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StartseiteForschung aktuellGo North08.07.2005

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Klimawandel bringt Sahel nach Spanien und Provence nach Berchtesgaden

Klima. - Von Südwestfrankreich über Spanien bis nach Portugal ist in den vergangenen acht, neun Monaten viel zu wenig Niederschlag gefallen. Die Winterregen, die sonst für das mediterrane Klima typisch sind, fielen fast vollkommen aus. Resultat ist eine Dürre, wie es sie im Mittelmeerraum nur selten gegeben hat.

Von Dagmar Röhrlich

Ohne künstlichen Verdunstungsschutz wird Spaniens Landwirtschaft bald ein Problem bekommen. (AP Archiv)
Ohne künstlichen Verdunstungsschutz wird Spaniens Landwirtschaft bald ein Problem bekommen. (AP Archiv)

"Diese Dürre derzeit im Mittelmeergebiet ist noch nicht notwendigerweise ein Zeichen für den Klimawandel. Extreme Ereignisse wie dieses sind selten - und es ist immer schwierig, seltene Ereignisse mit einem langfristigen Klimawandel zu verknüpfen."

Schließlich sei das mit der Statistik so eine Sache, erklärt Martin Beniston von der Universität Fribourg in der Schweiz. Für solche Aussagen reichen die Aufzeichnungen einfach nicht weit genug zurück. Allerdings passt die Dürre in Portugal, Spanien und Südwestfrankreich genau zu dem in Klimamodellen vorhergesagten Trend. Sprich: Durch den hausgemachten Treibhauseffekt könnten sich die Klimazonen vom Äquator weg ausdehnen und jeweils zu den Polen hin verschieben. Martin Claussen vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung:

"Für die seit Jahrzehnten von Dürre geplagten Sahelzone sind das gute Nachrichten: Sie könnte in den kommenden 50 bis 100 Jahren grüner werden: Aber für den Mittelmeerraum stehen die Zeichen auf Trockenheit, weil sich das nordafrikanische Klima weiter nach Norden verlagert - und das gewohnte Mittelmeerklima mit heißen, trockenen Sommern und milden, regenreichen Wintern die Alpen überquert und bis nach Nordfrankreich und Deutschland reicht."

Für die seit Jahrzehnten von Dürre geplagten Sahelzone sind das gute Nachrichten: Sie könnte in den kommenden 50 bis 100 Jahren grüner werden: Aber für den Mittelmeerraum stehen die Zeichen auf Trockenheit, weil sich das nordafrikanische Klima weiter nach Norden verlagert – und das gewohnte Mittelmeerklima mit heißen, trockenen Sommern und milden, regenreichen Wintern die Alpen überquert und bis nach Nordfrankreich und Deutschland reicht.

"Die Klimaszenarien zeigen ganz klar, dass im Winter im nördlichen Teil Europas mit einer Zunahme von Niederschlägen gerechnet werden muss. Die ganze Situation ist eine Zunahme des Wasserkreislaufs mit einer Konzentration auf den Winter und einer Tendenz zu vermehrter Verdunstung im Sommer."

Auch wenn es derzeit nicht danach aussieht: Sommerregen könnte auch in unseren Breiten selten werden, prognostiziert Christoph Schär von der ETH Zürich. Im Mittelmeerraum zeigen die Modelle eine Verlängerung des Sommers an, um ein oder zwei Monate. Was Touristen begrüßen, hätte fatale Folgen für den Wasserhaushalt. Schär:

"Die ganze Situation mit den sommerlichen Wasserressourcen ist eine sehr kritische, die ist noch nicht vollständig verstanden, wie weit das ernsthafte Auswirkungen haben könnte, aber die Reduktion der Niederschlagstätigkeit im Sommer und auch im Jahresmittel auf der Alpensüdseite und in mediterranen Gebieten - ist generell als potentielle Gefährdung sehen können, weil die Wasserressourcen in einem Gebiet, in dem die Ressourcen jetzt schon knapp sind, ist eine weitere Reduktion natürlich ein unerwünschtes Phänomen."

Während der für das Mittelmeerklima typischen Sommerdürre werden die Böden weiterhin austrocknen, nur dass dann die Winterregen fehlen, die bislang für eine Balance sorgen. Damit fallen die Böden als wichtigste Wasserspeicher aus. Martin Beniston:

"Die Abnahme der Winterregen im Mittelmeerraum kann bis zu einem gewissen Grad durch Technikeinsatz ausgeglichen werden, durch Staudammbau und durch Bewässerung, so dass Wasser in die verschiedenen Landesteile gebracht werden kann. Wir erwarten für Südeuropa keine Sanddünen, die durch die Gegend wandern. Aber langandauernde Dürren werden es schwieriger machen, die Regionen etwa mit Trinkwasser zu versorgen."

Insgesamt seien die Veränderungen nördlich der Alpen wahrscheinlich spürbarer, vermutet Martin Beniston. Für die Flüsse bedeuten Winterregen kombiniert mit schnee- und gletscherarmen Alpen, dass sich ihre Wasserführung vollkommen verändert: Aus dem Rhein wird dann so etwas wie der Po, voll Wasser im Winter, fast trocken im Sommer. Und auch in den Alpen selbst könnte es dramatische Veränderungen geben: Mit dem Nordwärtstrend des Klimas rückt die Haute Provence sozusagen nach Berchtesgaden.

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