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Gott und die Welt – Die Macht der Religionen

"Wegmarken", Teil 3: Die politische Perspektive

Von Birgit Wentzien

Jüdische Beschneidungszeremonie - ein politischer Streitpunkt im abgelaufenen Jahr.
Jüdische Beschneidungszeremonie - ein politischer Streitpunkt im abgelaufenen Jahr. (picture alliance / dpa / Bea Kallos)

Wie stark kann und muss die Politik regelnd in das religiöse Leben eingreifen? Und wie viel Einfluss dürfen die Religionsgemeinschaften ihrerseits auf staatliches Handeln nehmen? Mithin - wie viel Glauben verträgt eigentlich eine Demokratie? Ein Essay von Birgit Wentzien.

Birgit Wentzien ist Chefredakteurin des Deutschlandfunks in Köln.

Geistliche Führung und staatliches Bodenpersonal

Die Kanzlerin – irgendwann im tiefen November 2012 an der Ostseeküste – zu Gast bei der Evangelischen Kirche. Sie freue sich, als ein Teil des "weltlichen Regimes" zu Wort kommen zu dürfen. Angela Merkel erinnert an die guten Gründe für die Trennung von Politik und Religion. Dem deutschen Staat ist verfassungsgemäß eine weltanschaulich-religiöse Neutralität auferlegt. Und - Merkel wird grundgesetzlich grundsätzlich, spricht von verantworteter Freiheit, einer Glaubens- und Religionsfreiheit. Für die protestantische Kanzlerin darf sich Politik nicht in Allmachts- oder Absolutheitsansprüchen verlieren, wenn sie sich am Ende nicht in menschenfeindlichen Ideologien wiederfinden will.

Der Bundespräsident – wenige Tage später – auf einem Führungstreffen der deutschen Wirtschaft. Joachim Gauck – norddeutscher Protestant auch er und natürlich wiederum zu seinem Mantra, der Freiheit. Gauck fordert Freiheit, die niemals die Freiheit sein solle, Werte aufzugeben. Gauck spricht wieder von der Freiheit, etwas zu tun, und der Verantwortung, für etwas geradezustehen. Die Verantwortung für den Erfolg eines Unternehmens am Markt, die Verantwortung für die Akzeptanz eines Unternehmens in der Gesellschaft und die Verantwortung für die Regeln, die gelten im Zusammenleben. Für ihn sogenannte Basiswerte: Verlässlichkeit und Berechenbarkeit, Vernunft und immer wieder Vertrauen. Werte, die schwinden, wenn das Augenmaß verloren geht. Geistliche Führung erwarten wir von unseren staatlichen Oberhäuptern nicht. Wir haben eine Verfassung. Beide aber, Kanzlerin und Staatsoberhaupt, scheuen sich nicht und bekennen sich zu ihrer Religion. Wohl wissend, dass für viele Menschen Gott, Glaube und Kirche längst Teil einer Fremdsprache geworden sind. Das Institut für Demoskopie Allensbach registriert Widersprüche: Der Glaube hat für die Bevölkerung an Bedeutung verloren. Zugleich wird die christliche Kulturtradition auch von denen verteidigt, die sich nicht mehr als Christen empfinden. Und – kaum eine andere gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte vollzog sich so kontinuierlich, gründlich und voraussichtlich auch dauerhaft wie die Abwendung der Bevölkerung von der Kirche. Nur noch 72 Prozent der Deutschen gehören einer Religionsgemeinschaft an, 59 Prozent der evangelischen oder katholischen Kirche. In vielen Großstädten sind heute die Angehörigen der traditionellen großen christlichen Glaubensgemeinschaften in der Minderheit, in den neuen Bundesländern sogar stark: Hier sind fast drei Viertel der Bevölkerung konfessionslos. Und – von einem weiteren Widerspruch ist zu berichten. Die politischen Ansprüche von Religion werden lauter, und viele Kirchen bleiben leer. Es stellen sich Glaubensfragen zuhauf und zu besichtigen ist eine tiefe Kluft zwischen Religionen, die sich in den Rechtsstaat einfügen wollen und Religionen, die Sonderrechte beanspruchen und ... Staat machen wollen.

Ist das Ritual der Beschneidung im muslimischen und im jüdischen Glauben eine Körperverletzung? Selten hat das deutsche Parlament – ausgelöst durch einen Kölner Richterspruch – so schnell einen Gesetzentwurf gefertigt. Die monatelang schwelende Diskussion hat am Selbstverständnis der Religionen gerührt wie kaum jemals zuvor: Wie stark kann und muss die Politik regelnd in das religiöse Leben eingreifen? Und wie viel Einfluss dürfen die Religionsgemeinschaften ihrerseits auf staatliches Handeln nehmen? Konkret: Müssen die religiösen Gefühle gegen Karikaturen geschützt werden? Was ist mit der Kirchensteuer, dem Kopftuch in der Schule, dem Kruzifix im Klassenzimmer? Und was ist mit Kirchen als Arbeitgebern, die ihren Angestellten bekenntnisreiche Arbeitsverträge abverlangen, die eigentlich keinem freien Bürger zuzumuten sind? Mithin - wie viel Glauben verträgt eigentlich eine Demokratie?

Viele erwarten und hoffen auf Antworten inmitten von Ungewissheiten, mancher wünscht und sehnt sich nach einer übergeordneten Kraft. Und Friedrich Dürrenmatt sah's ebenso streitbar wie einfach: Allein aus Angst vor dem eigenen Tod habe der Mensch das Jenseits erfunden. Zu beobachten sind Religionsgründer und Propheten, manch Massentaumel und manche Versenkung, Ablösungen auch aus den Amtskirchen und nicht zu vergessen schließlich diejenigen, die ihr seelisches Heil in der Schwitzhütte eines Schamanen suchen, oft vergeblich. Es stehen religiöse Gebote gegen weltliche Gesetze. Es steht die eine Glaubenswahrheit gegen viele Meinungen. Das ist die neuzeitliche Gretchenfrage. Und der demokratische Staat muss sie beantworten und zur Kenntnis nehmen als Teil des gesellschaftlichen Diskurses. Doch im Sinne einer Trennung zwischen Staat und Kirche muss der Staat politische Ansprüche von Religionen zurückweisen. Denn – bei allem ist klar: Mit Glauben ist kein Staat zu machen – es sei denn, ein Kirchenstaat.

Mit dem Gesicht zur Welt

Nur kurz zur Erinnerung: Die Menschenrechte wurden gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erstritten. Und das ist noch gar nicht so lange her. Nicht aus Religionen sind freiheitliche Errungenschaften wie die Herrschaft des unparteiischen Gesetzes, die Trennung von Staat und Kirche, der Pluralismus des Glaubens und der Überzeugungen erwachsen, sondern aus der Zähmung der Religionen. Die Unterwerfung der Kirche unter die weltliche Macht und das Ende der blutigen Religionskriege waren Meilensteine auf diesem Weg. Jetzt läuft dem Papst in Rom die Zeit davon. Viele verlangen von Benedikt XVI. 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil einen grundlegenden Wandel der Katholischen Kirche. Und der Papst spricht seinerseits von "Entweltlichung" und die Katholiken rätseln, was damit denn nun gemeint sei. Das Ende der staatlich eingezogenen Kirchensteuer? Je nach Bundesland ziehen die Finanzämter acht oder neun Prozent der Lohnsteuer ein und geben das Geld an die Kirchen weiter. Der Staat überweist jährlich Milliarden an direkten Zuwendungen an die Kirchen. Nach Schätzungen setzen die beiden großen Kirchen – Stand 2000 – 125 Milliarden Euro um und beschäftigen mehr als zwei Millionen Menschen in Landeskirchen, Bistümern und Gemeinden. Sie sind eine Wirtschaftskraft und eine Wirtschaftsmacht im Land. Und die soll "entweltlicht" werden? Oder geht's um etwas ganz Anderes? Darum, das Handbuch des Staatskirchenrechts und den darin enthaltenen Einzug der Kirchensteuer zu ersetzen durch ein Religionsverfassungsrecht – auch und endlich für Religionen und deren Anhänger, die nicht in einer Kirche organisiert sind: die Muslime? Man weiß es nicht so genau und man rätselt – auch über den Papst, der von "Entweltlichung" spricht und diesen Begriff vom jungen katholischen Theologen Josef Ratzinger übernommen hat, der vor 50 Jahren am Zweiten Vatikanischen Konzil teilgenommen hat und damals von einer anderen Kirche träumte und auch von einer stärkeren Beteiligung der Gläubigen. Vor 50 Jahren endete das Zweite Vatikanische Konzil mit diesen Ergebnissen: Die Katholische Kirche wollte damals den Anschluss an die moderne Welt finden. Sie sprach vom gottgeneigten Menschen auf Sinnsuche und sprach sich dafür aus, dass Religionen humanen Standards genügen müssen – fernab von Machtstrukturen und fernab auch von einer väterlichen, dominanten Autorität. In diesen Zeiten der digitalen Welt – ein immer noch hoher Anspruch und fast nicht mehr zu erfüllen. Damals, vor 50 Jahren, zeigte sich die Kirche souverän suchend: Sie konnte sich mit Demokratie arrangieren, ohne selbst demokratisch zu sein. Nach 50 Jahren aber reicht das nicht mehr. Die Katholische Kirche fügt sich – von außen betrachtet – dem demokratischen Diskurs. Aber sie ist selbst nicht demokratisch. Sie misstraut weiterhin den traditionellen Medien und den digitalen Medien mit permanentem Rückkanal erst recht. Im Innern wird kein Ideenwettbewerb geduldet. Keine Auseinandersetzung, kein Streit. Kirche heute aber muss sich für das Neue, den Widerspruch interessieren. Moral gehört nicht mehr der Kirche allein.

Heiner Geißler und Alois Glück markieren die Pole der Auseinandersetzung in der Katholischen Kirche heute. Der streitbare CDU-Politiker und der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken. Geißler am radikalsten, wenn er sagt: Die katholische Amtskirche habe sich vom Leben abgemeldet. Der Vatikan blende völlig aus, dass das Evangelium eine politische Dimension in alle gesellschaftliche Bereiche hinein habe. Und das führe dazu, dass die katholische Kirche in der Gesellschaft keine Rolle mehr spiele. Alois Glück, der die Forderung aufstellt, der politische Katholizismus müsse das Engagement katholischer Laien wieder stärken. Das Zentralkomitee müsse sich fragen, inwieweit es möglichst viele Katholiken zu diesem Engagement ermutige, oder ob man im schicken Strom der Politikverdrossenheit mitschwimme. Der Nachfolger der Hannoveraner Bischöfin Margot Käßmann, Ralf Meister, spricht von der Notwendigkeit eines Christentums mit dem "Gesicht zur Welt". Kirche bleibt für Menschen interessant, weil und wenn sie Antworten gibt auf Angst und Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit. Für Meister hat Kirche Anziehungskraft, wenn sie mehr und mehr beschleunigten Menschen Raum zum Luftholen gibt, die Sehnsucht nach Beständigem stillt. Nach durchaus offenen Fragen, welche Form der sozialen Wirklichkeit, welche Form von Gemeinschaft heute, morgen und in hundert Jahren wie zu organisieren wäre.

Religion als Privatsache mit öffentlicher Verantwortung

Die eigentliche Herausforderung für die Kirchen ist eine geistliche. Kein weltliches Gericht kann da helfen. Es geht um Angst und Unsicherheit der Menschen, um Überforderung und einen grassierenden Fatalismus. Angst, Unsicherheit und Überforderung schüren das Feuer für schlichte Lösungen, für einfache Wahrheiten und Weltbilder. Und – bei aller Freiheit, aller Individualität droht eines verloren zu gehen: Das ist die Gemeinschaft. Die jungen Generationen trennen sich von alten Gewissheiten: Es wird nicht immer besser werden. Manchmal wird es nicht einmal gut. Was bleibt ihnen anderes übrig? Nichts als ihre Interessen zu organisieren in diesen brisanten Zeiten eines allzu schnellen Gewinns. Und - Staat und Politik sind nicht nur auf Wissen, auf wissenschaftliches Wissen angewiesen. Sie brauchen auch Kraftquellen, die aus dem kommen, was religiös gebundene Menschen als Glauben bezeichnen und was für nicht religiöse Menschen Vertrauen sein kann.

Es bleibt eine große historische Leistung christlich-abendländischen Denkens, dass die Religion für die Begründung politischer Herrschaft an Bedeutung verloren hat. Im demokratischen Verfassungsstaat sind Glaubensfragen im Verlaufe der letzten Jahrhunderte mehr und mehr aus der Sphäre des Öffentlichen verdrängt worden. Religion wurde Privatsache, aber eine Privatsache mit öffentlicher Verantwortung. Das ist und bleibt eine große friedensstiftende Leistung. Der liberale und demokratische Verfassungsstaat ist weltanschaulich neutral. Aber er ist nicht wertneutral. Für seinen Zusammenhalt braucht er mehr als funktionierende Institutionen, gute Wirtschaftsdaten oder außenpolitische Erfolge. Der "Kitt", der ein freiheitliches Gemeinwesen im Innersten zusammenhält, das sind nicht Wissenschaft und Technik, nicht Recht und Zwang, sondern vor allem Bürgertugenden, Werte, die eine Vertrauensgrundlage schaffen. Je unübersichtlicher und komplizierter die Verhältnisse werden, je weniger Gewohnheit, Tradition oder Pflicht das Verhalten der Menschen bestimmen, desto mehr ist das Gemeinwesen auf das soziale Kapital des Vertrauens angewiesen. Vertrauen entsteht dort, wo Menschen soziale Beziehungen pflegen können, wo sie
sich freiwillig zusammenschließen, wo Gemeinschaft erlebt wird. Wertebildung findet statt, wo nicht nur eigene Interessen verfolgt, sondern auch Verpflichtungen für Andere übernommen werden. Sie entsteht dort, wo das Gesellschaftliche in Gemeinschaftliches umschlägt, wo vermittelt und eingeübt werden kann, dass
Freiheit immer auch Freiheit in Verantwortung für andere heißt.

Der Glaube an die Vernunft

Was gilt heute als religiös? Man muss den Glauben als Glauben nehmen und einen Wert voranstellen. Das ist der Wert der Toleranz. Diese Toleranz kann nicht im Gewähren-Lassen bestehen. Sie muss so etwas sein wie Achtung gegenüber den Glaubensbezeugungen des Anderen. Helmut Schmidt spricht von den drei Tugenden des Demokraten: Neben der Achtung auch des politischen Widersachers sind das die Fähigkeit und die Bereitschaft zum Kompromiss. So müssen sich Kirche und Religionsgemeinschaften heutzutage infrage stellen lassen. Und Politik heutzutage kann nicht mehr und nicht weniger als den Wettbewerb auch religiöser Ideen organisieren – mit Achtung und der Fähigkeit zum Kompromiss. Die Distanz zur Kirche wird auch bei Menschen größer, die sich selbst fernab der Kirche verorten. Es sind suchende, zweifelnde Menschen mit einer tiefen Skepsis gegenüber lebenslangen Bindungen, einer inneren Distanz zu großen Institutionen, auch zu Kirchen. Die Missbrauchsskandale der vergangenen Jahre haben das Misstrauen nur noch wachsen lassen. Zugleich gibt es immer mehr geschlossene Weltbilder und auch so etwas wie die Sehnsucht nach einer Gegenwelt zur Moderne, die ja durchaus Zumutungen bereithält. Im Islam ist das mit Händen zu greifen. Ist Politik zur Organisation dieses Wettbewerbs nicht mehr in der Lage, siegen Ignoranz und Anmaßung – die ältesten politischen Krankheiten. Siegt so die Ökonomisierung der Gesellschaft und der Demokratie? Bürger sind mehr als Gläubige und Nichtgläubige und Bürger sind mehr als Wirtschaftsakteure. Und - der durch und mit Politik organisierte Wettbewerb braucht Ideen. Nur dann kann der Geist von Demokratie wehen mit all seinen Werten und Moralvorstellungen, die auch – aber nicht nur – von Religion geprägt sind.

Eine liebe Freundin, aufgewachsen in der DDR, spricht von ihrer eigenen kuriosen Lebensgeschichte und gestattet die Erzählung darüber. Für viele Menschen in der DDR kam an Weihnachten der Weihnachtsmann. Einen Bezug zum Christentum hatte das Fest in großen Teilen der Bevölkerung verloren. Die Weihnachtsengel waren "geflügelte Jahresend-Puppen". Wofür sie eigentlich standen, wusste kaum jemand so recht zu sagen. Der Druck des Regimes hatte seinen Zweck erfüllt: Nach dem Zweiten Weltkrieg waren gut 80 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung evangelisch und 12 Prozent katholisch. Nach dem Mauerfall gehörte knapp ein Viertel der Bevölkerung zur evangelischen Kirche und nur noch drei Prozent waren katholisch. Dennoch kamen auch Menschen, die kaum einen religiösen Hintergrund hatten, im Herbst 1989 in die Kirchen Ostdeutschlands. Das Wissen um die Kirche als Versammlungsort hatte überlebt, das Wissen um die Schutzfunktion des sakralen Gebäudes war lebendig. Religiöses Wissen und religiöse Erfahrung also leben weiter, auch wenn die Inhalte der Religion vergessen scheinen. Wenn die evangelische Kirche 2017 den 500. Jahrestag von Martin Luthers Thesenanschlag feiern will, sollte der Blick wieder und weiter frei sein auf Träume und Visionen, den beständigen Hinweis der Religionen auf die Werte, die uns einen sollten. "Gebt Gott, was Gottes ist und dem Kaiser, was des Kaisers ist." Das Vermächtnis der Reformation – 500 Jahre alt und ganz und gar jung.

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