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StartseiteDie neue PlatteGroße Romantik von Hilary Hahn10.10.2004

Große Romantik von Hilary Hahn

Elgars Violinkonzert interpretiert von der US-Geigerin und dem London Symphony Orchestra

Im Reigen der jungen, international Aufsehen erregenden Geigerinnen fällt die Amerikanerin Hilary Hahn immer wieder durch ihre große musikalische Begabung und die Beständigkeit auf, mit der sie sich die großen bekannten Werke und auch das weniger Gängige des Repertoires für ihr Instrument erarbeitet. Seit 1997 macht sie etwa einmal jährlich mit einer neuen CD auf sich aufmerksam und bannt für die "Ewigkeit" auf Platte, was sie vorher an verschiedensten Orten und im Falle von Violinkonzerten auch mit unterschiedlichen Partnern aufgeführt hat. Mit 16 hatte sie einen Vertrag bei Sony Classics unterschrieben, wo in der Folge nach und nach Bachs Solosonaten, die Serenade von Bernstein sowie Violinkonzerte von Beethoven, Barber, Edgard Meyer, Strawinsky, Brahms, Mendelssohn und Schostakowitsch erschienen. Dann, 2002, wechselte Hilary Hahn zur Deutschen Grammophon Gesellschaft, und das erste gemeinsame Projekt, im Herbst 2003 veröffentlicht, waren die Violinkonzerte von Johann Sebastian Bach. Jetzt erscheint die neueste CD der Hilary Hahn, und hier bietet sie wieder große Romantik: das 50 Minuten dauernde Violinkonzert von Edward Elgar. Partner ist das London Symphony Orchestra unter der Leitung von Sir Colin Davis.

Von Ludwig Rink

Hilary Hahn: Elgar Violinkonzert u.a. (Cover) (Deutsche Grammophon)
Hilary Hahn: Elgar Violinkonzert u.a. (Cover) (Deutsche Grammophon)
<p><li> Musikbeispiel: Edward Elgar - 1. Satz, Orchestervorspiel aus dem Violinkonzert<br /><br />Nach diesem ausdrucksstarken, sehr bewegten und schwelgerischen Orchestervorspiel überrascht der Einsatz der Solistin zunächst: Leise, fast schüchtern meldet sich Hilary Hahn zu Wort, danach bleibt sie glasklar und deutlich in der Phrasierung, doch relativ neutral und kühl im Ausdruck. <br /><br /><li> Musikbeispiel: Edward Elgar - 1. Satz, Einsatz der Solistin aus dem Violinkonzert<br /><br />Hilary Hahns Vorgänger als Solisten bei diesem Konzert von Elgar gingen da gleich viel kräftiger und mit mehr Nachdruck zur Sache. Und ließen schon gleich zu Beginn bei Tempo und Artikulation ihren Gefühlen freien Lauf, zum Beispiel Yehudi Menuhin in einer historischen Aufnahme von 1932 noch unter des greisen Komponisten Leitung. <br /><br /><li> Musikbeispiel: Edward Elgar - 1. Satz, Solisteneinsatz aus dem Violinkonzert<br /><br />Hilary Hahn bleibt im ganzen Satz auch im Vergleich zu späteren Aufnahmen mit Pinchas Zukerman oder Itzhak Perlman kontrollierter, kühler, sachlicher. Ich könnte mir vorstellen, dass dies manchem, der dick aufgetragene Farben mag, zu distanziert vorkommt, aber wenn man sich an den bescheideneren, weniger auftrumpfenden Gestus gewöhnt hat, erkennt man die Vielzahl der Farben, die auch die "Geigenpalette" von Hilary Hahn bietet. Ihre Intonation ist ohnehin blitzsauber, ihre musikalischen Bögen sind sinnvoll gespannt, ihre Virtuosität steht außer Frage. Nur arbeitet sie eben mit deutlich weniger Vibrato oder geigentypischem "Schluchzen" als ihre Kollegen, was der Klarheit der Linien eindeutig zugute kommt. So ist es auch im 2. Satz. Hier zum Vergleich zunächst Pinchas Zukerman mit seiner Sicht der Dinge, aufgenommen 1976. <br /><br /><li> Musikbeispiel: Edward Elgar - 2. Satz, Solisteneinsatz aus dem Violinkonzert<br /><br />Und nun von Hilary Hahn dieselbe Stelle aus dem 2. Satz von Elgars Violinkonzert: längst nicht so drängend und dramatisch, sondern mit einer für eine 25jährige fast schon altersweise zu nennenden Abgeklärtheit, aber dennoch voller Strahlkraft. <br /><br /><li> Musikbeispiel: Edward Elgar - 2. Satz, Solisteneinsatz aus dem Violinkonzert<br /><br />Edward Elgar schrieb sein Violinkonzert in den Jahren 1909 und 1910. Da war er schon Anfang Fünfzig, hatte viele sinfonische Werke komponiert und einen überwältigenden Erfolg mit seinem Oratorium "Der Traum des Gerontius" gehabt. Vom englischen König war er in den Adelsstand erhoben worden, er war Ehrendoktor der beiden berühmten Universitäten von Oxford und Cambridge und galt in England als der größte Komponist seit den Tagen von Händel und Purcell. Mit Solokonzerten hatte er sich bis dahin eher schwer getan; Teile eines 20 Jahre vorher begonnenen Violinkonzertes waren unvollendet im Papierkorb gelandet. Der berühmte Geiger Fritz Kreisler war es schließlich, der nicht locker ließ mit seinem Wunsch, Elgar möge ihm ein Violinkonzert komponieren. Er war dann auch der Solist der Uraufführung und Widmungsträger des Werkes, das den Schlusspunkt einer Entwicklung darstellt, die gut 100 Jahre vorher mit Beethovens Violinkonzert begonnen hatte: des romantischen, groß angelegten Violinkonzerts, wie es von Mendelssohn, Bruch, Brahms, Dvorak, Tschaikowsky oder Sibelius beispielhaft geschaffen wurde. In einer Zeit, wo anderswo schon die Tonalität infrage gestellt wird und sich radikale Veränderungen im Selbstverständnis der Komponisten ankündigen, gelingt es Elgar noch einmal, die musikalischen Möglichkeiten der Romantik zusammenfassend darzustellen. Wir blenden uns nun ein in den letzten Satz des Werkes, das die Virtuosität des Solisten besonders fordert und formal eine gekonnte Verbindung von Rondo mit Elementen des Sonatensatzes darstellt. Hören Sie Hilary Hahn und das London Symphony Orchestra unter der Leitung von Sir Colin Davis. <br /><br /><li> Musikbeispiel: Edward Elgar - 3. Satz, Schluss aus dem Violinkonzert<br /><br />In unserer Reihe " Die neue Platte" ging es heute um das Violinkonzert von Edward Elgar in einer Neuaufnahme mit Hilary Hahn und dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Sir Colin Davis. Im Studio verabschiedet sich Ludwig Rink.<br /><br />CD: <br /><em> Titel: Elgar - Violinkonzert u.a.<br />Solistin: Hilary Hahn<br />Orchester: London Symphony Orchestra<br />Leitung: Sir Colin Davis<br />Label: Deutsche Grammophon<br />Labelcode: LC 00173<br />Bestellnr.: 00289 474 5042</em></p>

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