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StartseiteWirtschaft am MittagAutos aus Hanf und Holz15.01.2015

Grüne WocheAutos aus Hanf und Holz

In Zukunft könnten Autos nicht nur aus Blech, sondern aus Baumwolle, Hanf und Holz bestehen – wenigstens zum Teil. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung präsentieren auf der Grünen Woche in Berlin, was in Zukunft alles über die Straßen rollen könnte.

Von Anja Nehls

Weiterführende Information

Joghurtbecher unter der Motorhaube
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 16.02.2010)

Solarenergie fürs Auto
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 20.11.2008)

Der Lack glänzt in jeder beliebigen Farbe, die Außenhaut ist glatt und auf den ersten Blick unterscheidet sich dieses Auto nicht von herkömmlichen. Nur wer draufklopft, hört: Blech klingt anders. Dieser Prototyp eines Autos besteht aus Kunststoff, kombiniert mit Naturfasern. Für Hans Josef Endres, Spezialist für Holzfaserforschung am Fraunhofer Institut liegen die Vorteile auf der Hand.

"Wir sehen eine Motivation natürlich darin, dass wir nicht nur im Energiebereich uns von petrochemischen Ressourcen unabhängig machen müssen, sondern das Gleiche trifft auch die Werkstoffe. Und von daher ist das gedanklich einfach konsequent auf erneuerbare Rohstoffe zu setzen und das ist das, was wir tun.

Verwendet werden Baumwolle, Flachs, Hanf und Holz, meistens kombiniert mit den Kunststoffen Glasfaser und Carbon. Gerade die Kombination aus dem extrem stabilen und hitzebeständigen aber teuren Karbon mit den Eigenschaften der Naturstoffe ist dabei für Endres reizvoll:

"Dieses Eigenschaftsprofil der Naturfasern ist sozusagen fast schon gegenteilig zu dem, was die Carbonfasern haben. Das heißt, die Naturfasern sind sehr leicht, haben eine niedrige Dichte, ein niedriges Gewicht, haben aber sehr gute akustische Eigenschaften, haben sehr gute Splittereigenschaften und wenn Sie das Ganze dann auch noch preislich ausdrücken, wie viele Eigenschaften Sie für das Geld bekommen, dann sind auch die Naturfasern interessant."

Naturstoffe für die Autos der Zukunft

Im Automobilbau, wo einzelne Teile hohen mechanische Belastungen und großer Hitze ausgesetzt sind, wären Bauteile ausschließlich aus Naturfasern weniger geeignet, meint Endres. Vor einigen Jahren bereits hat der Triathlet Nikolas Mayer ein Hanf-Fahrrad gebaut. Zunächst wurde der Rahmen aus Schaumstoff geformt, auf dieses Gerüst dann Lage für Lage ein Geflecht aus Hanffasern aufgetragen, der Stoff mit einem flüssigen Harz getränkt und anschließend im Ofen gehärtet.

Nur 1,5 kg wiegt am Ende der Rahmen. Die Hanffasern verleihen ihm Stabilität, sagt Nikolas Mayer:

"Hanf hat im Vergleich zu herkömmlichen Fasern eine recht gute Qualität, also wenn man über die Steifigkeit spricht und über die Zugfestigkeit. Und im Vergleich zu anderen Naturfasern eigentlich die besten Festigkeitswerte. Es ist vergleichbar wenn man es nur in eine Richtung belastet also in Faserrichtung mit Aluminium von der Festigkeit her und hat aber nur die Hälfte der Dichte."

Im Autobau wird es in den kommenden Jahren hauptsächlich um sogenannte Hybridwerkstoffe gehen, also Kombinationen aus Kunststoff und pflanzlichen Naturfasern, vermutet der Wissenschaftler Hans-Josef Endres.

Die Verbundwerkstoffe am Ende wieder zu trennen und zu recyceln kann allerdings problematisch sein. Darüber hinaus können für Reparaturen diese Teile nicht geschweißt, sondern müssen geklebt werden. Die Anlagen der Autohersteller sind bisher nicht darauf eingerichtet. Ein günstiges Serienauto hauptsächlich aus nachwachsenden Rohstoffen ist also noch nicht in Sicht.

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