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HamburgHäme, Spott und Unverständnis über "Spiegel"-Cover am G20-Wochenende

Von Tobias Jobke
Das Cover des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zeigt am 8.7.17 einen Hamburger auf einer Hand und die Frage: "Essen oder nicht essen?" (Dlf24)
"Essen oder nicht essen?" - das fragt Der Spiegel in seiner Titelstory am 8.7.2017. (Dlf24)

Samstag, 8. Juli 2017: In Hamburg tagen die Top-Wirtschaftsmächte, am Rande des G20-Gipfels verwüsten Randalierer Teile der Stadt. Titelstory des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel": "Der Ernährungskult – Essen oder nicht essen?". Im Netz und in der Branche sorgt das für eine Qualitätsdiskussion.

Auf einer gepflegten Frauenhand liegt ein saftiger Hamburger, umgeben von einer Aura. Darüber die Frage "Essen oder nicht essen?". Der Spiegel, Platzhirsch unter den Nachrichtenmagazinen, setzt mit seinem Cover am Wochenende des G20-Gipfels, dem ersten Treffen der Top-Wirtschaftsmächte in Deutschland überhaupt, einen Kontrapunkt. Natürlich lässt das Magazin das Thema nicht aus, das Cover greift es ganz unten auf - mit einem schwarzen G20-Logo und einem Hinweis auf Gespräche mit dem kanadischen Premier Trudeau und der Globalisierungskritikerin Naomi Klein.

Im Netz sorgt das angesichts der Krawalle rund um den Gipfel und der zweifelhaften Ergebnisse des Treffens für Spott und Häme. Als einer der Ersten meldet sich Dominik Wichmann zu Wort, ehemaliger Blattmacher von stern und SZ-Magazin. Auf Facebook bringt er die anachronistische Titelstory in Zusammenhang mit "inspirationslosen, marktfernen Verlagsstrategien" und legt schließlich in einem weiteren Kommentar nach: "Das, was wir Leser hier vom Spiegel auf dem Cover zu diesem Zeitpunkt präsentiert bekommen, ist nunmal sehr einfallslos, schlecht und geradezu peinlich."

Unter seinem Facebook-Post pflichten Wichmann andere Größen der Print-Branche bei, etwa Ex-Bunte-Chefredakteurin Beate Wedekind oder Ex-Focus-Chef Jörg Quoos.

Nun könnte der Spiegel auf den ungünstigen Redaktionsschluss verweisen, der es den Redakteuren wohl kaum erlaubt hätte, eine umfassende, aktuelle Titelstory zu den Krawallen zu verfassen. Dass der Redaktion aber selbst die hintergründigen Gespräche über Globalisierung keinen Aufmacher wert sind, dürfte Leser des Magazins angesichts der Nachrichtenlage am G20-Wochenende zumindest irritiert haben.

Auf den ironischen Tweet der Dlf-Medienredaktion "War ja auch sonst nichts los diese Woche" reagiert das Social-Media-Team des Spiegels mit einem Verweis auf den G20-Sonderteil im neuen Heft und der G20-Titelstory der vorherigen Ausgaben. Doch Twitter-Nutzer @sunny_side_up kritisiert eben diesen Titel vom 17. Juni, der den G20-Gipfel in eine Reihe mit Elbphilharmonie und Schanzenviertel gestellt und als "Comeback einer Metropole" gewertet hatte.

Wie hätte der Spiegel das Dilemma lösen können? Die Dlf-Medienredaktion schlägt auf Twitter vor, bei einem so langfristig planbaren Großereignis den Erscheinungstag auf Montag zu verlegen. Der Spiegel geht darauf nicht ein und verweist lediglich auf seine Print- und Online-Berichterstatter beim G20-Gipfel. Interessant wäre, ob und wie sich der Ausreißer unter den samstäglichen Zeitungs- und Zeitschriftencovern auf die Verkaufszahlen auswirkt. Und wie das Spiegel-Cover am kommenden Samstag aussieht. Aber das werden wir ja bald erfahren...

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