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StartseiteForschung aktuellGovernment Shutdown04.10.2013

Government Shutdown

Verordneter Stillstand in der US-Wissenschaft

Forschungspolitik. - Die Website der NASA ist nicht mehr erreichbar. Seit Dienstag steht ein großer Teil der US-Behörden still. Von dem Government Shutdown mangels gültigem Haushalt ist auch die Wissenschaft betroffen. Staatliche Organisationen wie die Lebensmittel- und Medikamenten-Zulassungsbehörde FDA, der nationale Wetterdienst und die NASA haben den Betrieb größtenteils eingestellt. Das hat weitreichendere Folgen als nur die Verschiebung der Arbeit um ein paar Tage.

Von Thomas Reintjes

Einer der  Mitarbeiter der Nasa, die noch arbeiten: Mars-Rover Curiosity. (Nasa)
Einer der Mitarbeiter der Nasa, die noch arbeiten: Mars-Rover Curiosity. (Nasa)

"Ähm, ist irgendwas? Bei der NASA geht niemand ans Telefon."

Der einzige, der bei der NASA noch zu arbeiten scheint, ist der Mars-Rover Curiosity. Bei Twitter setzt der Account @SarcasticRover jedenfalls weiterhin witzige Statusmeldungen ab. Der Account wird allerdings nicht von der Nasa gepflegt, sondern von einem Drehbuchautor.

"Entgegen anderslautender Meldungen wurde ich auf dem Mars NICHT still gelegt. Trotzdem gönne ich mir vielleicht mal ein bisschen Zeit für mich."

Und auch wenn es auf der Website des Jet Propulsion Laboratory heißt, sie werde während des Shutdowns nicht aktualisiert, stellt der echte Curiosity-Rover immer wieder aktuelle Bilder online. Auch die NASA-Mitarbeiter im ISS-Kontrollzentrum arbeiten weiter. 97 Prozent der 18.000 Nasa-Angestellten müssen jedoch seit Dienstag zuhause bleiben. Betroffen sind aber noch weit mehr Menschen.

"My name is Bruce Jakosky, I am a professor at the University of Colorado in Boulder. And I'm the principal investigator on the Maven mission."

Bruce Jakosky führt von der Universität von Colorado aus die Mars-Mission Maven. Die Raumsonde soll Mitte November, spätestens Anfang Dezember starten. Sie steht schon im Kennedy Space Center - für Bruce Jakosky und sein Team hat die heiße Phase begonnen.

"Jeder Tag ist jetzt Gold wert, sagt unser Projektmanager. Wir befürchten, dass wir in unserem Zeitplan zu viele Tage verlieren. Wir haben etwas Spielraum, aber der sollte eigentlich technische Probleme abpuffern, die sich noch ergeben können. Wenn der Shutdown länger als ein paar Tage dauert, weiß ich nicht, ob wir unseren Starttermin halten können","

sagte Jakosky in einem Skype-Interview kurz nachdem er am Kennedy Space Center vor verschlossenen Türen stand. Die Maven-Mission und andere NASA-Aktivitäten sind nicht die einzigen Projekte, die in Schwierigkeiten geraten. Während für Labortiere auch während des Shutdowns gesorgt wird, gilt das für Bakterienkulturen nicht. Und Forscher, die beispielsweise Daten für Zeitreihen sammeln, werden mindestens eine Lücke in ihren Aufzeichnungen haben. Viel Arbeit wird verloren sein, wenn diese Wissenschaftler wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Marcia McNutt, Chefredakteurin des Magazins "Science", ruft sie deshalb auf:

""Sie sollten klarmachen, wie sehr sie betroffen sind. Jeder sollte dokumentieren, wie der Shutdown seine Arbeit beeinflusst hat. Welche Zelllinien zerstört wurden. Welche Experimente von neuem gestartet werden müssen und wieviel das kostet. Wie weit die Forschung zurückgeworfen wurde."

Vielleicht hilft das, in Zukunft Druck auf die Politik auszuüben. Denn sollte die Wissenschaft in den USA weiter von Budgetkürzungen und Zwangspausen bedroht sein, sieht Marcia McNutts Worst-Case-Szenario düsterer aus. Sie fürchtet, dass betroffene Wissenschaftler sich andere Jobs suchen.

"Wenn eine Abwanderung einsetzt, wenn unsere erstklassigen Wissenschaftler in staatlichen Instituten sagen: 'Genug ist genug, ich sehe keine Zukunft mehr für mich in der staatlichen Forschung!' Das wäre schrecklich."

Und auch andere Wissenschaftler könnten Konsequenzen ziehen und ins Ausland gehen. Denn ein großer Teil der Forschung ist staatlich finanziert. Förderanträge bleiben zurzeit liegen und werden nicht bearbeitet. Probleme könnten auch die Zehntausenden internationalen Forscher bekommen, die in den USA arbeiten. Müssen sie ihr Visum erneuern, kann das länger dauern als sonst. Der sarkastische Rover twittert unterdessen vom Mars:

"Mars hat auch keine Verwaltung und es ist fantastisch!"

Er bekommt demnächst Besuch von der Sonde Maven, denn nach unserem Interview hat Bruce Jakosky eine Notfall-Ausnahmeregelung für sein Projekt erreicht. Das Team darf wieder arbeiten. Allerdings nicht, weil Mavens Beitrag zur Wissenschaft wichtig ist, sondern weil die Sonde als Kommunikations-Relais für den Rover Curiosity dienen soll.

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