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StartseiteWissenschaft im BrennpunktDie Ära der Gravitationswellen-Astronomie kann beginnen14.02.2016

Grüße vom Schwarzen LochDie Ära der Gravitationswellen-Astronomie kann beginnen

Irgendwo jenseits unseres Sonnensystems lässt eine Katastrophe die Raumzeit erbeben. Unzählige Lichtjahre später erreicht nur noch ein Zittern die Erde. Ein Detektor namens Advanced LIGO protokolliert das Signal in den USA - war das die lang ersehnte Gravitationswelle? Wochenlang misstrauten die Experten sich selbst. Doch jetzt ist man sich sicher: Sie war es.

Moderation: Christiane Knoll

Visualisierung der Gravitationswellen, die beim Verschmelzen zweier Neutronensterne entstehen  (AEI)
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Das LIGO-Institutsgebäude in Livingston, USA, bietet vom Dach einen fantastischen Blick: Inmitten ebener, sumpfiger Landschaft erstrecken sich vom Zentralgebäude aus schnurgerade zwei Arme im rechten Winkel: es sind Betonröhren, jede 4 Kilometer lang, von oben betrachtet zwei graue Striche umgeben von Grün. Jahrelang ist hier nichts passiert, zumindest nichts, was diese Arme hätten einfangen können. Dann aber, am 14. September 2015 zog ein zartes Zittern über die Gegend - und verfing sich in der gerade erst aufgerüsteten Maschine. Jubel aus den USA: "We have detected a Gravitational Wave, yes, we did it."

100 Jahre nachdem Einstein sie vorhergesagt hat

100 Jahre nachdem Einstein sie vorhergesagt hat, ist die erste Gravitationswelle ins Netz gegangen, sagt David Reitze, der Sprecher der LIGO-Kollaboration. Was bedeutet dieser Durchbruch? Als am 14. September die Welle die Erde streifte, da war es in den USA Nacht und in Deutschland Tag. "Bei uns war es gerade Mittag, und ich saß in meinem Büro, als der Algorithmus eine Mail schickte." Dienst schob deshalb Marco Drago, Postdoc am Albert-Einstein-Institut  in Hannover. Eine Warnung schickt das System immer dann, wenn ein Signal auftaucht, das interessant sein könnte.

"Ich konnte sofort sehen, dass das etwas Ungewöhnliches war. Das Signal war sehr hoch. Die Amplitude lag bei 25, normal war 10." Und nicht nur die Höhe, mit der das Signal aus dem Grundrauschen ragte, machte Drago stutzig, auch die Form. Computersimulationen spucken solche Kurven für sich umkreisende Objekte aus. "Das war so hübsch; aber mein Kollege in Italien, der auch Dienst hatte, und ich dachten: Das ist bestimmt eine Fälschung. Das machen wir nämlich, wir testen mit gefälschten Signalen unsere Prozesse."

Erster direkter Beweis: Schwarze Löcher existieren

Aber nein, es war kein Fake, kein gemeiner Test sondern echt. Ein Signal von etwa ¼ Sekunde Länge, deutlich stärker als das übliche Rauschen und fast identisch noch einmal aufgezeichnet nur einen Augenblick später am anderen Ende der USA, im LIGO-Zwillingsdetektor in Hanford, Washington. Kurz, aber lang genug für die zweite Sensation: Es liefert nämlich den ersten direkten Beweis, dass Schwarze Löcher tatsächlich existieren.

Vor Urzeiten sind da draußen offenbar zwei dieser Schwerkraftmonster aneinandergeraten. Und wir sind jetzt Zeuge, wie der allerletzte Moment der Verschmelzung ablief. Ein neues Fenster öffnet sich mit den Gravitationswellen ins All. Jetzt, da man weiß, dass es sie gibt, werden die Physiker es nicht mehr allzu schwer haben, Geld für die nächsten Projekte aufzutun. In der Schublade liegen Pläne für ein Einstein-Teleskop mit 10 Kilometern Armlänge und LISA, ein Riesenteleskop, das im Orbit stationiert werden soll, ist jetzt schon so gut wie bewilligt.

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