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StartseiteSport am WochenendeBeckenbauers Bäuerchen06.03.2016

GlosseBeckenbauers Bäuerchen

Wer bringt im Hause Beckenbauer eigentlich den Müll runter? Wer schaut nach, ob noch genug Champagner im Kühlschrank ist? Und wer windelt diese unsere königliche Exzellenz und erlauchte Superstarweltmannmamasöhnchenexistenz? Zumindest seit Robert Schwan Anfang des Jahrtausends im gesegneten Alter das Zeitliche gesegnet hat?

Von Jürgen Roth

Franz Beckenbauer (imago Sportfoto)
Franz Beckenbauer (imago Sportfoto)

Schwan war jener Mann, der dem schon in den siebziger Jahren von der durch und durch verdämlackelten Journaille zum "Kaiser" ernannten Fußballspieler bei großangelegten Steuerhinterziehungen zur Seite stand, freilich unter Mithilfe der royalistisch-bayerischen Staatspartei des Franz Josef Strauß?

In der heutigen Bild am Sonntag, einem Blatt aus einem Konzern, der ungefähr zweiundneunzig Ghostdenker im Dienste von Franz Beckenbauer beschäftigt, gibt der Unantastbare, gibt diese zerebrale Sanddüne, angesprochen auf die Millionen, die über sein und Robert Schwans Schweizer Konto 2002 nach Katar geflossen waren, zum besten, er habe davon erst am vergangenen Mittwoch erfahren, und es sei ja überhaupt so gewesen: "Robert hat mir alles abgenommen – vom Auswechseln der Glühbirne bis hin zu wichtigen Verträgen."

Man wird dieses Interview fürderhin als einen Text würdigen müssen, in dem sich der sogenannte Sportjournalismus zu den Höhen des absurden Theaters aufgeschwungen hat. Samuel Beckett hätte den ebenda aufgetürmten und hervorgerülpsten nihilistisch-indolenten Sprachschrott nicht einen Deut prächtiger zu Papier gebracht. Beckenbauer: "Ich hatte damit nichts zu tun." Was wußte Beckenbäuerchen? "Nichts." Wirklich nicht? Nein, "davon weiß ich nichts." Ehrlich? Freilich! Beckenbauer: "Wir haben keine Stimmen gekauft." Ach was. Wir sind shoppen gegangen und haben danach bei einem Obstler einen zünftigen Skat gedroschen. Denn "wir waren überglücklich und haben nicht gefragt, wofür das Geld war." Und in welchem Auftrag haben wir etwas getan, von dem wir nicht wußten, was es war, während wir es taten? Im Auftrag der Weißdergeiergötter: "Ich wollte unbedingt die WM im eigenen Land retten – ein göttliches Geschenk!"

Ein Satz warme Ohren

Mein Name ist Meister Lampe-Aus, die Gehirnglühbirne ist erloschen, die Welt ist ein Würfel mit acht Seiten, und die Weißwurst hat drei Enden im Quadrat, dividiert durch die Wurzel aus Süßholzraspelsenf mal Radi hoch Radler.

Der Sportinformationsdienst kommt heute angesichts dieses säkularen Brabbelauflaufs zu dem Schluß: "Der Kaiser gibt weiter den Trottel: Franz Beckenbauer hat nach Vorlage des Freshfields-Reports zur WM-Affäre beim Deutschen Fußball-Bund sein Schweigen gebrochen – und sagt weiter nichts. Die Lichtgestalt mutiert zur Schlichtgestalt!"

Gibt er ihn – den Trottel? Oder greift, nachlesbar, dokumentiert, der Tatbestand der Unzurechnungsfähigkeit? Oder so gefragt: Was muß man sich als noch nicht vollends abgestumpfter Zeitgenosse eigentlich noch bieten lassen? Welches Maß an vorgetäuschter Dummbrockenhaftigkeit und gegenüber jedem Argument resistenter Tatsachenleugnung und sich kaprizierender narzißtischer Knallköpfigkeit hält das öffentliche Leben noch aus?

Oder hülfe – in Sachen Beckenbauer Franz – ein Satz warmer Ohren?

Nein, nein, Franz Beckenbauer, erfahren wir in der Bild am Sonntag von ihm höchstselbst, "ist an einem kleinen Weinberg in Südafrika beteiligt", und es muß ein Weinberg des Herrn sein, in dem er bescheiden sein Werk verrichtet, und es ist alles gutgefügt, "und das ist Erholung für mich", halleluja!

Gloria, gloria, Omertà!

Den vollständigen Beitrag können Sie bis mindestens 6. September 2016 in unserer Mediathek nachhören.

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