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StartseiteWissenschaft im BrennpunktViele internationale Hinweise auf Krebsrisiko27.09.2015

Glyphosat Viele internationale Hinweise auf Krebsrisiko

Landärzte in Argentinien berichten von steigenden Gesundheitsproblemen - vor allem mehr Krebsfälle, mehr Missbildungen bei Kindern. Auf Sri Lanka grassiert in den Ackerbaugebieten im Norden des Landes eine mysteriöse, chronische Nierenkrankheit, Hunderttausende sind betroffen. In beiden Fällen steht das weit verbreitete Glyphosat im Verdacht, die Menschen schleichend zu vergiften.

Von Lucian Haas

Argentinien, Ende Juni 2015. Es spricht Medardo Ávila Vazquez, Leiter der NGO "Médicos de Pueblos Fumigados".

"Heute starten wir hier an der medizinischen Fakultät der Universität von Buenos Aires eine Kampagne, um das Verbot von Glyphosat im Land zu erreichen. Krebs ist heute die Todesursache Nummer eins in den ländlichen Gebieten Argentiniens. Das war vor zehn Jahren noch anders."

Seit Jahren berichten Landärzte in Argentinien von steigenden Gesundheitsproblemen. Mehr Krebsfälle, mehr Missbildungen bei Kindern. Wissenschaftlich sind diese Fälle nicht aufgeklärt, doch als Ursache sehen viele die Agrar-Chemikalien. Unter Verdacht ist auch Glyphosat, das auf den Feldern mit Gen-Soja in immer größeren Mengen ausgebracht wird – häufig per Flugzeug. Die Abdrift kann ganze Dörfer treffen. Einzelne Gemeinden haben lokale Verbote erlassen, um diese Praxis zumindest in der Nähe von Siedlungen zu verbieten.

In den USA geraten die Glyphosathersteller wegen anderer Probleme unter Druck. Gentechnik-Experte Gerd Spelsberg vom Fachportal Transgen.de:

"Inzwischen sind eben die Probleme, vor allen Dingen die Resistenzen bei den Unkräutern, so groß geworden, dass in Teilen der USA Glyphosat gar nicht mehr angewandt werden kann."

Als Abhilfe haben Saatgutkonzerne neue Gen-Sorten entwickelt, die neben Glyphosat zusätzlich auch eine Behandlung mit anderen, ebenfalls umstrittenen Herbizidwirkstoffen wie Atrazin, 2,4-D oder Glufosinat überstehen.

"Aber auf Dauer ist das natürlich eine Verschiebung des Problems. Denn früher oder später werden diese Unkräuter auch Resistenzen gegen andere Herbizide entwickeln."

Auf Sri Lanka grassiert seit Jahren in den Ackerbaugebieten im Norden des Landes eine mysteriöse, chronische Nierenkrankheit. Hunderttausende sind betroffen. Die Ursachen liegen im Dunkeln. Das weit verbreitete Glyphosat steht im Verdacht, die Menschen schleichend zu vergiften. Auch ohne schlüssige Beweise hat Staatspräsident Maithripala Sirisena Mitte Mai alle Importe und den Einsatz von glyphosathaltigen Herbiziden verboten.

Kolumbien. Im Kampf gegen die Drogen-Mafia ließ die Regierung seit 1994 Glyphosat aus der Luft auf illegale Koka-Plantagen sprühen. Damit ist jetzt Schluss. Im Mai beschloss die zuständige Behörde, das Mittel nicht mehr einzusetzen – unter Hinweis auf die neuen Erkenntnisse zum Krebsrisiko von Glyphosat.

Auch die kalifornische Umweltbehörde nimmt die Einschätzung der WHO-Krebsforschungsagentur IARC zu Glyphosat ernst. Sie kündigte an, Glyphosat in ihre Liste potenziell krebserzeugender Substanzen aufnehmen zu wollen. Herbizide mit diesem Wirkstoff müssten dann in Kalifornien zumindest entsprechend gekennzeichnet werden. Andere US-Bundesstaaten könnten folgen.

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