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StartseiteInformationen am AbendFlüchtlingssituation immer dramatischer25.02.2016

GriechenlandFlüchtlingssituation immer dramatischer

"Griechenland wird nicht akzeptieren, eine Art Libanon in Europa zu werden": Der für Migration zuständige griechische Vizeminister Jiannis Mouzalas fand beim Treffen der Innenminister in Brüssel deutliche Worte zur Flüchtlingssituation in seinem Land. Weiterhin erreichen täglich rund 3.000 Flüchtlinge die griechischen Ägäisinseln.

Von Wolfgang Landmesser

Flüchtlinge aus dem Iran und Afghanistan an der Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. (picture alliance / dpa / Georgi Licovski)
Seit dem Wochenende ist der Grenzübergang nach Mazedonien für afghanische Flüchtlinge geschlossen. Afghanische Flüchtlinge, die neu in Piräus ankommen, hindert die Polizei daran, die Busse Richtung Norden zu besteigen. (picture alliance / dpa / Georgi Licovski)
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Flüchtlinge Immer mehr stranden in Griechenland

Die Reporterin des griechischen Privatsenders Mega berichtet aus dem neu eröffneten Auffanglager für Flüchtlinge in Diavata, nicht weit von Thessaloniki. Hunderte Flüchtlinge sind heute Morgen von dort Richtung mazedonische Grenze aufgebrochen.

Am Grenzübergang warteten heute rund 3.000 Flüchtlinge, überwiegend aus Syrien und dem Irak, auf ihre Einreise. Die Grenze wird aber immer wieder geschlossen. Im Laufe des Vormittags konnten nur rund hundert Flüchtlinge passieren.

Dramatische Szenen auch auf dem Weg zur mazedonischen Grenze: In der Nähe der Stadt Larisa wurden Busse mit Flüchtlingen durch Straßenblockaden der griechischen Landwirte gestoppt. Die Bauern demonstrieren schon seit Wochen gegen die von der Regierung geplante Rentenreform.

Grenzübergang nach Mazedonien für afghanische Flüchtlinge geschlossen

Die Flüchtlinge wurden unruhig und beschlossen, zur Grenze zu laufen – ein Weg von immerhin 200 Kilometern. Um sie umzustimmen, wurde den Flüchtlingen angeboten, von der anderen Seite der Blockade Busse bereitzustellen, so dieser Polizist:

"Aus der Polizeidirektion in Larisa habe ich gerade erfahren, dass die Busse hierher kommen werden, wo das Problem besteht, und dass die Flüchtlinge ihre Fahrt dann fortsetzen können."

Seit dem Wochenende ist der Grenzübergang nach Mazedonien für afghanische Flüchtlinge geschlossen. Die meisten Menschen, die dort festsaßen, wurden am Dienstag zurück nach Athen gebracht. Afghanische Flüchtlinge, die neu in Piräus ankommen, hindert die Polizei daran, die Busse Richtung Norden zu besteigen.

Viele afghanische Flüchtlinge halten sich auf dem Athener Viktoriaplatz auf. Hier bieten Schlepper ihre Dienste an. 3.000 Euro sollen sie verlangen, um einen Flüchtling auf anderen Wegen nach Nordeuropa zu bringen, so ein Afghane im griechischen Fernsehen – etwa den Landweg nach Albanien oder auf einer Fähre nach Italien.

Griechenland kritisiert Entscheidungen der Westbalkankonferenz 

Währenddessen reagierte Griechenland scharf auf die Entscheidungen der Westbalkankonferenz am Mittwoch. Österreich und die Länder an der sogenannten Balkanroute hatten beschlossen, die Einreise von Flüchtlingen weiter zu begrenzen. Heute Nachmittag rief die griechische Regierung ihre Botschafterin in Wien nach Athen zurück. Man wolle mit ihr beraten, wie sich verhindern lasse, dass die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Griechenland und Österreich gestört werden, teilte das griechische Außenministerium mit.

Beim Treffen der Innenminister in Brüssel warnte der für Migration zuständige Vizeminister erneut, dass Griechenland seinerseits einseitige Schritte unternehmen könne. Zuvor hatte Jiannis Mouzalas gedroht, Griechenland könne etwa Entscheidungen für EU-Agrarhilfen blockieren. Heute zog er den Vergleich zum Libanon, wo sich ein Viertel der ins Ausland geflohenen Syrer aufhalten:

"Griechenland wird nicht akzeptieren, eine Art Libanon in Europa zu werden. Wir wollen kein riesiges Lager für Menschen werden, auch wenn uns reichlich humanitäre Hilfe versprochen werden sollte."

Auf den griechischen Inseln kommen unterdessen weiterhin Tausende Flüchtlinge an. So erreichten in den vergangenen sieben Tagen täglich rund 3.000 Menschen Lesbos, Chios, Kos und andere Ägäisinseln.

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