Mittwoch, 22.11.2017
StartseiteFirmenporträtLuxusfracht auf hoher See10.11.2017

Hafenlogistiker in CuxhavenLuxusfracht auf hoher See

Cuxhaven wurde von der Bundesregierung zum Deutschen Offshore-Industriezentrum deklariert. Dort lässt der Terminalbetreiber CuxPort britische Luxusautos wie Jaguar und Rover anlanden und per Bahn nach Hessen oder Bayern verfrachten - eine stabile Nische mitten in der Krise der Schifffahrtsbranche.

Von Godehard Weyerer

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Eine grüne Positionsleuchte ist im Hafen in Hamburg vor den Containerterminals Burchardkai und Eurogate zu sehen. (dpa)
Für Cuxhaven bestätigt CuxPort-Geschäftsführer Peter Zint, dass trotz Brexit die Zahl umgeschlagener Fahrzeuge aus Großbritannien bisher konstant geblieben ist. Hier ein Frachter in Hamburg. (dpa)
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An der Pier in Cuxhaven liegt die Auto-Fähre einer dänischen Reederei. Nagelneue Fahrzeuge, Motorhaube und Seitentüren sind mit blütenweißen Stoffplanen geschützt, rollen über die heruntergelassene Heckluke und verschwinden im Bauch des Schiffes. 320.000 Pkw, sagt Peter Zint, der Geschäftsführer des Terminalbetreibers CuxPort, werden pro Jahr in Cuxhaven umgeschlagen:

"Vauxhall, ein Opel, der wird in Polen produziert und geht nach England. Auf der anderen Seite haben wir Opel-Fahrzeuge, die in England produziert werden, der Astra Caravan, der kommt hierher".

Nische Großbritannien-Geschäft

Die Fähre pendelt zwischen Cuxhaven und dem mittelenglischen Nordseehafen Immingham. Auf der Rückfahrt wird das Schiff Jaguar und Land-Rover Fahrzeuge laden, die über Cuxhaven an die Autohändler in Deutschland und Europa verteilt werden. Begonnen hat der Auto-Umschlag 2004 mit BMW-Fahrzeugen. Hinzugekommen sind bis heute alle großen deutschen Automobilhersteller, sagt Cuxport-Chef Peter Zint:

"Wir löschen und laden so ein Schiff, also einmal leer machen und wieder vollmachen, in sieben Stunden".

Fast täglich macht in Cuxhaven eine Fähre fest. 800 bis 1.600 Fahrzeuge haben an Bord der Schiffe Platz. Im 45 Kilometer entfernten Bremerhaven laufen Auto-Carrier an, die viermal so groß sind. Sie bringen Importautos aus Korea und Japan nach Europa und Exportfahrzeuge in die USA, nach Südamerika und Asien:

"Kurz gesagt, Bremerhaven ist mehr in den interkontinentalen Verkehren unterwegs ist. Wir waren gefordert, uns einen Nischenmarkt zu suchen und denen haben wir auch mit den europäischen Kurzstreckenverkehren insbesondere den Fährverkehren dann auch gefunden".

"Multipurpose ist besser"

Großbritannien ist aus der EU ausgetreten. Die Zahl der umgeschlagenen Fahrzeuge, sagt Cuxport-Geschäftsführer Peter Zint, sei in Cuxhaven bisher konstant geblieben. Selbst die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 habe dem Hafenumschlagsbetrieb wenig anhaben können – niemand wurde entlassen, und auch Kurzarbeit musste das Unternehmen nicht anmelden.

"Woher kam das? Weil zu dieser Zeit gerade die Offshore-Windenergie am Standort angefangen hat, sich zu entwickeln und für uns quasi eine konjunkturunabhängige Nachfrage auftauchte. Das hat uns gezeigt, die Strategie ist richtig, Multipurpose ist besser, als wenn ich nur Container mache, nur Autos oder so."

"Wir machen nichts, wo wir sehendes Auge in rote Zahlen laufen"

Mit Unterstützung der Bundesregierung, die Cuxhaven zum Deutschen Offshore-Industriezentrum deklarierte, baut Siemens künftig die Turbinen in Cuxhaven, die Rotorenblätter lässt der Weltkonzern in Großbritannien fertigen. Der Stahl- und Anlagenbauer Ambau fertigt die Türme. Der Hafenlogistiker Cuxport löscht die Schiffe, die die Stahlplatten anliefern, lagert sie und liefert sie just in time an die Produktionslinie. 25 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen und beschäftigt 250 Mitarbeiter. Dass sich globale Warenströme quasi über Nacht neue Wege suchen, musste vor Jahren Bremerhaven erfahren, als die damals in Europa größte Drehscheibe im Automobilumschlag Toyota, ihren wichtigsten Kunden, an den belgischen Hafen in Zeebrugge verlor. Die Verträge mit den Pkw-Herstellern haben in der Regel eine Laufzeit von drei bis fünf Jahren. Dann werden die Karten neu gemischt.

"Aber das es wirklich die harte Anforderung ist, ihr müsst unbedingt zwei oder drei Prozent günstiger werden, das tun wir, wenn wir es können, aber wir tun es nicht, um uns Verkehre erkaufen zu wollen. Insofern machen wir nichts, wo wir sehendes Auge in rote Zahlen laufen".

Cuxport-Geschäftsführer setzt auf Wachstum

Geschäftsführer Peter Zint geht hinüber in die Wachshalle. In der Halle sind vier Fahrzeuge aufgebockt. Fredi Wackernah ist seit 13 Jahren im Betrieb. Worum es geht in der Wachshalle?

"Für den skandinavischen Markt Mercedes-Neufahrzeuge vorbereiten, das heißt, Unterbodenbeschichtung wird gemacht, mit einer Wachsschicht überzogen".

In sogenannten Ganzzügen kommen die Neufahrzeuge gebündelt vom Produktionsstandort nach Cuxhaven. Die bis zu 700 Meter langen Züge werden hier geteilt. Auf vier Gleisen stehen zwei Ganzzüge. So müssen die Fahrer, die die teuren Premiumautos vom Zug steuern, nur die halbe Distanz durch die engen und geschlossenen Waggons zurücklegen. Wer sich für ein paar Minuten hinter das Lenkrad der teuren Luxus-Autos steuern darf, muss drei Jahre den Führerschein haben. Im Minutentakt rollen die Autos über die Rampe am Ende des Gleises auf die zugewiesenen Stellplätze. Ein neunsitziger Shuttlebus sammelt die Fahrer ein und bringt sie zurück zum Zug.

"Unsere Schadensstatistik weist Fälle im Promillebereich aus. Wir haben von den Qualitätsabteilungen der Automobilhersteller immer gute Noten bekommen".

Cuxport-Geschäftsführer Peter Zint setzt auf Wachstum. Demnächst wird der vierte Liegeplatz fertiggestellt sein - mit weiteren 90.000 Quadratmetern Stellfläche. Dann möchte man im interkontinentalen Markt Fuß fassen und Bremerhaven Konkurrenz machen. An der Weser werden derzeit sechs- bis siebenmal so viele Autos wie in Cuxhaven umgeschlagen. Da sei noch nicht das letzte Wort gesprochen, meint Cuxport-Geschäftsführer Peter Zint.

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