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Grün in der Antarktis

Belgische Forschungsstation kommt ohne Treibhausgasemissionen aus

Von Barbara Heimpel

Die belgische Antarktisstation "Princess Elisabeth" kommt nach Angaben der Erbauer ohne Emissionen aus.
Die belgische Antarktisstation "Princess Elisabeth" kommt nach Angaben der Erbauer ohne Emissionen aus. (International Polar Foundation)

Polarforschung. – In der Antarktis soll der Mensch so wenig Schaden wie möglich anrichten – so sieht es das Umweltprotokoll des Antarktis-Vertrages vor. Die Forschungsstationen dort müssen ihre Emissionen also so gering wie möglich halten. Die neue belgische Station "Princess Elisabeth", die jetzt vorgestellt wurde, rühmt sich, eine "Null Emission"-Station zu sein.

Sie sieht aus wie ein gelandetes Ufo. Matt und silbrig thront sie auf einem vergletscherten Felsgrat mitten in der Antarktis, 200 Kilometer von der Küste entfernt. Noch trotzt die "Princess Elisabeth", Belgiens erste Polarstation, nur im Vorführungsfilm dem rauen Klima. In den alten Zoll- und Schifffahrtshallen im Brüsseler Norden ist es hingegen windstill und warm. Bevor die Station im November 2007 - zeitgleich mit der deutschen Polarstation Neumayer III - in die Antarktis verschifft wird, muss sie hier erst einige Tests bestehen.

"Was die ‚Princess Elisabeth’ so besonders macht, ist das Konzept der ‚Zero Emission’. Das heißt, dass die Station ausschließlich durch erneuerbare Energien betrieben wird: Windkraft, Sonnenenergie, thermische Energie und Fotovoltaik","

erklärt Alain Hubert, Vorsitzende der International Polar Foundation. Acht Windkrafträder sollen die Station mit Strom versorgen, unterstützt durch Solarzellen, die an den Außenwänden und auf dem Dach der Forschungsstation angebracht sind. Vom Schnee wird das Sonnenlicht besonders stark reflektiert. Johann Berte, Projektmanager und verantwortlich für das Außendesign, will Energiekonzepte nutzen, die sich bewährt haben. Eine autarke Energieversorgung unter diesen klimatischen Bedingungen ist jedoch schwierig: Der Strom muss bei Außentemperaturen von bis zu minus 50 Grad und Windgeschwindigkeiten von 125 Stundenkilometern produziert werden. Der zusätzliche Dieselmotor soll nur in Notfällen zum Einsatz kommen. Aber es wird nicht nur auf fossile Brennstoffe verzichtet, sondern auch ökologisch gearbeitet. Berte:

""In erster Linie ist diese Station entwickelt worden, um nachhaltig zu wirtschaften. Dabei schauen wir nicht nur, woher die Energie kommt, sondern auch, dass wir die Umwelt sauber halten. Wir haben ein ausgeklügeltes Abwassersystem. 75 Prozent unseres Wasserverbrauchs bereiten wir selbst auf, indem wir Bioreaktoren und Filteranlagen nutzen."

Gebaut wurde nach dem so genannten Passiv-Haus-Konzept. Passivhäuser kommen im Vergleich zu konventionellen Häusern mit bis zu 80 Prozent weniger Heizenergie aus. Die "Princess Elisabeth" will das erreichen, indem sie die Wärmeabstrahlung ihrer hauseigenen Technik, wie etwa die der Computer "recycled". Genutzt werden soll auch die Körperwärme der bis zu zwanzig Wissenschaftler, die die Station während des antarktischen Sommers bewohnen werden. Damit es im Inneren immer mollige 18 bis 20 Grad bleibt, wird die Station von einem 40 Zentimeter dicken Mantel aus Styropor und Graphit geschützt, der in mehreren Schichten zwischen konzentrischen angeordneten Holzpanelen lagert. Aus Holz sind sowohl Innen- als auch Außenwände. Berte:

"Wir haben mit hochtechnologischen Materialien begonnen, wie Stahl und Aluminium, und sind letztendlich zu dem Schluss gekommen, dass Holz die beste Lösung ist. Holz ist ein CO2-neutrales Material. Wir versuchen, keinerlei chemische Behandlung vorzunehmen. So können wir die meisten Teile der Station wieder verwenden."

25 Jahre, und damit fast doppelt so lange, wie andere Stationen, soll die "Princess Elisabeth" Dienste tun. Einfach übertragbar ist das Konzept leider nicht. Die deutsche Neumayer III etwa, ist mit 4500 Quadratmetern mehr als sechs Mal so groß so wie die "Princess Elisabeth" und das ganze Jahr über bemannt, der Energieaufwand ist also sehr viel höher. Die deutsche Station speist ein Fünftel ihres Energiebedarfs durch Windenergie. Der Rest wird durch Generatoren produziert. Alles andere wäre zu teuer.

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