Forschung aktuell / Archiv /

 

Grubbs I und II : Ein Mann, ein Wort

Mraseks Molekül-Mosaik

Von Volker Mrasek

Grubbs I und II
Grubbs I und II (Tobias Stengel)

Der amerikanische Chemie-Nobelpreis-Träger von 2005 Robert Grubbs ist der Namensgeber gleich zweier Moleküle. Grubbs I und II sind die kurzen Bezeichnungen für metallorganische Prozesskatalysatoren, deren nomenklatorisch korrekte Namen viele Zeilen füllen würden. Hinweis: Wegen der aktuellen Sendung zur Verleihung des Nobelpreises in Chemie existiert von diesem Beitrag keine Hörversion.

Bohrium und Mendelewium, Lewis-Säuren und Brønsted-Basen, Fischer-Tropsch-Synthese und Haber-Bosch-Verfahren - bei chemischen Elementen, Stoffklassen und Reaktionen kommt es durchaus vor, dass sie nach berühmten Forschern und Erfindern benannt werden. Doch über die Namensgebung für die unzähligen Moleküle wacht gemeinhin die IUPAC, die Internationale Union für Reine und Angewandte Chemie. Nach ihren strengen Nomenklatur-Regeln sollte eigentlich alles, was in einer Verbindung drin ist, auch in ihrem Namen aufscheinen.

Allerdings, würde man diesen hehren Maßstäben folgen, dann wäre Grubbs I ein Wortungetüm mit 19 Silben, nämlich: Benzyliden-bis-(tricyclo-hexyl-phosphin)-di-chloro-ruthenium. Von Grubbs II ganz zu schweigen. Sein offizieller IUPAC-Name würde sogar drei Zeitungszeilen füllen. "Da kann man sich schon vorstellen, warum man hier nicht auf den IUPAC-Regeln besteht", schmunzelt Alois Fürstner, Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr.

Fürstner ist Experte auf dem Gebiet metallorganischer Prozesskatalysatoren, und genau dorthin gehört auch das Grubbs-Duo. Beide Moleküle enthalten das Metall Ruthenium und sind effiziente Werkzeuge für organische Synthesen. Mit Grubbs- und einigen ähnlichen Katalysatoren lassen sich Doppelbindungen zwischen Kohlenstoff-Atomen in ungesättigten Kohlenwasserstoffen ("Olefinen") äußerst sauber durchtrennen, so dass im Anschluss neue Reaktionspartner zueinanderfinden. "Olefine bilden die stoffliche Basis der modernen Industriegesellschaft", sagt Fürstner. Und neuartige Katalysatoren wie Grubbs I und II gestatteten es, sie selektiver chemisch umzusetzen: "Diese Materialien haben eine Lawine von Veröffentlichungen ausgelöst." Ihre breitere Anwendung bei der Herstellung von Kunststoffen und Medikamenten ist für den MPI-Forscher nur eine Frage der Zeit.

Man sieht: Wenn die IUPAC ein Auge zudrückt, kann ein wenig Nobel-Glanz auch schon mal auf ein Molekül abstrahlen.

Links zum Thema

Weitere Beiträge der Reihe: Molekül der Woche <br>Deutschlandfunk-Reihe zum UN-Jahr der Chemie 2011

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Forschung Aktuell

MikrobenUnsere Mikroflora ist überall

Die Schauspieler Ruth Marie Kröger als "Clara Haber" und Felix Römer als "Fritz Haber" während einer Probe von "The Forbidden Zone" für die Festspiele Salzburg.

Menschen verbreiten ständig und in kürzester Zeit Bakterien, die auf und in ihrem Körper leben. US-Forscher haben untersucht, wie stark das häusliche Umfeld von der humanen Mikroflora seiner Bewohner geprägt wird. Das "Home Microbiome Project" lieferte einige überraschende Erkenntnisse.

Fliegende GärtnerGPS verfolgt die Wanderungen samenausbreitender Flughunde

Flughunde drängen sich um Obst

Immer leistungsfähigere Mini-Computer und Sender am Körper wild lebender Tiere machen es möglich, Wanderwege, Gruppenverhalten und Körperfunktionen in Echtzeit zu untersuchen. Max-Planck-Wissenschaftler erforschen eine Schlüsselart der subtropischen und tropischen Ökosysteme Afrikas mit High Tech.

MERS-InfektionPandemiepotenzial der Atemwegserkrankung ist gering

Kamele während eines Sandsturms in Kuwait Stadt.

Um das MERS-Virus ist es ruhig geworden. Es löst das "Middle East Respiratory Syndrome" aus, eine Atemwegserkrankung, an der bislang rund ein Drittel der Erkrankten starb. Eine neue Studie zeigt jetzt, dass das Pandemie-Potenzial des Virus gering ist.