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StartseiteVerbrauchertippSchutz am Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung31.05.2017

GleichstellungSchutz am Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung

Schwerbehindert ist man erst mit einem Grad der Behinderung von 50 und mehr. Für diese Menschen gelten im Berufsleben einige Sonderregeln. Ein Behinderungsgrad von 30 oder 40 bringt im Berufsleben hingegen wenig - obwohl diese Menschen oft ähnliche gesundheitliche Probleme haben wie Arbeitnehmer mit einer Schwerbehinderung.

Von Bernd Debus

Andreas Ullmann ist IT-Administrator - er hat Mukoviszidose und gehört zu den 31 Mitarbeitern mit Behinderung eines Chemnitzer Unternehmens. (picture alliance / dpa / Claudia Drescher)
Andreas Ullmann ist IT-Administrator - er hat Mukoviszidose und gehört zu den 31 Mitarbeitern mit Behinderung eines Chemnitzer Unternehmens. (picture alliance / dpa / Claudia Drescher)
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"Wenn man in meinem Alter arbeitslos ist, ist das sicherlich sehr schwierig eine Stelle zu bekommen und ich habe wirklich erhofft, dass ich mich auf Stellen bewerben kann, wo bevorzugt Schwerbehinderte genommen werden."

Sabine, die in Wirklichkeit anders heißt, war schon Mitte fünfzig, als ihr Arbeitsplatz wegrationalisiert wurde. Zum Alter kamen gesundheitliche Probleme. Deshalb hat sie versucht, mit einer amtlich anerkannten Schwerbehinderung ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern:

"Als ich den Antrag auf Schwerbehinderung gestellt habe, habe ich natürlich auf fünfzig Prozent gehofft, dann kam aber allerdings eine Absage. Was heißt Absage, ich habe dreißig Prozent Behinderung bekommen."

Unterschiedliche Ansprüche

Doch ein Behinderungsgrad von dreißig gilt nicht als Schwerbehinderung. Die gibt es erst ab einem Behinderungsgrad von fünfzig und höher. Die Betroffenen haben zum Beispiel Anspruch auf einen erweiterten Kündigungsschutz, fünf zusätzliche Urlaubstage jährlich und sie können früher in Altersrente gehen. 

Wer "nur" einen Behinderungsgrad von 30 oder 40 bekommen hat, kann aber einen Antrag auf Gleichstellung mit einem schwerbehinderten Menschen stellen. Zuständig dafür ist die Arbeitsagentur. Gero Pescher von der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit in Düsseldorf: 

"Wirkung einer Gleichstellung ist, es gelten halt dieselben Bedingungen wie für einen schwer behinderten Menschen mit einem Grad der Behinderung von 50 oder mehr."

Vorteile für Arbeitgeber

Zumindest was den Bereich Kündigungsschutz anbetrifft. Früher in Rente gehen können Gleichgestellte allerdings nicht. Und zusätzlichen Jahresurlaub bekommen sie ebenfalls nicht. Trotzdem, von einer Gleichstellung haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer etwas. 

Arbeitgeber mit zwanzig und mehr Angestellten müssen nämlich fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten besetzen. Dabei zählen auch Gleichgestellte mit. Die Arbeitgeber können so mit Hilfe von Gleichgestellten die gesetzliche Schwerbehindertenquote erfüllen und sparen die sonst fällige Ausgleichsabgabe.

Die Arbeitnehmer genießen im Gegenzug einen erhöhten Kündigungsschutz. Richarda Hedderich vom Sozialverband VdK: "Sowohl bei einer ganz normalen Kündigung als auch wenn man jemanden umsetzen will, also einer Änderungskündigung, muss man, wenn jemand gleichgestellt wird, immer vorher den Antrag beim Integrationsamt stellen. Ohne geht gar nichts."

Bedingungen der Gleichstellung

Das Integrationsamt prüft dann, ob die Kündigung mit der Behinderung zusammenhängt und wenn Ja, ob es nicht doch noch Alternativen dazu gibt. Zum Beispiel eine behindertengerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes oder die Versetzung auf eine andere Stelle. 

Die Gleichstellung mit einem schwerbehinderten Menschen ist allerdings an Bedingungen geknüpft. Gero Pescher von der Arbeitsagentur: "Also zunächst muss auf jeden Fall ein Grad der Behinderung von 30 oder 40 festgestellt sein. Das ist schon mal die absolute Grundvoraussetzung."

Dann muss die jeweilige Behinderung der Suche nach einem neuen Job im Wege stehen. Zum Beispiel, wenn ein Handwerker nach einem Bandscheibenvorfall nicht mehr schwer heben kann. Und bei denen, die noch eine Stelle haben, muss der Arbeitsplatz auf Grund der Behinderung gefährdet sein.

Trumpfkarte "Gleichstellung"

Sabine erfüllte übrigens alle Kriterien und hat deshalb die Gleichstellung bekommen. Ihren neuen Job hat sie dann sogar gefunden, ganz ohne die Trumpfkarte "Gleichstellung" aus dem Ärmel ziehen zu müssen. Aber trotzdem:

"Selbst wenn ich jetzt diesen Job verlieren würde. Ich hab einfach das bessere Gefühl, dass ich mich in meinem Alter auch noch auf etwas anderes zurücklehnen kann, indem ich sagen kann, Leute, ich bin gleichgestellt. Wenn's eine Stelle dort gibt, wo bevorzugt Behinderte gesucht werden, kann ich mich bewerben. Und das hat so ein bisschen das Gefühl von Sicherheit, dass ich noch einen kleinen Trumpf in der Hand habe."

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