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Grenzwerte, Betroffenheit und Eiertänze

Der Dioxin-Skandal und seine Ursachen

Von Annette Eversberg und Doris Simon

Ein Warnschild mit der Aufschrift "Dioxin" steckt am Mittwoch (05.01.2011) in Schwerin in einem gekochten Frühstücksei
(picture alliance / ZB)

Futtermittel und deren Zusammensetzung waren in Europa Jahrzehnte lang nur ein Thema für Spezialisten. Das änderte sich erst mit dem Rinderwahnsinn BSE Ende der 80er-Jahre. Doch wirklich massiv rückten verseuchte Futtermittel 1999 mit der belgischen Dioxinkrise ins Verbraucherbewusstsein.

"Ich habe gerade meine letzten Eier vernichtet. Weil ich das Risiko nicht eingehen möchte. Ich weiß ja nicht, wo die herkommen."

Die Verbraucher sind verunsichert – durch eine Nachricht, die zum Jahresanfang wie eine Bombe einschlug: Eier, Geflügel und Schweinefleisch könnten mit Dioxin belastet sein, was sich teilweise inzwischen bestätigt hat. Das Dioxin hatte man im Futter gefunden – in einer Konzentration, die die zulässigen Grenzwerte um ein Vielfaches überschreitet.

Verbraucherorganisationen raten, vorerst auf Eier zu verzichten - denn Dioxin ist ein Stoff, der als krebserregend gilt, weil er hochgiftig ist, wie die Chemiekatastrophe im italienischen Seveso 1976 gezeigt hat. Dr. Thorsten Bernsmann vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Münster ist in seinem Labor in der Lage, kleinste Mengen von Dioxin in Futter- oder Lebensmitteln zu entdecken:

"Dioxine entstehen als Nebenprodukte bei der Produktion von zum Beispiel Chlorchemikalien. Beispiele sind die PCB-Produktion. Früher wurden die PCBs als Flammenschutzmittel eingesetzt, und als Nebenprodukt entstanden dabei auch immer Dioxine. Sie entstehen auch bei Verbrennung innerhalb eines Temperaturbereichs zwischen 300 und 600 Grad. Und sie können natürlich dadurch auch in der Natur entstehen. Man kennt zum Beispiel, dass in bestimmten Mineralien Dioxine enthalten sind, die vulkanischen Ursprungs sind."

Der Mensch nimmt den krebserregenden Stoff zu 95 Prozent mit der Nahrung auf:

"Man kann sogar noch weitergehen, dass wir hauptsächlich die Dioxine über die tierischen Lebensmittel aufnehmen. Weil die Tiere die Dioxine in der Umwelt aufnehmen und genau wie wir diese auch anreichern. Der Mensch steht am Ende der Nahrungskette und reichert wiederum von den Tieren auch wieder die Dioxine an."

Auch wenn Fleisch oder Eier nur geringfügig mit Dioxinen belastet sind, tragen sie zum Dioxindepot im menschlichen Körper bei. Da sind, so Bermann, auch Grenzwerte keine Sicherheit:

"Dioxine sind fettlöslich und haben eine sehr lange Halbwertszeit, sie verbleiben im Körper, und man kann die Dioxine dementsprechend immer über die Fettmatrix weiter vergeben und in der Nahrungskette anreichern. Sie akkumulieren sich im Fettgewebe und bleiben dann dort auch sehr lange."

Wie aber konnte ein Abfallprodukt der Industrieproduktion überhaupt in das Futter von Tieren geraten? Es dauerte nicht lange, da wusste man Bescheid:

"Nach Behördenermittlungen führt die Spur zu einer Firma in Schleswig-Holstein. Sie stellt Fette für die Chemische Industrie und auch den Agrarbereich her. Dort kamen unterschiedliche Fettsorten miteinander in Kontakt."

Die Firma Harles und Jentzsch im schleswig-holsteinischen Uetersen lieferte Fette, die in das Futter für Geflügel, Schweine und Rinder gemischt werden. Ein Teil der entsprechenden Grundstoffe, sogenannte Mischfettsäuren, hatte Harles und Jentzsch von einem Biodieselhersteller in Emden erhalten. Über einen holländischen Zwischenhändler waren sie nach Schleswig-Holstein geliefert worden. Bisher war es rätselhaft, warum in Biodiesel überhaupt Dioxine zu finden sind. Heute Morgen jedoch teilte die Verbraucherorganisation Foodwatch mit, die Analyse einer ihr vorliegenden Futtermittelprobe lasse auf die Rückstände eines dioxinhaltigen Pilzgifts schließen, das in Deutschland selbst längst nicht mehr verwendet werden darf. Eine These, die von den zuständigen Behörden bisher als spekulativ bezeichnet wird. Zudem teilte Foodwatch mit, die Probe überschreite mit 123 Nanogramm Dioxin pro Kilogramm den zulässigen Grenzwert um das 164fache – mehr als das Doppelte der bisher bekannt gewordenen Höchstbelastungen.

Zunächst war nur bekannt, dass Geflügel- und Schweinehalter in Niedersachsen mit dem dioxinbelasteten Fett beliefert worden waren. Am 23. Dezember 2010 informierte Niedersachsen das zuständige Landwirtschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen. Auch dort fand man Höfe, die dioxinbelastetes Futter erhalten hatten. Zudem offenbarte sich, dass dioxinbelastete Mischfutterfette von Harles und Jentsch schon seit März 2010 in Umlauf gebracht worden waren. Schleswig-Holsteins Agrarministerin Juliane Rumpf:

"Wir haben es ja bei der Betriebskontrolle festgestellt, dass der Betrieb schon Erkenntnisse darüber hatte, dass er Grenzwertüberschreitungen hatte. Die er nicht gemeldet hat. Das wäre seine Pflicht gewesen."

Die ersten Importländer für deutsches Fleisch und Eier haben inzwischen die Grenzen dichtgemacht. Der Staatssekretär im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium Friedrich Otto Ripke rechtfertigte unterdessen die groß angelegte Sperrung von Höfen, die inzwischen partiell wieder aufgehoben wurde:

"Das ist eine sehr hohe Betroffenheit. Aber Verbraucherschutz geht vor. Und wir wollen die Betroffenheit jetzt abarbeiten, indem wir möglichst schnell frei proben. Das heißt, wir setzten alles daran, viele Labore einzusetzen. Das kann nicht alles das Landesamt für Verbraucherschutz. Dioxinproben dauern mehrere Tage, um dann auch wieder den Landwirten den Status frei geprobt geben zu können, damit sie wieder am Handel teilnehmen können."

Bei Harles und Jentzsch ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betrugs. Rund 150.000 Tonnen Futter wurden mit den dioxinbelasteten Futterfetten vermischt und ausgeliefert. Ein handfester Skandal, und er ist europaweit längst nicht der Einzige.

Futtermittel und deren Zusammensetzung waren in Europa Jahrzehnte lang vor allem ein Thema für die Futtermittelindustrie, die Agrardirektion der Europäischen Kommission und die Bauernverbände.

Das änderte sich erst mit dem Rinderwahnsinn BSE Ende der 80er-Jahre. Doch wirklich massiv rückten verseuchte Futtermittel 1999 mit der belgischen Dioxinkrise ins europäische Bewusstsein: Die damalige Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer von den Grünen sprach im Juni 1999 von einem doppelten Skandal:

"Das muss uns alle berühren, dass nach den traurigen Erfahrungen, die wir mit BSE, Glykol und anderen Fragen gemacht haben, überhaupt ein solcher Vorgang noch mal möglich ist. Der zweite Skandal liegt in der Art und Weise, wie die belgischen Behörden über Wochen hinweg ihre eigene Bevölkerung und entgegen dem Gemeinschaftsrecht auch die Bevölkerung der europäischen Partnerländer im Unklaren gelassen haben."

Im Februar 1999 fielen in einem belgischen Geflügelzuchtbetrieb auf einmal reihenweise Hühnchen tot um. Monatelang wusste das belgische Landwirtschaftsministerium allein um die Ursache: Mit 728 Nanogramm Dioxin pro Kilogramm Tierfutter lag der erste gemessene Dioxin-Wert um ein Mehrfaches höher als im aktuellen Futtermittelskandal. Grund war eine Charge Altöl, die mit anderen Fetten verschmolzen worden und Ende Januar 1999 an elf Futtermittelhersteller in Belgien, Frankreich und den Niederlanden gegangen war.

Doch die belgischen Behörden sorgten sich mehr um Bauern, Handel und Export als um die Bürger und die europäischen Nachbarn. Erst mehr als einen Monat später informierten sie die anderen Mitgliedsstaaten und die Europäische Kommission. Dioxin-belastete Eier, Milch und Fleisch waren da längst im Handel. Die Europäische Kommission erließ rückwirkende Handels- und Exportverbote für belgisches Fleisch und Produkte von Geflügel, Rindern und Schweinen. In Belgien standen die Verbraucher vor leeren Kühltheken und in vielen Ländern weltweit schlossen sich die Grenzen für europäische Tierprodukte. Doch der damalige Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke, SPD, sah nach einer Sondersitzung auf dem Höhepunkt der Krise keinen Anlass zur Beunruhigung:

"Nach diesen Maßnahmen, die hier ergriffen werden, kann ich sagen, unsere Lebensmittel sind sicher."

Das sahen die Bürger 1999 anders, vor allem in Belgien, wo sich viele fragten, wie viel Dioxin sie bereits mit der Nahrung aufgenommen hatten und was jetzt noch kommen würde. Sie wählten eine neue Regierung ins Amt.

Doch die Folgen des Skandals trafen das ganze Land: Überall wurden Höfe gesperrt, 30.000 Menschen waren zeitweise ohne Arbeit, Experten errechneten einen Schaden in Höhe von mindestens einer Milliarde Euro. Die Europäische Kommission leitete wegen der Nachlässigkeit und der zögerlichen Informationspolitik der belgischen Behörden ein Vertragsverletzungsverfahren gegen das Land ein.

Der Dioxinskandal von 1999 beseitigte die letzten Zweifel, dass strengere europäische Regeln für Lebens- und Futtermittelsicherheit überfällig waren. Die neue belgische Verbraucherschutzministerin Magda Alvoet von den Grünen im Sommer 1999:

"Auch das habe ich entdecken müssen für PCB und Dioxin: Sehr viele Länder haben keine Normen. Und es gibt keine europäischen Normen."

Das änderte sich nun: Seit Juli 2002 setzt eine EU-Verordnung Höchstwerte für Dioxin in Lebens- und Futtermitteln fest. Ein ständiger Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit bei der EU-Kommission ersetzte die bisher nebeneinander arbeitenden Ausschüsse. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA wurde eingerichtet, sie sollte das Vertrauen der Verbraucher in die europäischen Lebensmittel wieder herstellen, Risiken bewerten und informieren. EU-Verbraucherschutzkommissar David Byrne sah 2002 die Maßnahmen als direkte Antwort auf die Dioxinprobleme. Kritiker wiesen seither allerdings wiederholt auf den starken Einfluss der Lebensmittel- und Agrarlobby auf die EFSA hin.

Das Europäische Schnellwarnsystem RAFSS wurde von Lebens- auf Futtermittel ausgedehnt: Auch gefährliche Verunreinigungen im Tierfutter müssen nun sofort allen anderen EU-Ländern und der Europäischen Kommission in Brüssel gemeldet werden – so wie im Fall Schleswig-Holsteins.

"Wir dringen auf eine Deklarationspflicht für die Zusammensetzung der Futtermittel," hatte die grüne nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn auf dem Höhepunkt des belgischen Dioxinskandals verlangt. Was bis dahin gegen die Agrar- und Futtermittellobby nicht durchzusetzen war, wurde nun EU-Verordnung. Im September 2009 schließlich wurden die Kennzeichnungsvorgaben für Tierfutter an die Bestimmungen für Lebensmittel angeglichen.

Trotzdem kommt es immer wieder zu Dioxinskandalen. Und regelmäßig liegt es an Industrieabfällen im Futter: Mal gelangt das Gift wie 2003 in Thüringen durch belastete Bäckereiabfälle ins Tierfutter, mal über Kartoffelschalen aus Industrieproduktion. 2006 waren es hoch dioxinbelastete Fette, die zur Sperrung von Schweine- und Geflügelbetrieben in Deutschland, den Niederlanden und Belgien führten, ebenso im Dezember 2008, als beigemischtes Industrieöl in Irland einen Dioxinskandal verursachte. In 25 Ländern überall in der Welt ließen die Behörden die Kühltheken nach irischem Schweinefleisch, Schinken, Wurst und Speck durchsuchen.

Im aktuellen deutschen Dioxinskandal verfolgt EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli die Aktion der deutschen Behörden und lobt derweil die Wirksamkeit des europäischen Schnellwarnsystems für Lebens- und Futtermittel und die Rückverfolgbarkeit der Produkte auf EU-Ebene. Aber dabei muss es nicht bleiben. Dallis Sprecher verwies am Freitag auf die Geschichte:

"Die Lebensmittelsicherheit in Europa hat sich immer dann verbessert, wenn es Vorfälle, Probleme oder Krisen gab."

In einem immerhin ist man vorangekommen: Auf Dioxin wird laufend untersucht. Die Methoden zur Analyse von Dioxin sind immer weiter verfeinert worden. Dr. Axel Preuß leitet das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Münster:

"Dioxinuntersuchungen sind natürlich seit 1975/76 seit dem Seveso-Skandal überall eingeführt worden. Die Empfindlichkeit wurde auch laufend gesteigert. In den letzten 20 Jahren dann nicht mehr, da muss man nicht mehr tiefer gehen. Seit Ende der 80er-Jahre haben wir nun diese Verfahren, die auch kleinste Spuren nachweisen."

Seit dem Dioxinskandal in Belgien sollen Lebensmittelchemiker wie Thorsten Bernsmann bei ihren Untersuchungen Futtermittel wie Lebensmittel behandeln:

"Wir haben ja im Endeffekt eine gemeinsame Verordnung der EU für Lebensmittel- und Futtermittel. Das ist die 178/2002, das ist die sogenannte Basisverordnung. Und in dieser Verordnung haben wir im Endeffekt die gleichen Rechtsgrundsätze für Lebensmittel und Futtermittel. Das heißt, sie müssen sicher sein, die Lebensmittel, und sie dürfen den Verbraucher nicht täuschen. Und diese beiden Grundsätze gelten auch für Futtermittel."

Legehennen sitzen in einem Freilaufgehege an einem FutterbandLegehennen an einem Futterband (AP)In einem Stall mit 40.000 Hähnchen oder 13.000 Mastschweinen ist die Haltung heute ein Akt der Hochtechnologie. Und der Bauernverband verlangt wie immer Entschädigungen, weil der Skandal die Bauern 40 bis 50 Millionen Euro wöchentlich koste. Dabei denkt er national. Doch die Stoffe, die zu Tierfutter verarbeitet werden, liefert schon längst ein globaler Markt. Thorsten Bernsmann kennt sich da aus:

"Bestimmte Aminosäuren kommen aus China, bestimmte Mineralien kommen aus anderen Ländern. Aus Brasilien kommt die Zuckerhefe oder der Zitrustrester. Wir haben einen globalen Markt. Und was als Futtermittel verwertet werden kann, wird auch verwertet. Und wir müssen die Tiere auch entsprechend ernähren. Man braucht auch die Mineralien für die Tiere, weil sonst auch diese Haltungsformen gar nicht möglich sind."

Der aktuelle Dioxinskandal macht deutlich, wie weit verzweigt der Futtermittelmarkt ist. Auch die Fütterung ist inzwischen Hochtechnologie. Futtermittel wird angeliefert, automatisch gelagert und computergesteuert an die Tiere verfüttert. Sie sind speziell gezüchtet. Ohne Kraftfutter kommen sie nicht aus. Schweinezüchter verlassen sich darauf, dass der Futtermittelhersteller alles richtig macht. Da denkt man noch ganz so wie früher, als die Landwirtschaft noch überschaubar war. Auch Welf Klaer aus dem niedersächsischen Schneverdingen vertraut den Hochglanzbroschüren:

"Das ist mein Selbstverständnis. Ich kann ein ordentliches Produkt an den Verbraucher abliefern. Und dann wird durch diese kriminellen Machenschaften dieses Weltbild zerstört. Ich sag es mal ganz salopp: Wenn ich mehr Geld verdienen wollte, hätte ich was anderes werden sollen als Landwirt. Wollte ich aber nicht, das ist eine Lebenseinstellung mit einem guten Gewissen einen ordentlichen Beruf ausführen zu können. Deswegen sitz ich hier, ich bin wütend."

Damit es sich lohnt, darf das Futter nicht viel kosten. Auch deshalb versucht man alles, was sich aus den Resten der Lebensmittelproduktion noch herauspressen lässt, zu Geld zu machen. So verwundert es nicht, dass man auch nicht davor zurückschreckte, aus den Abfällen der Biodieselproduktion das Äußerste herauszuholen. Axel Preuß vom Chemischen- und Veterinär-Untersuchungsamt in Münster:

"Der hohe Preisdruck, der auf die Erzeuger und Hersteller von Lebensmitteln heute vom Handel ausgeübt wird, ist sicherlich einer der Auslöser dafür, dass der eine oder andere Unternehmer den Weg des rechtlich Zulässigen verlässt. Das bleibt nicht aus. Die Gefahr wird natürlich dann größer, wenn die Verdienstspannen sehr gering und der Wettbewerb sehr mörderisch ist."

Bei Harles und Jentzsch ist Geld verdient worden. Der niedersächsische Agrarstaatssekretär Friedrich Otto Ripke verglich den Marktwert von Industrie- und Futterfett und kam im Falle des Fettlieferanten auf einen zusätzlichen Gewinn von einer Million Euro. Da war wieder einmal kriminelle Energie im Spiel.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nach einem Spitzengespräch mit Vertretern verschiedener Verbände der Futtermittelwirtschaft und der Landwirtschaft sowie Verbraucherschützern.Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) (dapd)Der Verband der Lebensmittelkontrolleure beklagt bei jedem Lebensmittelskandal aufs Neue, dass mindestens 1500 Kontrolleure fehlen, um schwarzen Schafen auf die Spur zu kommen. Das größte Problem im aktuellen Dioxinskandal ist das Nebeneinander der Herstellung von Fetten für Futtermittel und für die Industrieproduktion. Davon wusste in der Politik bis Anfang des Jahres niemand etwas. Inzwischen sind sich die Agrarminister einig, dass es eine scharfe Trennung von Agrar- und Industrieproduktion bei der Verarbeitung von Fetten geben muss, wie sie zum Beispiel in den Niederlanden schon längst Standard ist. Ob es jedoch Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner endlich gelingt, eindeutige Standards für die Futtermittel festzulegen, darauf darf man gespannt sein. Nach ihrem heutigen Treffen mit Futtermittelherstellern, Bauern und Verbraucherschützern erklärte sie:

"Die Zulassungspflicht für Futtermittelbetriebe sollen wohl verschärft werden. Wir wollen aber auch prüfen, wie die strikte Trennung von Produktionsströmen dazu beitragen kann, das heißt also diejenigen, die für Lebensmittel produzieren und die für technische Prozesse produzieren auch zu trennen. Wir wollen ein Dioxin-Monitoring erweitern, um die allgemeine Belastungssituation weiter aufzuklären, und wir werden den Strafrahmen prüfen. Darüber bin ich mir auch mit der Bundesjustizministerin einig."

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