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StartseiteForschung aktuellGlaskugeln als Feuerlöscher19.12.2012

Glaskugeln als Feuerlöscher

Ein neuartiges Granulat erstickt Brände - und vermeidet sogar ihre Entstehung

Ende 2004 brannte in Weimar die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek. 50.000 Bücher gingen in Flammen auf. Weitere 62.000 wurden beschädigt - auch vom Löschwasser. Um so etwas zu verhindern, hat ein Brandenburger Unternehmen jetzt ein neuartiges Löschmittel entwickelt: "Pyro-Bubbles".

Von Franziska Badenschier

Nicht immer ist Wasser das beste Löschmittel. Ein neues Granulat erstickt Brände, ohne große Schäden anzurichten.  (dpa / Patrick Seeger)
Nicht immer ist Wasser das beste Löschmittel. Ein neues Granulat erstickt Brände, ohne große Schäden anzurichten. (dpa / Patrick Seeger)
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Feuerfestes Plastik-Kabel

Henning Hagen hält einen großen Glasbecher in der Hand. Darin ist etwas zum Feuer-Löschen. Kein Wasser, kein Pulver, auch kein Sand – sondern Pyro-Bubbles.

"Was Sie hier hören, sind unsere Pyro-Bubbles. Sehen ein bisschen aus wie Styroporkugeln oder auch wie Katzenstreu. Das ist ein Hohlglas-Granulat."

Die Körner bestehen zu etwa einem Zehntel aus Silizium-Dioxid, also Glas. Der Rest ist eingeschlossene Luft. Das Granulat kann Brände löschen, mit denen die Feuerwehr ihre Probleme hätte – etwa wenn Benzin, Leichtmetalle oder elektrische Anlagen in Flammen aufgehen.

Das Wirkprinzip sei simpel, sagt der Brandschutz-Experte Henning Hagen: Das weiße Glas-Granulat erstickt das Feuer.

"Die erstickende Wirkung kommt dadurch zustande, dass die Kugeln einen unterschiedlichen Durchmesser haben und sich dadurch eine dichte Kugelpackung ergibt. Das heißt, es ist nicht mehr möglich, dass Brennstoff und Sauerstoff zusammen kommen. Und damit wird das Feuer einfach erstickt.

Wenn ich das Granulat auf sehr heiße Stoffe gebe wie zum Beispiel Metalle, dann schmilzt es. Und dabei bildet sich eine Luft-undurchlässige Glasschicht, die noch mal diesen Stickeffekt verstärkt."

Diese Glas-Schicht bildet eine Art Kokon, der den Brandherd versiegelt. So lässt sich sogar ein 2000 Grad Celsius heißer Brand mit Thermit unter Kontrolle bringen, sagt der Entwickler der Pyro-Bubbles Michael Pasewald:

"Thermit ist ein Gemisch von Aluminium und Eisenoxid und wird unter anderem zum Schweißen von Schienen-Strängen bei der Bundesbahn angewandt. Und das Kuriose ist, dass Thermit auch ohne Sauerstoff brennt, weil ein großer Teil Eisenoxid darin ist und bei der Verbrennung Sauerstoff freigesetzt wird und es deswegen so gut wie gar nicht zu löschen geht. Wir können es mit unseren Pyro-Bubbles auch nicht löschen, aber wir können es einhausen."

Dadurch brennt das Thermit ab, ohne dass das Feuer weiter um sich greift. Wenn Brände mit dem Granulat gelöscht oder zumindest eingedämmt werden, dann entstehen auch keine Schäden, wie sie beim Löschen mit Wasser, Pulver oder Schaum üblich sind. Die nicht geschmolzenen Körner lassen sich hinterher mit einem Staubsauger einsammeln und sogar wiederverwenden.

Als Haupteinsatzgebiet sehen die Entwickler aber nicht das Feuer-Löschen – sondern das Feuer-Vermeiden. So nutzen bereits verschiedene Firmen das Granulat, um Kabel sicher zu verlegen.

Michael Pasewald nimmt aus seinem Büro-Regal einen Kasten mit Glas-Granulat und drei Kabeln.

"Das ist hier so eine Kabelpritsche als Exponat. Hier haben wir Kabel Kurzschluss-sicher verlegt. Die ist praktisch von oben, unten und seitlich von circa zweieinhalb bis drei Zentimetern Bubbles abgedeckt. Hier ist der Schutz von innen nach außen und von außen nach innen gegeben. Das heißt: Wenn von außen eine Flamme gegenschlägt, wird eine große Zeit lang dieses Kabel nicht defekt gehen. Und wenn innen ein Kurzschluss im Kabel ist, kann es keine anderen Kabel mitnehmen."

Hilfreich seien die Brandschutz-Körner auch bei Trafo-Stationen, erklärt Henning Hagen. Vor allem dort, wo schon ein einzelner Transformator so groß ist wie ein Ein-Familien-Haus.

"Der wird mit Mineralöl gekühlt. Und wenn es da intern zu einem Schaden kommt, zu einem Kurzschluss, dann kann sich ein Lichtbogen ausbilden. Das heißt: Es fließen große Ströme. Dabei wird viel Energie freigesetzt. Und dabei kann es dazu kommen, dass der Transformator platzt und brennendes Öl ausläuft."

Normalerweise würde sich das Öl unter dem Transformator in einer Auffang-Wanne sammeln und dort einen Großbrand verursachen. Bei einem Kunden wurde solch eine Wanne mit Pyro-Bubbles gefüllt. Im Falle des Falles würde das brennende Öl durch die Granulat-Schicht sickern und der Brand dadurch gelöscht.

Seit März 2010 ist das Granulat auf dem Markt. Das Fazit nach fast drei Jahren:

"Da, wo die Pyro-Bubbles präventiv eingesetzt werden, wo also zum Beispiel Kabelkanäle, Kabelschächte verfüllt sind, da ist bis jetzt noch nichts passiert. Das ist ja auch Sinn und Zweck der Sache. Und an anderen Stellen, wo sie als Löschmittel vorgehalten werden, war es noch nicht nötig, sie einzusetzen."


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Feuerfestes Plastik-Kabel

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