtstag Claude Debussys auch einige originelle Einspielungen. Dazu gehört zweifellos die Annäherung Laurens Patzlaffs an den französischen Komponisten. Seine ausgewählten Debussy-Bausteine verbindet er mit kongenialen Improvisationen.

Von Jochen Hubmacher

Claude Debussy, am 22.08.1862 geboren, war einer der Wegbereiter der Musik des 20. Jahrhunderts. (picture alliance / dpa / belga)
Claude Debussy, am 22.08.1862 geboren, war einer der Wegbereiter der Musik des 20. Jahrhunderts. (picture alliance / dpa / belga)

Neben dem erwartbaren "Best of Claude Debussy" gab es dieses Jahr auch einige erfrischend kreative CD-Konzepte zum 150. Geburtstag des großen französischen Komponisten. Beim Label Genuin erschien zum Beispiel Debussys nahezu komplettes Klavierwerk als Gemeinschaftsproduktion von vier Pianisten. Alexei Lubimov näherte sich für ECM im vielleicht spektakulärsten CD-Projekt des Jubiläumsjahres dem originalen Klavierklang Debussys, indem er die Préludes auf zwei historischen Flügeln einspielte.

Einen nicht weniger originellen Zugang zu Debussys Klaviermusik findet der Stuttgarter Pianist Laurens Patzlaff. Seine CD "Reflections on Debussy" ist kurz vor Ende des Jubiläumsjahrs beim Label Animato erschienen. Und die stelle ich Ihnen heute vor.

"Claude Debussy
"Morceau de concours"
Track 15"

Laurens Patzlaff spielte "Morceau de concours". Der Debussy-Spezialist Roy Howat stellt im sehr informativen Begleitheft zu Patzlaffs CD "Reflections on Debussy" fest, dass das Stückchen auch aus der Feder von George Gershwin hätte stammen können. Insofern war es eine ganz schön harte Nuss, die Claude Debussy den Leserinnen und Lesern der Zeitschrift "Musica" im Januar 1905 zu knacken gab. Denn die sollten damals in einer Art Preisrätsel lediglich anhand der Noten den Urheber des Stücks erraten. Ein Spiel, das sich in abgewandelter Form auch auf die CD von Laurens Patzlaff übertragen lässt.

Die Preisfrage klingt dabei zunächst sehr viel einfacher: Was stammt von Debussy und was nicht? Oder anders gefragt: Was ist Debussy und was ist Patzlaff?

Laurens Patzlaff hat sich für seine CD etliche bekannte und einige weniger bekannte Klavierwerke Debussys ausgesucht. Er stellt diese Debussy-Bausteine jedoch nicht einfach nur nebeneinander, sondern verbindet sie auf mitunter geniale Weise mit dem "musikalischen Mörtel" der Improvisation.

"Claude Debussy
"Pour l'oeuvre du vêtement du blessé”
CD Track 1

Improvisation I
CD Track 2

Claude Debussy
"La Fille aux cheveux de lin"
CD Track 3"

Zweimal Debussy, einmal Patzlaff haben wir gerade gehört. Zuletzt das berühmte "Mädchen mit dem flachsfarbenen Haar" – "La Fille aux cheveux de lin" aus dem ersten Band der Klavierpréludes von Claude Debussy. Zu Beginn ein kaum bekannter Walzer Debussys "Pour l'ouevre du vêtement du blessé". Ein Stück, das der Komponist einer französischen Hilfsorganisation für Kriegsversehrte widmete und dessen Autograf er zu deren Gunsten versteigern ließ.

Zwischen diesen beiden Klavierwerken Debussys präsentierte Pianist Laurens Patzlaff seine Improvisationskünste. Insgesamt acht Improvisationen finden sich auf seiner jetzt beim Label Animato erschienenen CD. Und sie markieren die eigentlichen Glanzpunkte der Aufnahme. Denn die Debussy-Originale spielt Patzlaff zwar technisch solide, interpretatorisch bisweilen jedoch etwas akademisch bieder. Ganz im Gegensatz zu seinen originellen Improvisationen, die wie selbstverständlich dahin fließen und dennoch höchst durchdacht sind.

Laurens Patzlaff, Dozent für Improvisation an der Musikhochschule in Trosssingen, hat Debussys Klangwelt durch und durch verinnerlicht. Er spielt virtuos mit den typischen Melodie – und Akkordmustern des französischen Impressionismus, greift Motive aus vorhergehenden Stücken auf, entwickelt sie kreativ weiter und antizipiert gegen Ende seiner Improvisationen das musikalische Material der folgenden Debussy-Originale.

Möglicherweise wären die Übergänge zwischen Improvisation und auskomponiertem Werk noch effektvoller gelungen, wenn Laurens Patzlaff auf die kurzen Pausen zwischen den einzelnen Tracks komplett verzichtet hätte. Dennoch kommt er mit seiner CD einer Situation nahe, die man durchaus als authentisch bezeichnen könnte. Claude Debussy war ein hervorragender Pianist, der ebenfalls ausgesprochen virtuos improvisieren konnte. Wahrscheinlich hätte er seine helle Freude daran gehabt, wie gekonnt Laurens Patzlaff die improvisatorische Brücke schlägt von der lauen spanischen Sommernacht zur rauen bretonischen Küste. Von der "Sérénade interrompue", einem verunglückten Ständchen an die Geliebte zur "Cathédrale engloutie", in der Debussy die Legende von der versunkenen Stadt Ys aufgreift.

"Claude Debussy
Ausschnitt aus "La sérénade interrompue"
CD Track 5

Improvisation III
CD Track 6

Claude Debussy
"La Cathédrale engloutie”
CD Track 7"

Ein Meister der Improvisationskunst am Klavier und seine Auseinandersetzung mit Claude Debussy. Laurens Patzlaffs CD "Reflections on Debussy”, erschienen beim Label Animato habe ich Ihnen heute vorgestellt.

Besprochene CD:
Reflections on Debussy
Laurens Patzlaff, Klavier

Label: Animato
Bestell-Nr.: ACD6134
LC 05187

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