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Halbierte Olympia-Ausstellung

Martin-Gropius-Bau verzichtet auf Präsentation der modernen Spiele

Von Frank Hessenland

Die Plaung der Ausstellung "Olympia, Kult und Mythos" am Berliner Martin-Gropius-Bau verläuft schleppend
Die Plaung der Ausstellung "Olympia, Kult und Mythos" am Berliner Martin-Gropius-Bau verläuft schleppend (jirka-jansch.com)

Seit anderthalb Jahren plant der Berliner Martin-Gropius-Bau éine Ausstellung über Olympia. Wegen finanzieller Nöte wurde das Olympia-Museum in Katar an der Konzeption beteiligt. Nach internen Unstimmigkeiten mit dem Museum in Katar wurde der Teil über die modernen Olympischen Spiele jetzt offenbar abgesagt.

Es war der Zeithistoriker Andreas Nachama, der dem umstrittenen Projekt einer Ausstellung über die modernen Olympischen Spiele im Martin-Gropius-Bau letztlich den Todesstoß versetzte. Nachama, Direktor der Stiftung "Topographie des Terrors", hat in den 90er-Jahren eine Ausstellung über Olympia 1936 in Berlin kuratiert. Darum wurde er im März dieses Jahres vom Direktor des Ausstellungshauses Martin-Gropius-Bau, Gereon Sievernich, gebeten, gemeinsam mit anderen Historikern als wissenschaftlicher Beirat das Olympia-Ausstellungskonzept des federführenden Direktors des Sportmuseums Katar, Christian Wacker, zu bewerten.

"Ich will es mal so sagen, wer von 1896 bis heute die Olympischen Spiele der Moderne überblickt, der wird begreifen, dass man in drei, vier Kabinetten des Gropius-Bau so etwas guterdings nicht darstellen kann. Es gab aber auch kein wirkliches Konzept. Und das zu einem Zeitpunkt am 15.März dieses Jahres, wo schon der Eröffnungstermin Ende August sozusagen in Sichtweite war. Und das kann man guterdings als Wissenschaftler, als Historiker nicht machen."

Die Beiratssitzung im März mit Vertretern des Hauses der Geschichte, der Topographie des Terrors, des Deutschen Olympischen Sportbundes und des IOC sei ungeordnet verlaufen, sagen mehrere Beteiligte. Sporthistoriker widersprachen Zeithistorikern: Soll man nun die Räume füllen mit Fotos von Olympiastadien, mit Fahnen, mit Medaillen, Devotionalien, den Belegen für die Infrastrukturverbesserungen oder mit Beiträgen über Hitler, Arafat, Reagan, Breschnew und Hu? Die Zeithistoriker konnten sich nicht durchsetzen, sagt Andreas Nachama:

"Sporthistoriker reden über Turnschuhe, Tartanbahnen und Medaillen. Zeithistoriker reden über politische Umstände. Hier ging es um die Frage der Olympischen Spiele im 20. Jahrhundert und der politischen Dimension, die es hätte haben müssen, in jedem Fall, nicht nur Berlin ’36 betreffend, und dazu war einfach nichts da."

Nachama handelte rasch. Noch in der Beiratssitzung forderte er, dass innerhalb von vier Wochen ein tragfähiges Konzept aus Katar vorliegen müsse. Nachdem dies nicht geschehen war, erklärte er Mitte April seinen Rückzug, auch wenn zu diesem Zeitpunkt die anderen Beiräte noch gern weiterarbeiten mochten. Nun wurde Ausstellungsleiter Christian Wacker vom Sportmuseum Katar nervös und forderte den Gropius-Bau auf, den lange verhandelten Kooperationsvertrag mit der Qatar Museums Authority endlich zu unterzeichen. Der bestimmt einerseits, dass die gesamte Ausstellung "Olympia – Kult und Mythos" mit ihren antiken und modernen Teilen vom Emirat Katar mitfinanziert wird und andererseits, dass Direktor Christian Wacker für den modernen Teil der Olympia-Ausstellung verantwortlich ist. Statt diesen Vertrag zu unterzeichnen, sagte der Gropius-Bau den Ausstellungsteil Olympia-Modern in einer Pressemitteilung ab.

"In Abstimmung mit den Partnern des Olympia-Ausstellungsprojekts, der federführenden Griechischen Kulturstiftung Berlin und der Qatar Museums Authority, hat der Martin-Gropius-Bau entschieden, diesen Ausstellungsteil nicht in Berlin zu präsentieren. Die kurze Vorbereitungszeit reichte leider nicht aus, den Ausstellungsteil zu den modernen Olympischen Spielen rechtzeitig für die Berliner Ausstellungsstation fertigzustellen."

Das Sportmuseum Katar wurde durch diesen Entschluss offenbar düpiert. Dort hört man, eine gemeinsame Entscheidung sei nicht erfolgt. Auch findet man es irritierend, dass der Gropius-Bau möglicherweise davon ausgeht, dass Katar den teuren antiken Teil der Ausstellung weiterhin mitfinanziert. Hierauf ist aus Doha zu hören, dass gemeinhin ohne einen Vertrag keine Gelder fließen können und dass dies auch in Katar so gehandhabt werde. Direktor Christian Wacker kommentiert den Vorgang in einer Email so:

"Leider ist der verhandelte Kooperationsvertrag zwischen dem Martin-Gropius-Bau und der Qatar Museums Authority vonseiten des Martin-Gropius-Baus bis heute nicht unterzeichnet worden. Es ist uns deshalb nicht möglich, in der Kürze der verbleibenden Zeit eine gute Ausstellung abzuliefern. Wir bedauern dies sehr, uns sind aber leider die Hände gebunden, hier weiterzumachen."

Ob es Gereon Sievernich nun noch gelingen wird, die Qatar Museums Authority zu überzeugen, ihr Geld doch noch in das Projekt "Olympia, Kult und Mythos" in Berlin zu stecken, scheint aus heutiger Sicht fraglich. Eine Anfrage an den Gropius-Bau und die mitverantwortlichen Berliner Festspiele, die geschilderten Vorgänge zu erläutern, blieb bislang unbeantwortet.

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