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Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteKalenderblattGo West!03.04.2005

Go West!

Vor 145 Jahren nahm der "Pony Express" seinen Dienst auf

Der "Pony-Express" zählt zu den klassichen Mythen des amerikanischen Pioniergeists. Der Kurierreiterdienst sollte seinerzeit die Postverbindung zwischen Missouri und Kalifornien gewährleisten. 2000 Meilen in zehn Tagen - für die damalige Zeit eine ungeheure Herausforderung. Doch als die ersten Telegraphen bis zum Pazifik standen, hatte der Express ein frühes Ende.

Von Michael Langer

2000 Meilen durch die amerikanische Weite (NRAO)
2000 Meilen durch die amerikanische Weite (NRAO)

Mitte des 19. Jahrhunderts brauchten die ersten Kutschen des berühmtem Transportunternehmens Wells Fargo noch 20 Tage, um die Strecke zwischen St.Joseph / Missouri und Sacramento / Kalifornien zurückzulegen. Das kam den Kaufleuten und vor allen den Bankern an der Westküste, die auf rasche Informationen angewiesen waren, wie eine Ewigkeit vor. Deshalb schien die Einrichtung des "Pony Express"", der die knapp 2000 Meilen in nur zehn Tagen bewältigen sollte, eine fabelhafte Idee zu sein, zumal für ein entsprechend erfolgreiches Unternehmen üppige staatliche Aufträge winkten.

Also gründeten Bill Russell, Alexander Majors und William Waddell den Kurierreiterstaffettendienst "Pony Express" - übrigens eine Tochterfirma der Freight and Stage Company, die wiederum der Central Overland California and Pikes Peak Express gehörte. Mergers and Acquisitions: Nie war es anders.

Zuerst investierten die Herren in zirka 400 Broncos und andere zähe Pferderassen, die den ungeheueren Strapazen gewachsen zu sein schienen. Und in großen Zeitungsanzeigen suchte man unter der Überschrift "Wanted" nach geeignetem "Humankapital":

"Gesucht: Junge Männer, dünn und drahtig. Nicht älter als 18. Nur versierte Reiter, die bereit sind, täglich dem Tod ins Auge zu schauen. Waisen bevorzugt"!"

Ungefähr 80 kernige Burschen, keiner schwerer als einen guten Zentner, waren bereit, für zunächst 50, später für 100 Dollar im Monat ihr Leben aufs Spiel zu setzen, bei Tag und Nacht, bei Wind und Wetter, allen Wegelagerern und auch den Indianern zum Trotz . Waisen waren nur wenige dabei; dafür war der älteste Reiter dann doch Mitte 40, denn auch Erfahrung zählte; der jüngste war der Legende nach erst zarte elf. Durschnittsalter der Truppe: 20 Jahre.

Am 3. April 1860 verließ der erste Reiter St. Joseph / Missouri - und tatsächlich: fast auf die Stunde genau zehn Tage später traf der allererste Express-Brief in Kalifornien ein. Die Reiter waren 75 bis 100 Meilen, also etwa acht bis zehn Stunden lang im Sattel. Alle 10 bis 15 Meilen wechselten sie ihr Pferd an einer der 165 Stationen. Den längsten Ritt absolvierte ein gewisser Pony Bob Haslam mit 370 Meilen am Stück. Die schnellste Zustellung erfolgte im März 1861 in sieben Tagen und 17 Stunden, denn besondere Eile war geboten, handelte es sich doch um Abraham Lincolns Antrittsrede.

Zu den berühmtesten Namen in Diensten des "Pony-Express" zählte übrigens William F. Cody alias Buffalo Bill. Allerdings hatte der damals Vierzehnjährige, sich nur die bequemsten Streckenabschnitte herausgesucht, was seiner Laufbahn als reitender Bote ein frühes Ende bescherte. Machte aber nichts, denn schließlich hatte der Büffeljäger ja noch einige tausend Bisons zu erledigen.

Der "Pony Express" war immer ein Rennen gegen die Zeit und letztlich gegen den Fortschritt. Am Horizont tauchte natürlich schon die Eisenbahn auf und ehe man sich´s versah, wurden Telegraphenleitungen gelegt, und zwar entlang der Express-Route. Dies war vielleicht der größte Erfolg des waghalsigen Unternehmens: Man hatte bewiesen, dass die so genannte Central Route durch den nordamerikanischen Kontinent das ganze Jahr über zu bereisen war. Andere nahmen es dankbar zur Kenntnis.

Als am 24. Oktober 1861 die Telegraphenleitungen bis zum Pazifik standen, war der "Pony-Express", eineinhalb Jahre nach seiner Gründung, am Ende. Der staatliche Millionenauftrag war ausgeblieben, man verbuchte 200 000 Dollar Verlust, und ein gewisser Ben Holladay ersteigerte die Reste der Firma, um sie, wenn man den Quellen glauben darf, vier Jahre später für zwei Millionen Dollar an Wells Fargo zu verkaufen. Wie gesagt, nie war es anders: Mergers & Acquisitions, Übernahmen, Aufkäufe, Spekulationen. Im diesem Fall: Auf Kosten der Reiter und auf dem Rücken der Pferde.

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