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Handball-WM im InternetEine Notlösung

Die Übertragung der Handball-WM ist gerettet - so scheint es. Die DKB-Bank, der Sponsor des Deutschen Handball-Bundes, hat einen Millionenbetrag investiert, um die Spiele live im Internet zu zeigen. Doch die Übertragung sei trotz demonstrativen Lobes nur eine Notlösung, kommentiert Victoria Reith. Die 13 Millionen Zuschauer des letzten EM-Finales könne man so nicht erreichen.

Von Victoria Reith

Endspiel der Handball-EM: der Deutsche Rune Dahmke in voller Aktion. (AFP / Janek Skarzynski)
Endspiel der Handball-EM: der Deutsche Rune Dahmke in voller Aktion. (AFP / Janek Skarzynski)
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Banker genießen nicht gerade den Ruf von barmherzigen Samaritern. Und doch kann man den Eindruck gewinnen, dass es eine Bank ist, die den Handballsport in Deutschland am Leben erhält. So zumindest formulierte es Bob Hanning, der Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Handballbundes auf Twitter. "Dank an die DKB, sie hat unsere Sportart gerettet", schreibt er.

Die Deutsche Kreditbank, Sponsor des Deutschen Handball-Bundes und 100-prozentige Tochter der Bayerischen Landesbank, überträgt die Partien der Handball-Weltmeisterschaft ab Mittwoch - im Internet. Damit steht fest: Zwar wird es keine Live-Bilder vom Turnier im Fernsehen geben. Aber immerhin eine Möglichkeit für Handball-Fans in Deutschland, die Spiele der Mannschaft, die immerhin Europameister und Olympiadritter ist, bei der WM in Frankreich zu sehen.

Viele Probleme mit Streaming im Netz

Nicht nur ARD und ZDF, sondern auch Sky und andere Streaminganbieter waren in den Verhandlungen mit dem katarischen Rechteinhaber gescheitert. Nun springt also eine Bank ein. Doch der Jubel darüber greift zu kurz: Streaming im Netz statt Übertragungen im Free-TV, das ist die Zukunft. Doch aktuell bereitet es eine Menge Probleme.

Und zwar nicht, weil nun PR-Leute das Ruder übernehmen. Der Verband Deutscher Sportjournalisten zeigte sich heute alarmiert und warnte: Wenn nicht Journalisten das Geschehen filtern würden, sondern PR-Leute, dann habe das nichts mit objektiver Berichterstattung zu tun. Doch die findet bei anderen TV-Übertragungen ohnehin nur am Rande statt. Wer dem Zuschauer verkaufen will, was er zuvor für Millionensummen eingekauft hat, jubelt auch mal öffentlich bei einem Sieg deutscher Sportler, wenn er eigentlich neutral bleiben sollte.

Eine Hürde für die ältere Generation

Das Problem ist ein anderes. Die WM wird exklusiv im Netz übertragen. Keine Hürde für die junge, urbane Generation. Wohl aber für Ältere auf dem Land, die in ihrem Leben noch keinen Livestream bedient, aber dieses Handball-Turnier gerne im Fernsehen gesehen hätten.

Einige werden sich die moderne Technik von ihren Kindern installieren lassen, so der fromme Wunsch des Deutschen Handball-Bundes, wo man argumentiert: Diejenigen, die beim Turnier den Livestream des Sponsors einschalten, seien wenigstens komplett am Sport interessiert - im Gegensatz zum Zuschauer vor dem Fernseher, der zufällig reinzappt. So kann man sich eine geringere Reichweite natürlich auch schön reden. Die 13 Millionen Zuschauer vom EM-Finale jedenfalls wird der DKB-Stream sicher nicht erreichen.

Die Übertragung, wie sie jetzt stattfinden wird ist, allen demonstrativen Lobes zum Trotz, eine Notlösung. Die könnte den Zuschauern allerdings noch bis zum Dezember erhalten bleiben. Denn dann findet die Handball-WM der Frauen statt. In Deutschland. Und auch für dieses Turnier ist die TV-Übertragung noch nicht gesichert. Es wäre eine Blamage, würde das Turnier überall in der Welt im Fernsehen gezeigt werden - nur nicht im Gastgeberland.

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