Kultur heute / Archiv /

 

Große Würfe

Die Frick Collection in New York zeigt Pierre-Auguste Renoirs Ganzkörperbilder

Von Sacha Verna

Das New Yorker Museum zeigt Bilder von Renoir, die bislang nicht zusammen gezeigt wurden (AP)
Das New Yorker Museum zeigt Bilder von Renoir, die bislang nicht zusammen gezeigt wurden (AP)

Die Ausstellung "Renoir, Impressionism, and Full-Length Painting" in der Frick Collection in New York dokumentiert die Ganzkörperbilder des impressionistischen Malers. Dabei sind Aspekte Pierre-Auguste Renoirs zu entdecken, die ihn nicht nur als Farb-, sondern auch als Kleiderspezialisten ausweisen.

Normalerweise assoziiere man die impressionistische Malerei mit hellen Landschaften und skizzenhaft wirkenden Szenen des gesellschaftlichen Alltags, sagt Colin Bailey, mit Spontaneität und Werken von eher bescheidenen Ausmaßen:

"Renoir hingegen hielt von den 1860er- bis in die 1880er-Jahre, in den zwei Dekaden also, in denen der Impressionismus zur Blüte kam, an den großen Hoch- und Querformaten fest. Das sind Gemälde, die für die Öffentlichkeit gemalt sind und ein breites Publikum beeindrucken sollen."

Colin Bailey hat die Ausstellung organisiert, die sich ausschließlich Pierre-Auguste Renoirs hochformatigen Ganzfigurenbildern aus den Jahren zwischen 1874 und 1885 widmet. Zum ersten Mal sind in der Frick Collection neun dieser Werke zusammen zu sehen, darunter so berühmte wie "Tanz in der Stadt” und "Tanz auf dem Land” aus dem Pariser Muse d’Orsay oder "Tanz in Bougival” aus dem Museum of Fine Arts in Boston.

Dieses Großformat hätten manche von Renoirs impressionistischen Kollegen – Camille Pisarro etwa, Claude Monet oder Edgar Degas – als konventionell, ja altmodisch betrachtet.

"Es war tatsächlich besonders bei den Salonmalern beliebt, bei den schicken Modernisten. Doch vergessen Sie nicht: Es ist auch das Format, das Veronese und Van Dyck, Gainsborough und Reynolds benutzten. Es ist das Format, in dem von der Renaissance an einige der großartigsten Beispiele der Porträt- und Figurenmalerei entstanden. In diese Tradition reihen sich Renoir und auch Paul Cézanne ein, nicht in die der modischen Malerei ihrer Zeit."

Großartig sind auch die versammelten Exponate: Da ist "La Parisienne" aus dem Jahr 1874, eine Dame in betörend blauer Seide, bereit zum Morgenspaziergang und der Inbegriff von Pariser Eleganz. Oder "La Promenade", eine Gouvernante mit ihren beiden Schützlingen in einem gepflegten Park, alle in Samt, Nerz und Fuchspelz gehüllt und gegen die Kälte gewappnet. Es ist auffällig, wie detailliert Renoir die zeitgenössische Kleidermode wiedergibt:

"Renoirs Vater und Brüder waren Schneider. Seine Mutter und viele seiner Freundinnen waren Näherinnen. Die neuste Mode mit ihren Stoffen und Accessoires war etwas, das Renoir wie viele andere Pariser enorm faszinierte. Einmal bewarb er sich bei einer Modezeitschrift sogar als Kolumnist. Daraus wurde zwar nichts, doch war Renoir überaus wählerisch, was die Garderobe seiner Modelle betraf. Diesem Interesse Renoirs ist meines Wissens noch nie jemand richtig nachgegangen. Auf jeden Fall macht es ihn zu einem Chronisten der Moderne, wie ihn Baudelaire sich gewünscht hätte."

Jedes einzelne der gezeigten Werke verfügt über die farbliche, kompositorische und motivische Kraft, sich einem fest im Gedächtnis einzuprägen. Besser als in einer so konzentrierten Ausstellung wie dieser kommt Pierre-Auguste Renoir kaum zur Geltung.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kultur heute

Uni FreiburgHeidegger-Aufarbeitung bleibt schwierig

Undatierte Aufnahme des deutschen Philosophen Martin Heidegger (1889-1976). (picture alliance / dpa)

Der Philosophische Lehrstuhl in Freiburg bedürfte eines dringenden Neuanfangs, schon um Martin Heideggers antisemitische Äußerungen in den "Schwarzen Heften" aufzuarbeiten. Doch einen Neuanfang wird es vorerst nicht geben, denn der bisherige Inhaber des philosophischen Lehrstuhls bleibt weiter auf seinem Posten.

"Dantons Tod" am Schauspiel FrankfurtMitskandieren bei der Anklage gegen Danton

Georg Büchner, deutscher Dramatiker ("Dantons Tod"), geboren am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt, gestorben am 19. Februar 1837 in Zürich. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahner)

Im Stück "Dantons Tod" von Georg Büchner untersucht Ulrich Rasche die Individualisierung und politische Bewegung. Dabei geht es um mehr als um die Kippstelle der Französischen Revolution, den Umschlag der Republik in ein Terrorsystem.

Wiener Staatsoper Eine völlig wirre "Elektra"

 

Kultur

Ausstellung "New Orleans - The Sound of a City"Das Lebensgefühl der Stadt eingefangen

Mardi Gras in New Orleans (picture alliance / dpa / Dan Anderson)

2005 brach der Hurrikan Katrina über New Orleans herein und verwüstete bis zu 80 Prozent der Stadt. Die überaus reiche und vielgestaltige Kultur der Stadt litt darunter - dabei ist sie für die Identität und den Zusammenhalt ein wichtiger Rettungsanker. In Berlin gibt nun eine Ausstellung Einblicke in die Musikkultur der Stadt.

NRW-Forum DüsseldorfDer neue Mann an der Spitze

Alain Bieber schaut am 15.01.2015 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) vor Beginn einer Pressekonferenz zum Fotografen. Alain Bieber ist als neuer Leiter des NRW-Forums vorgestellt worden. (picture-alliance / dpa / Roland Weihrauch)

Vivienne Westwood, Peter Lindberg, Bryan Adams: Das NRW-Forum in Düsseldorf sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder mit großen Namen für überregionale Aufmerksamkeit. 2014 war es dann still geworden: kein Geld und keine Leitung. Ab April tritt Alain Bieber seine Funktion als neuer künstlerischer Leiter an.

"Dantons Tod" am Schauspiel FrankfurtMitskandieren bei der Anklage gegen Danton

Georg Büchner, deutscher Dramatiker ("Dantons Tod"), geboren am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt, gestorben am 19. Februar 1837 in Zürich. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahner)

Im Stück "Dantons Tod" von Georg Büchner untersucht Ulrich Rasche die Individualisierung und politische Bewegung. Dabei geht es um mehr als um die Kippstelle der Französischen Revolution, den Umschlag der Republik in ein Terrorsystem.