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StartseiteKommentare und Themen der WocheDann doch lieber fürchterlich teure Konzerthäuser11.01.2017

Hamburgs ElbphilharmonieDann doch lieber fürchterlich teure Konzerthäuser

Ob die vielen Millionen, mit denen sich die Hamburger die Elbphilharmonie gebaut hätten, nicht besser anderswo hätten ausgegeben werden können - darüber lasse sich streiten, meint Axel Schröder. Doch sofern die Politik ihre Lehren aus dem Projekt gezogen habe, freue er sich über dieses Wunderwerk an der Elbe.

Von Axel Schröder

Orchester und Publikum vor dem Eröffnungskonzert in der Hamburger Elbphilharmonie (Foto: Andreas-Peter Weber)
Orchester und Publikum - kurz vor dem Eröffnungskonzert in der Hamburger Elbphilharmonie. (Foto: Andreas-Peter Weber)
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In einer Stunde wird es im Großen Saal der Elbphilharmonie ganz still werden. Und Chefdirigent Thomas Hengelbrock wird den Taktstock zum Eröffnungskonzert des Hauses heben, der Klang des Elbphilharmonie-Orchesters den Raum fluten. Es könnte der lang ersehnte Schlussstrich unter die wechselvolle, zum Teil skandalöse Geschichte des Bauwerks sein. Sicher ist das nicht.

Die Negativschlagzeilen, für die das Projekt gesorgt hat, sind bekannt: sieben Jahre Bauverzögerung, eine Verzehnfachung der Kosten auf fast 800 Millionen Euro, manipulierte Gutachten und ein Bürgermeister a.D. Ole von Beust, der millionenschwere Entscheidungen ohne Beteiligung der Bürgerschaft abgenickt hat. Er hatte die Elbphilharmonie aufs Gleis gesetzt und kümmerte sich offenbar nur ungern um die vielen Folgeprobleme. Angepackt wurden diese Probleme erst durch den Senat von Olaf Scholz. Die Kosten und der Zeitplan wurden seitdem eingehalten. Gekostet hat diese Neuordnung allerdings nochmal 200 Millionen Euro.

So schwindelerregend diese Zahlen sind, so beeindruckend ist das Ergebnis. Natürlich lässt sich über die Schönheit von Architektur streiten. Aber die Perfektion und Komplexität, mit der die Elbphilharmonie entworfen und gebaut wurde, sind beeindruckend und die gläserne Welle auf dem alten Kaispeicher in meinen Augen ein fantastisches Gebäude. Genauso fantastisch soll der Klang des Herzstücks, des Großen Saals sein. In wenigen Stunden wird auch darüber Gewissheit herrschen.

Das Leben feiern und Menschen zusammenbringen

Hamburg hat sich also ein Wunderwerk an die Elbe gebaut und die Bürgerinnen und Bürger, die es schon besichtigt haben, mit denen ich gesprochen habe, sind begeistert. Nun kommt es darauf an, dass das Haus auf Dauer so offen für alle bleibt, wie es derzeit geplant ist: Der Besuch der Plaza ist kostenlos, das Musikvermittlungsprogramm für junge und alte Menschen ambitioniert, die Ticketpreise - ab sechs Euro - für jedermann erschwinglich. Und die sechs Millionen Euro an jährlichen Subventionen sind überschaubar. Wenn es bei diesen Eckpunkten bleibt, kann die schrecklich teure Elbphilharmonie tatsächlich ein "Ort für alle" werden, dann hat sich die Investition gelohnt. Dann wird sie eben nicht der vielkritisierte Tempel für die reichen und reichsten Bürger der Stadt. Dann wird die Elbphilharmonie ein Ort, an dem Musik und Architektur gleichermaßen bewundert werden können.

Natürlich lässt sich darüber streiten, ob die vielen Millionen nicht anderswo besser hätten ausgegeben werden können. Und klar ist auch, dass die Elbphilharmonie nie gebaut worden wäre, wenn ihr Preis vorher bekannt gewesen wäre. Nun steht sie fertig an der Elbe, das Geld ist ausgegeben. Sofern die Politik ihre Lehren aus dem Projekt gezogen hat, freue ich mich jetzt an diesem Bauwerk und der Musik, die darin gespielt wird. Und denke an die vielen anderen Projekte, bei denen nicht hunderte Millionen, sondern viele Milliarden ausgegeben wurden. Für die Entwicklung von Jagdflugzeugen und Truppentransportern, die nicht fliegen, für Panzer, die in Krisengebiete exportiert werden.

Dann doch lieber fürchterlich teure Konzerthäuser, die das Leben feiern und Menschen zusammenbringen.

Axel Schröder (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Axel Schröder (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Axel Schröder, geboren 1971 in Uelzen / Niedersachsen, hat in Göttingen und Berlin Soziologie, Politik, Jura und Publizistik studiert. Nach Stationen bei der "taz" und dem "Freitag" arbeitet er seit 2003 als freier Hörfunkjournalist. Seit vier Jahren berichtet er als Landeskorrespondent von Deutschlandradio aus Hamburg.

 

 

 

 

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