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Goldschmuck im Maisfeld

Etruskische Anhänger in keltischem Grab

Von Cajo Kutzbach

Goldschmuck aus dem späten 6. bis 5. Jahrhundert vor Christus fanden Archäologen in einem Keltengrab bei der Heuneburg im schwäbischen Landkreis Sigmaringen.
Goldschmuck aus dem späten 6. bis 5. Jahrhundert vor Christus fanden Archäologen in einem Keltengrab bei der Heuneburg im schwäbischen Landkreis Sigmaringen. (Siegfried Kurz/ Uni Tübingen)

Archäologie. - Auf der dem Gebiet der Heuneburg im schwäbischen Landkreis Sigmaringen haben Archäologen der Universität Tübingen und des baden-württembergischen Landesamtes für Denkmalpflege <papaya:link href="http://www.uni-tuebingen.de/uni/qvo/pm/pm2005/pm-05-116.html" text="Goldschmuck" title="Etruskische Goldanhänger fanden Archäologen in einem keltischen Grab auf der Heuneburg." target="_blank" /> aus einem keltischen Grab der Hallstatt-Zeit aus dem 6. und 5. Jahrhundert vor Christus entdeckt. Einige Stücke wurden im fernen Etrurien, der heutigen Toskana, hergestellt.

In den letzten 55 Jahren haben Forscher des Institutes für Ur- und Frühgeschichte auf der Heuneburg 14 Siedlungsschichten nachgewiesen. Die Blütezeit erlebte die Hochebene am nördlichen Donauufer bei Hundersingen vor über 2500 Jahren unter den Kelten. Grabungsleiter Siegfried Kurz:

"Nördlich der Alpen stellt die Heuneburg sicher eine einzigartige Entwicklung dar, weil sie dort den Prozess von kleinteiligen Siedlungsformen auf bäuerlicher Lebensgrundlage zu ja zu Zentralisierungsprozessen fassen, einem Anwachsen der Bevölkerung, einem Konzentrationsprozess, der Ausbildung von Arbeitsteilung und letztlich führt die Entwicklung dort geradewegs in Richtung Stadt. Allerdings sehr nah dran, ohne die Stadt jemals zu erreichen."

Man vermutet, dass dort über 1000 Menschen lebten. Zum Vergleich Athen hatte damals 5000 bis 10.000 Einwohner. Da die Anhöhe später immer wieder als Siedlung oder Festung diente wurde manches zerstört oder eingeebnet. Darunter wohl auch einige der zahlreichen Grabhügel, die es in der Umgebung der Heuneburg gibt. Da die genaue Ausdehnung der verschiedenen Siedlungsschichten nicht geklärt ist, streifen die Forscher ab und zu rund um die Heuneburg durchs Gelände, um bisher nicht bekannte Siedlungsstellen zu entdecken. Und dabei fand man im Oktober die jetzt vorgestellten Schmuckstücke auf einem abgeernteten Maisfeld. Kurz:

"Bei einer Feldbegehung kam, per Zufall gewissermaßen, ein sehr kostbares Fundstück zum Vorschein auf der Ackeroberfläche liegend. Sie können sich vorstellen, eine goldplattierte Fibel, das finden Sie nicht alle Tage. Eigentlich hatten wir ja unscheinbare Gefäßscherben gesucht, auf der Suche nach Siedlungen."

Es stellte sich heraus, dass der Pflug offenbar ein bisher nicht entdecktes und eingeebnetes Grab angeschnitten hatte. Normal sind bei der Heuneburg Hügelgräber mit bis zu 85 Metern Durchmesser. Als man genauer nachsuchte fand man auf einer Fläche, so groß wie ein DIN A 4 Blatt auch eine weitere Fibel, Ringe, sowie Anhänger und Reste von Zähnen. Kurz:

"Was nun zum Vorschein kam, war das Fragment einer Gewandspange. Wir befinden uns in der Hallstattzeit, einer Zeit, wo es keine Knöpfe gibt. Sicherheitsnadeln nehmen die Funktion von Knöpfen an der Kleidung war. Sie sind sehr stark dem Modewandel unterworfen, von daher auch sehr zeitempfindlich."

Daher weiß man, dass das Begräbnis zwischen 6. und 5. Jahrhundert vor Christus stattfand. Die Schmuckstücke zeigen, dass dort keine armen Leute hausten. Schon bisherige Funde ergaben deutliche Hinweise auf Kontakte bis zum Mittelmeer. Das trifft hier auf die Anhänger zu, die vermutlich von Etruskern, also aus dem heutigen Italien stammen. Doch die größte Überraschung brachte die Untersuchung der Zahnreste. Siegfried Kurz:

"Was dann völlig überraschend war: Dieses Individuum war im Alter zwischen zwei und vier Jahren verstorben. Das heißt es ist ein Kind. - Die Fibeln, wenn sie zur Grablege extra mit Gold überzogen worden sind, die sind wohl schwerlich deshalb mit Gold überzogen worden, weil dieses Kind in seinem Leben so große Verdienste für die Gemeinschaft geleistet hat, sondern wahrscheinlich eher, weil es als Mitglied der führenden Familien die Grablege auch dazu gedient hat, die soziale Bedeutung, oder das Repräsentationsbedürfnis dieser Familie nach außen dar zu stellen."

Es ging also nicht um Elternliebe, sondern um Macht und Ansehen. In dieser Gesellschaft, die irgendwo zwischen Weiler und Stadt lebte, bildeten sich die führenden Familien dadurch heraus, dass sie ihren Wohlstand und ihre Macht zeigten. Und wer es sich leisten konnte, seinem Kleinkind so wertvollen Schmuck ins Grab zu legen, der muss schon zu den oberen Zehntausend gehört haben. Übrigens dürften einige der neuen Funde im März in einer Ausstellung des Landes Baden- Württemberg erstmals zu sehen sein, wenn die Restauratoren bis dahin fertig werden. Ab April ist auch das Freilichtmuseum der Heuneburg wieder geöffnet.

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