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StartseiteInterview"Ich nehme die Krebsgefahr sehr ernst"17.05.2016

Glyphosat"Ich nehme die Krebsgefahr sehr ernst"

Das Europäische Parlament will Glyphosat weiterhin zulassen, die Weltgesundheitsorganisation vermutet in einer neuen Studie "wahrscheinlich" keine Krebsgefahr. Dennoch bleibt das Unkrautvernichtungsmittel umstritten. Sie nehme die Krebsgefahr weiterhin sehr ernst, sagte die Pestizidexpertin des BUND, Heike Moldenhauer, im DLF.

Heike Moldenhauer im Gespräch mit Thielko Grieß

BUND-Protest gegen den Unkrautvernichter Glyphosat. (imago / BildFunkMV)
BUND-Protest gegen den Unkrautvernichter Glyphosat. (imago / BildFunkMV)
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Bei Stichproben sei in allen Fällen Glyphosat im Urin der untersuchten Menschen gefunden worden, sagte Moldenhauer. Das bedeute aber, dass es eine Dauerbelastung mit dem Stoff gebe: Der Mensch sei Glyphosat ständig ausgesetzt, und der Körper könne sich nicht erholen. 

Was diese Dauerbelastung am Menschen anrichte - dazu gebe es bislang keinerlei Studie, betonte Moldenhauer. Sie machte dafür den Widerstand der Industrie-Lobby, aber auch ein Desinteresse der Behörden verantwortlich. Der BUND habe bereits im Jahr 2103 beim Bundeslandwirtschaftsministerium eine solche Untersuchung angeregt - aber nichts sei geschehen.

Ein zweites Argument spricht nach den Worten Moldenhauers gegen Glyphosat: Das Totalherbizid spritze alle anderen Pflanzen auf dem Acker tot - also auch solche, die die Lebensgrundlage für Insekten und Vögel bildeten. Die Folge sei ein großes Artensterben in der Landwirtschaft.

Das Argument der Bauern, dass sie ohne Glyphosat mit anderen, möglicherweise noch schädlicheren Mitteln arbeiten müssten, ließ die BUND-Expertin nicht gelten: Anstatt zu spritzen, könnten sich die Landwirte wieder auf den traditionellen Ackerbau besinnen - und wie früher das Unkraut mit dem Pflug bekämpfen.

Der zuständige Fachauschuss der Europäischen Union kommt heute in Brüssel zusammen, um über eine weitere Zulassung von Glyphosat zu entscheiden. Die aktuelle Zulassung läuft Ende Juni aus. Die Bundesregierung ist in ihrer Haltung zu dieser Frage uneins - möglicherweise muss sich Deutschland deshalb in der Abstimmung in dem Gremium enthalten.

Der zuständige Fachauschuss der Europäischen Union kommt heute in Brüssel zusammen, um die weitere Zulassung von Glyphosat zu entscheiden. Kommt dort keine Mehrheit zustande, liegt die Entscheidung bei der Europäischen Kommission.

Das vollständige Interview können Sie in unserer Mediathek nachhören.

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