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StartseiteNachrichten vertieftGefährliche Chemikalien in Outdoor-Ausrüstung25.01.2016

Greenpeace-BerichtGefährliche Chemikalien in Outdoor-Ausrüstung

In Bekleidung, Rucksäcken und Schlafsäcken stecken nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace größtenteils umwelt- oder gesundheitsschädliche Chemikalien. Unter den 40 getesteten Produkten sind auch Artikel beliebter Outdoor-Marken. Drei von zehn betroffenen Firmen haben Stellung bezogen.

Eine Messebesucherin schaut sich während der Messe Outdoor in Friedrichshafen ein Zelt von innen an. (picture alliance/dpa - Felix Kästle)
Outdoormesse in Friedrichshafen. (picture alliance/dpa - Felix Kästle)
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Nachgewiesen wurden die polyfluorierten Chemikalien (PFC) unter anderem bei den Marken The North Face, Mammut, Columbia und Haglöfs. Nur vier von 40 untersuchten Artikeln seien frei von diesen Stoffen gewesen. Greenpeace stellte den Bericht anlässlich der Internationalen Sportmesse ISPO in München vor. Es ist der dritte Bericht der Organisation zu diesen Stoffen seit 2012.

Die Konzentration der Chemikalien variiert laut Bericht (englisch, Link) stark zwischen den unterschiedlichen Artikeln. Dass vier Artikel keine Chemikalien enthalten, zeige, dass Jacken, Rucksäcke und Handschuhe auch ohne sie produziert werden könnten. PFC wurden in allen Schuhen, Zelten, Hosen und Schlafsäcken gefunden, in neun von elf Jacken und sieben von acht Rucksäcken.

Noch keine Richtwerte in der EU

Elf Produkte enthielten Perfluoroktansäure (PFOA) in hohen Konzentrationen, vor allem die Marktführer The North Face und Mammut setzen sie laut Greenpeace offenbar ein. PFOA wurde vom Umweltbundesamt als "besonders besorgniserregender Stoff" gemäß der europäischen Chemikalienverordnung vorgeschlagen und wird derzeit von der EU geprüft - in Norwegen gibt es bereits Richtwerte, die diese elf Produkte übersteigen. Ein Produkt hatte so hohe PFOA-Werte, dass es schon beim Einatmen gefährlich sein könnte, , der bei den zehn betroffenen Firmen um Stellungnahmen gebeten hatte. Drei haben sich gemeldet: Norrona, Jack Wolfskin und Mammut. Jack Wolfskin hatte beteuert, bis 2020 auf PFC-Produkte verzichten zu wollen. Greenpeace möchte, dass das schneller passiert, so Watzke.

Die deutsche Firma Vaude hatte die einzige Jacke ohne PFC im Test hergestellt. Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz sagte im DLF: "Ich würde mir vom Gesetzgeber wünschen, dass er Fluorcarbone einfach verbietet. Das bringt von der gesetzlichen Seite viel Schwung in die Sache und es wären faire Rahmenbedingungen für alle."

Die Ergebnisse seien enttäuschend für Outdoorfreunde, die sich ihre Kleidung umweltfreundlich wünschten, sagte Manfred Santen, Chemiker bei Greenpeace. Daher sollten Verbraucher prüfen, ob sie diese Art von Outdoor-Ausrüstung tatsächlich benötigten. Oftmals gebe es PFC-freie Alternativen. Wetterfest und PFC-frei seien zum Beispiel Textilien aus Polyester und Polyurethan.

Was sind PFC?
PFC ist eine Abkürzung für per- und polyfluorierte Chemikalien. Diese Stoffgruppe umfasst mehr als 800 Stoffe. PFC kommen nicht natürlich vor. Chemisch gesehen bestehen PFC aus Kohlenstoffketten verschiedener Längen, bei denen die Wasserstoffatome vollständig oder teilweise durch Fluoratome ersetzt sind.

Was sind PFC?
PFC finden wegen ihrer besonderen Eigenschaften - wasser-, fett- und schmutzabweisend sowie chemisch und thermisch stabil - in vielen Verbraucherprodukten Anwendung. Der Textilindustrie kommen vor allem die wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften zugute.

Gefahr für die Umwelt
Gelangen PFC in die Umwelt, bleiben sie dort für sehr lange Zeit. Einige PFC, insbesondere die mit einer langen Kohlenstoffkette, reichern sich zudem im Organismus und entlang der Nahrungskette an. PFC mit einer kurzen Kohlenstoffkette reichern sich zwar weniger im Organismus an, können jedoch schneller Grund- und Trinkwasser verunreinigen. Darüber hinaus können einige PFC toxisch wirken.

Gefahr für den Menschen
Menschen nehmen PFC hauptsächlich über die Nahrung oder über verunreinigtes Trinkwasser auf. Auch erhöhte Konzentrationen von PFC in der Innenraumluft, beispielsweise durch behandelte Teppiche, tragen zur PFC-Belastung im Blut bei. In Tierversuchen erwiesen sich einige PFC als krebserregend. Zudem besteht der Verdacht, dass sie die menschliche Fruchtbarkeit negativ beeinflussen können.
(Quelle: Umweltbundesamt)

(vic/fwa)

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