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StartseiteWirtschaft am MittagGriechenland zwischen Bankrott und nächster Finanzspritze23.07.2012

Griechenland zwischen Bankrott und nächster Finanzspritze

Bundesregierung wartet bei Hilfszahlungen auf den Troika-Bericht

Die Lage in Griechenland wird immer prekärer. Äußerungen führender Koalitionspolitiker machen deutlich, dass in Deutschland kaum mehr Bereitschaft besteht, Athen im September weitere Hilfen freizugeben, wenn es einen negativen Befund der Troika aus IWF, EU-Kommission und EZB geben sollte.

Von Brigitte Scholtes

Eine griechische Ein-Euro-Münze auf einer Landkarte von Griechenland (dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
Eine griechische Ein-Euro-Münze auf einer Landkarte von Griechenland (dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Offizielle Hinweise darauf, dass der IWF, der Internationale Währungsfonds, sich nicht mehr an weiteren Hilfen für Griechenland beteiligen will, hat die Bundesregierung nicht. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte von entsprechenden Signalen des IWF berichtet. Sollte das so sein, steige die Gefahr einer Staatspleite Griechenlands, meint Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft der Dekabank:

"Wenn der IWF ausschert, müssten andere Länder sich bereitfinden, diese Finanzlücke dann zu übernehmen, da ist aber offenkundig auch von deutscher Seite, sicherlich auch von vielen anderen Ländern, die Neigung im Moment sehr gering. Und in der Tat kann das bedeuten, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft eine Pleite Griechenlands vor der Nase haben."

Durch die Wahlen waren die Sparanstrengungen etwas ins Stocken geraten. Ulrich Rathfelder, Volkswirt der Helaba, verweist darauf, dass die griechischen Regierungen bei anstehenden Besuchen der Troika, also Vertretern des IWF, der EZB und der EU-Kommission auf den Druck von außen bisher immer reagiert hätten. Das jetzt vorgestellte Sparprogramm, nach dem die monatlichen Renten auf 2400 Euro begrenzt und die Ausgaben für soziale Fürsorge von sechs auf drei Milliarden Euro halbiert werden sollen, sei recht beachtlich, meint er:

"Wenn ganz Europa sieht, dass das Konzept nach wie vor gilt, das Sparprogramm gilt, dann halte ich es immer noch für wahrscheinlich, das man weiterwurstelt und dass man nicht das Ende einläuten wird."

Deka-Volkswirt Bahr ist da etwas skeptischer:

"Es deutet sich eben dann an, dass auch der Finanzbedarf für die nächsten Jahre noch sehr viel größer wäre. Und insofern sind wir schon an einem sehr kritischen Punkt, wo gegebenenfalls die Vorschusslorbeeren, die man vielleicht auch den Portugiesen, Iren gibt in den Fortschrittsberichten, wo man sagt, da ist viel geschehen, dass man das bei Griechenland nicht mehr ohne Weiteres machen wird."

Schon am 10. August muss Griechenland kurz laufende Papiere refinanzieren, zehn Tage später läuft eine große EZB-Anleihe aus. Die Europäische Zentralbank hatte schon am Freitag bekannt gegeben, dass sie griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten für die griechischen Banken akzeptiert, die können sich derzeit nur noch über die griechische Notenbank liquide halten. Holger Bahr:

"Das wäre eben auch schon eine Vorsichtsmaßnahme für den Fall. Dass es zu einer griechischen Staatspleite kommt, dass man sagt, so, bis hierhin sind wir gegangen und jetzt nicht weiter. Also insofern erhöht auch diese Haltung noch mal immens den Druck auf Griechenland. "

Es wird erwartet, dass die Troika ihren Bericht Anfang September vorlegen wird. Sollte sie den Daumen senken, dann werde man sich aber um Schadensbegrenzung bemühen, glaubt Ulrich Rathfelder von der Helaba:

"Man kann kein Chaos erzeugen. Dann wird man weiter Liquiditätshilfen geben müssen, aber mit dem Ziel einer Bereinigung der Staatsschulden Griechenlands. Es wird einen weiteren Schuldenschnitt geben, den die öffentlichen Gläubiger zu tragen haben."

Welche Lösung teurer wäre, ist aus heutiger Perspektive schwer einzuschätzen.

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