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Gut, dass Opel die Reißleine gezogen hat

Ab 2016 werden in Bochum keine Autos mehr gebaut

Von Benjamin Hammer, Deutschlandfunk

Das Opel-Logo auf dem Dach des Werks in Bochum
Das Opel-Logo auf dem Dach des Werks in Bochum (AP)

Jeder Popel – fährt’n Opel. Oller Spruch, keine Frage. Und er ist auch alles andere als witzig für die Bochumer Opelaner, die gerade um ihre Jobs bangen. Aber dass ab 2016 in Bochum keine Autos mehr gebaut werden sollen, das hängt mit diesem Spruch zusammen. Popelig – zu diesem Wort findet man im Duden Entsprechungen wie "ordinär", "unbedeutend" und "kleinlich". Auto-Emotion sieht anders aus.

Die 3000 Mitarbeiter des Bochumer Opel-Werks können nichts für dieses Image, das ist eine Frage des Managements. Sie können auch nichts dafür, dass ausgerechnet der Zafira in Bochum gebaut wird, ein Familienauto, das aussieht, als sei es in den 90er-Jahren steckengeblieben. Und trotzdem ist es richtig, dass Opel die Reißleine gezogen hat. Das Werk produziert zu viele Autos für einen zu kleinen Markt. Für eine Rettung des Standortes Bochum ist es schlicht zu spät.

Wenn die Konjunktur in Europa kriselt, dann kriselt auch der Automarkt. Im kommenden Jahr werden in Europa wohl so wenige Autos verkauft, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Hinzu kommt, dass viele junge Menschen wahre Automuffel sind. Sie fahren lieber mit dem Fahrrad oder der U-Bahn. Generation Golf? Fehlanzeige.

Alle Automanager kennen diese Ausgangslage und alle versuchen sich gegen diese Entwicklung zu stemmen. Aber Opel hat es in dieser Zeit besonders hart erwischt. Man könnte auch sagen: Die Opel-Manager haben die Trends besonders lange verschlafen. Opel ist eingequetscht zwischen zwei Marktsegmenten. Von oben kommt Druck von sogenannten Premium-Marken wie BMW oder Mercedes. Und von unten preschen Anbieter wie Skoda, Kia und Hyundai vor und drücken die Preise. Was Opel in dieser Gemengelage eigentlich ist, Premium oder günstig, das weiß niemand so genau.

Autobau in Deutschland, das kann nur noch im Premium-Segment funktionieren. Gegen die Billig-Konkurrenz aus Niedriglohn-Ländern haben deutsche Werke sonst keine Chance. BMW und Audi machen vor, wie es geht, aber auch Volkswagen, mit Autos, deren Image nicht so staubig ist. Opel hat das erkannt und setzt zum Beispiel auf den Astra. Ein modernes Auto, das gute Kritiken bekommen hat – aber eben nicht aus Bochum kommt.

Der Einschnitt in Bochum könnte die Rettung sein für die Kollegen in den Werken von Rüsselsheim und Eisenach. Weniger Autos produzieren, die richtig gut sind und für höhere Preise verkauft werden können – das ist Opels Zukunft. Das klappt aber nur, wenn die Konzernmutter General Motors Opel nicht mehr so stiefmütterlich behandelt. Opel muss endlich einen richtigen Zugang bekommen Wachstumsmärkten wie China und hier hat General Motors in der Vergangenheit stark gebremst.

Jeder Popel fährt’n Opel. Diesen Spruch hat man sich im Ruhrgebiet zugeraunt, etwa, wenn ein Golffahrer auf den Besitzer eines Opel Kadett traf. Der Kadett, das einstige Erfolgsmodell der Opelaner, wurde übrigens einmal in Bochum gebaut. Bei allem Verständnis für die Entscheidung der Opel-Chefetage. Es ist schade, dass es bald keine Autos aus dem Ruhrpott mehr gibt.



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