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StartseiteCampus & KarriereStipendien für Flüchtlinge27.04.2016

GroßbritannienStipendien für Flüchtlinge

Für Flüchtlinge in Großbritannien ist besonders die Finanzierung aufgrund der hohen Studiengebühren eine hohe Hürde. Inzwischen bieten aber rund ein Drittel der britischen Hochschulen Stipendien für Flüchtlinge an. Welche Hilfeleistung diese Stipendien aber beinhalten ist ganz unterschiedlich und kaum zu durchblicken.

Von Ruth Rach

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Hochschulstipendien für Flüchtlinge? In der britischen Öffentlichkeit wird darüber kaum diskutiert. Studierende und Hilfsorganisationen hingegen fordern die Universitäten schon seit Jahren auf, mehr für Flüchtlinge zu tun. Besonders aktiv: die Studierenden an der SOAS University of London, einer Spitzenuniversität, deren Studiengänge sich vor allem mit Afrika, Asien und dem Nahen Osten befassen. Ian Pickup ist Leiter für akademische Dienste.

Seine Studierenden hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass SOAS für das neue akademische Jahr im Herbst 2016 so viele Stipendien für Flüchtlinge geschaffen hat.

"SOAS vergibt sieben Flüchtlings-Stipendien. Vier für Studienanfänger, zwei für Studierende, die bereits einen akademischen Abschluss haben, und eines im Bereich der postgraduierten Forschung."

Ein Drittel der Hochschulen bietet Flüchtlingsstipendien an

SOAS war eine der ersten Hochschulen, die schon im September vergangenen Jahres Hilfsprogramme für Flüchtlinge angekündigt hatten. Andere Universitäten zogen nach. Inzwischen bietet ein Drittel der über 100 britischen Hochschulen Stipendien für Flüchtlinge an, zumeist für zwei bis fünf Studierende.

Zum neuesten Stand der Dinge wollen sich allerdings nur wenige Universitäten äußern. Das liege wohl daran, dass der Verwaltungsapparat überfordert sei, meint Ian Pickup. Auch er hat etwas Mühe, die aktuellsten Informationen zu finden.

Insgesamt hätten sich 41 Flüchtlinge an der SOAS Universität beworben, ein relativ gutes Ergebnis wenn man die kurze Anlaufzeit bedenke. Besonders begehrte Fächer: Wirtschaftswissenschaften, Jura, Politik. Ein Viertel der Bewerber stammt aus Syrien, die übrigen sind aus Afghanistan, Birma, Eritrea, Äthiopien, Somalia, Sri Lanka, dem Sudan.

"Die Bewerber müssen offiziell als Flüchtlinge anerkannt worden sein und ein entsprechendes Bleiberecht im UK vorweisen, oder aber eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen besitzen, die allerdings zeitlich befristet ist."

Stipendien bieten verschiedene Hilfeleistungen an

Die Stipendiaten können je nach Hochschule verschiedene Hilfeleistungen erwarten. An der SOAS University werden ihnen lediglich die Studiengebühren erlassen. Ian Pickup rechnet vor:

"Ein Bachelor kostet pro Jahr 9.000 Pfund, ein Master – je nach Fach - zwischen 7.000 und 15.000 Pfund. Und ein Doktorand etwas über 4.000 Pfund."

Das große Problem besteht darin, das Asylsuchende an vielen britischen Universitäten als internationale Studierende eingestuft werden, sagt Emma Williams, Leiterin von STAR - einer landesweiten Wohlfahrtsorganisation, die Studierende ermutigt, sich um Flüchtlinge in ihrer Community zu kümmern.

"Sie müssen sehr hohe Studiengebühren bezahlen und können – im Gegensatz zu britischen Studierenden - keine staatlichen Darlehen beantragen. Außerdem dürfen sie nicht arbeiten und bekommen vom Staat nur fünf Pfund pro Tag zum Leben. Damit sind sie praktisch von einem Hochschulstudium ausgeschlossen."

Angebot mitunter verwirrend

Einige Hochschulen bieten Stipendien an, in denen die Kosten für die Lebenshaltung mitberücksichtigt werden. Andere stellen Sprachkurse zur Verfügung. Manche fördern nur Flüchtlinge aus Syrien. Manche wollen auch Bewerber berücksichtigen, über deren Asylantrag noch gar nicht entschieden ist. Das Angebot ist verwirrend. Emma Williams und Ian Pickup sind sich einig: Es muss eine zentrale Anlaufstelle geschaffen werden, die einen klaren Überblick bietet und konkrete Kontaktpersonen benennt. Vor allem aber sollte man die Informationen so verbreiten, dass sie bei der eigentlichen Zielgruppe – nämlich den Flüchtlingen– auch ankommen.

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