• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 10:10 Uhr Lebenszeit
StartseiteCampus & KarriereHandel mit Doktortiteln07.09.2007

Handel mit Doktortiteln

Juraprofessor in Hannover verhaftet

Das Geschäft mit "Doktortiteln" kann mitunter kriminelle Züge annehmen. Das zeigt ein Blick nach Hannover. Dort erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Jura-Professor wegen Bestechlichkeit in 78 Fällen: Der Jurist soll gegen Bezahlung beim Doktortitel geholfen haben. Am Donnerstagmorgen spitzte sich die Situation dramatisch zu: Der Professor wurde vor seiner Wohnung verhaftet, da nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Fluchtgefahr besteht.

Von Michael Engel

Gekauft statt gemacht? (AP)
Gekauft statt gemacht? (AP)

Der 52-Jährige soll Juristen aus ganz Deutschland gegen Geld zu einem Doktortitel verholfen haben. Nach den Ermittlungen der Staatanwaltschaft Hannover gab es dafür jeweils 4100 Euro von einer Wissenschafts-Beratungsfirma in Bergisch-Gladbach. Oberstaatsanwalt Jürgen Lendeckel:

"Ihm wird vorgeworfen, dass er gegen Entgelt Pomotionswilligen Ausnahmegenehmigungen verschafft hat beziehungsweise dies für Promotionen zugesagt hat. Und dafür Geld genommen hat. Insgesamt soll er dafür ungefähr 184.000 Euro bekommen haben. "

Wenn die Doktoranden die für ein Promotionsverfahren erforderliche gute Examensnote nicht vorweisen konnten, hätten Gutachten des Professors die fehlende Examensnote ersetzt, so die Staatsanwaltschaft.

"Es steht auch im Raum, dass er bei Studentinnen, die ihm zur Ausbildung anvertraut waren, gegen sexuelle Handlungen der Studentinnen Noten besser gegeben hat, als er sie vielleicht ohne diese sexuellen Handlungen gegeben hätte. Das haben wir auch als Bestechlichkeit gewertet und auf Seiten der Studentinnen als Bestechung."

Den beiden angeklagten Studentinnen im Alter von 29 und 31 Jahren wird Bestechung in sieben beziehungsweise in einem Fall vorgeworfen. Mitangeklagt sind auch die beiden Geschäftsführer der Wissenschafts-Beratungsfirma in Bergisch-Gladbach. Seit einem Monat liegt die 185 Seiten umfassende Anklage beim Landgericht in Hildesheim. Gestern kam der Professor hinter Schloss und Riegel - wegen Fluchtgefahr:

"Hintergrund war, dass aufgrund bestimmter Erkenntnisse bei uns der dringende Verdacht bestand, dass er sich ins Ausland absetzt. Er hat offenbar Kontakte nach Südamerika versucht zu schaffen und wollte dort offenbar einer Arbeit nachgehen."

Eingeleitet wurden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aufgrund einer Strafanzeige der Universität Hannover. Das war vor drei Jahren. Seit Oktober 2005 - nach der Durchsuchung seiner Diensträume und der Bergisch Gladbacher Beratungsfirma - hat der Professor Hausverbot. Pressesprecherin Stefanie Beier:

"Also, es ist schon so, dass wir als Uni diesen Vorfall sehr bedauern. Sicherlich gehen wir aber davon aus, das ist ein Einzelfall. Und es ist natürlich auch so, dass wir jetzt froh sind, dass es zur Aufklärung gekommen ist, und auch, dass das Verfahren jetzt läuft. Und unsere Rolle ist jetzt so, dass wir das natürlich beobachten. Wir haben bei den Ermittlungen sehr geholfen, wir haben mit der Staatsanwaltschaft viel zusammen gemacht. Jetzt ist die Staatsanwaltschaft an dem Thema dran. Und im Weiteren wird es dann das Ministerium sein."

Gemeint ist das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Dort wird erwogen, dem Professor - im Falle einer Verurteilung - den akademischen Titel zu entziehen. Die Universität Hannover hat ihre Lehren schon gezogen: So wurde die Promotionsordnung dahin gehend geändert, dass eine kommerzielle Vermittlung von Promotionsverfahren nicht mehr zulässig ist. Außerdem müssen Doktoranden eine Erklärung unterschreiben, dass sie ihre Dissertation selbstständig verfasst haben. Was bleibt - ist ein ungutes Gefühl. Vor allem für jene Juristen, die bei dem jetzt angeklagten Professor promoviert haben. Ein Jura-Student im 12. Semester, der seinen Namen nicht nennen will, bringt es auf den Punkt:

"Es ist halt einfach bedauerlich, vor allem für die Leute, die auch promoviert haben bei ihm und vielleicht nicht in der Weise involviert waren. Diese Negativwirkung, die haftet jetzt irgendwo an, im schlimmsten Falle, und diese Wirkung ist sicherlich auch nicht im Interesse der Personen, die dann zumindest bei ihm promoviert haben. Es waren garantiert nicht alle - davon gehe ich aus, ich weiß es selber nicht - aber ich gehe nicht davon aus, dass nicht alle in der Weise involviert waren."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk