Sonntag, 19.11.2017
StartseiteWirtschaft am MittagDie Banken, die City und der Brexit14.07.2017

GroßbritannienDie Banken, die City und der Brexit

Wie die Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien ausgehen werden, ist noch unklar. Aber nur noch bis heute haben die in Großbritannien ansässigen Banken Zeit, der Bank of England ihre Pläne vorzulegen, wie sie sich auf den EU-Austritt vorbereiten. Das gilt auch für den "worst case", wenn es kein Abkommen geben sollte.

Von Stephanie Pieper

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Die Skyline des Londoner Finanzzentrums "The City" - gesehen von der Tate Modern.  (dpa)
Die Skyline des Londoner Finanzzentrums "The City". (dpa)
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Es steht viel auf dem Spiel, daran lässt Mark Carney keinen Zweifel. Am Ausgang der Brexit-Verhandlungen, konstatiert der Chef der Bank of England, hängt das künftige Wohlergehen der britischen Wirtschaft - und insbesondere das der Finanzindustrie:

"Eine Million Menschen in diesem Land arbeiten in Finanzdienstleistungen. Die Branche trägt sieben Prozent zur Wirtschaftsleistung bei und ihre Steuerzahlungen allein decken zwei Drittel der Kosten des staatlichen Gesundheitswesens ab. Wir könnten das als gegeben hinnehmen. Aber die Brexit-Verhandlungen werden der Test sein."

Banken verlieren einen Riesenvorteil

Tritt das Land - wie geplant - auch aus dem europäischen Binnenmarkt aus, dann verlieren die Banken nämlich einen Riesenvorteil: das "Passporting", ihren sogenannten EU-Reisepass. Dank dieser Regelung dürfen sie bisher aus Großbritannien überall in der EU Geschäfte machen. Doch damit ist nach dem Brexit Schluss. Darauf muss sich auch die europäische Tochter der japanischen Bank Nomura vorbereiten, sagt Vorstandsmitglied David Godfrey:

"Wir haben kürzlich eine Lizenz in Frankfurt beantragt und sind gerade im Prozess, diese zu erhalten. Wir tun dies, um sicherzustellen, dass wir weiter unsere Kunden in ganz Europa bedienen können."

Die Zukunft bleibt ungewiss

Britische und ausländische Banken mit Sitz in London spielen zwar Szenarien durch, welche Geschäftsteile und wie viele hundert oder tausend Mitarbeiter sie abziehen müssen. Konkrete Zahlen sind aber noch Mangelware. Denn der Umfang des Banker-Exodus wird auch vom Brexit-Deal abhängen. Die britische Regierung möchte gern rasch ein neues Freihandelsabkommen mit der EU schließen, das für die Finanzbranche am besten alles beim Alten lässt. Dies in den verbleibenden 20 Monaten bis zum EU-Austritt zu schaffen, hält Andrew Kail von PricewaterhouseCoopers jedoch für fast unmöglich:

"Die Chancen, das zu erreichen, liegen nahe null. Deshalb brauchen wir möglichst schnell ein Übergangsabkommen für die Zeit zwischen Brexit und neuem Freihandelsdeal. In dieser Zwischenzeit – etwa drei bis fünf Jahre – sollten weiter dieselben Spielregeln gelten wie heute."

Banken wollen Sicherheit

Kail berät Banken zum Brexit – und sagt, seine Kunden könnten nicht mehr lange warten mit ihren Umzugsplänen, sondern bräuchten bald Gewissheit: ob es diese sanfte Übergangsphase gibt – oder ob ein Austritt ohne Abkommen, ein Crash droht. Kein Deal ist für Mark Hoban von der Lobbyvereinigung TheCityUK keine Option; vielmehr sei eine gute Einigung im Interesse beider Seiten:

Über ein mögliches Scheitern der Brexit-Verhandlungen will Hoban lieber nicht sprechen; er war bereits in Brüssel, um für die Interessen der City zu werben. Die konservative Regierung in London hört nach ihrer Schlappe bei der Unterhaus-Wahl jetzt stärker auf die Stimmen der Wirtschaft als vorher. Das nimmt auch Inga Beale so wahr, die Chefin des Versicherers Lloyds of London:

Lloyds of London wird sein EU-Zelt rechtlich in Brüssel aufschlagen, will jedoch kaum Personal dorthin verlagern. Die Brexit-Notfallpläne der Branche wird die Bank of England von heute an prüfen – und in drei Wochen bekanntgeben, ob die Unternehmen nachbessern müssen.

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