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StartseiteVerbrauchertippVorsicht beim Umgang mit dem schlafenden Gift19.12.2017

Handwerker und AsbestVorsicht beim Umgang mit dem schlafenden Gift

Asbest ist gefährlich und kann krebserregend sein. Daher ist es seit 1993 in Deutschland verboten. Doch noch immer schlummert das Material in vielen älteren Wohnungen und Häusern. Wer als Heimwerker saniert, sollte daher Vorkehrungen treffen, um nicht mit Asbest in Kontakt zu geraten.

Von Claudia Ullrich-Schiwon

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Ein Warnschild mit der Aufschrift "Vorsicht Asbest - Tödlich Giftig" hängt am Freitag (18.11.2011) bei einer Protestaktion der Bürgerinitiative "Stoppt die Deponie Schönberg" vor der Schweriner Staatskanzlei an einem Transportsack. Bürgerinitiativen befürchten Gesundheitsgefährdungen durch die krebsauslösenden Fasern. (dpa / Jens Büttner)
Eternitrohre, Zement, Wandputz, Floor-Flex-Bodenplatten oder Dämmmaterialien: Asbest kann sich in vielen älteren Bauprodukten verstecken (dpa / Jens Büttner)
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Mitten in der Altstadt von Münster wird ein älteres Haus von einer Fachfirma entkernt und saniert. Claus Müller, Schadstoffexperte und Chef des Unternehmens steht im ehemaligen Badezimmer:

"Da oben sehen wir die sogenannte Kölner oder Berliner Lüftung, das sind so Lüftungsgitter in Bädern, die keine eigene Tageslichtöffnung haben und hinter diesen Lüftungsschlitzen verbirgt sich häufig ein asbesthaltiges Abluftrohr."

Fasern gelangen in die Lungen

Immerhin: So lange man bei den Stemmarbeiten an den Fliesen das Rohr nicht beschädigt, wird kein Asbest freigegeben, sagt Claus Müller.

"Asbest im eingebauten Zustand ist völlig unbedenklich. Ich sag mal, wenn die Asbestprodukte gebrochen werden, fangen sie an, Fasern zu emittieren. Und die wiederum sind lungengängig und für den Menschen halt sehr gefährlich."

Deshalb ist beispielsweise Vorsicht geboten bei Eternitrohren oder Eternitplatten. Asbest ist aber auch in Zement, Wandputz, Floor-Flex-Fußbodenplatten, in alten Dämmmaterialien oder Klebstoff zu finden. Auch hier gilt: Wenn der unwissende Heimwerker Löcher bohrt, Kacheln abschlägt, den Fußboden entfernt, besteht das Risiko mit Asbest in Kontakt zu geraten.

"Früher hat dann der Fliesenleger so eine Handvoll Asbest einfach untergemischt, damit das Produkt fester oder härter wird. Oder der Maler hat beim Spachteln eine Handvoll Asbest mit in seinen Putz geschmissen und diese Produkte zu finden das ist schon unglaublich schwierig."

Vorsicht bei Bauten aus den 70er- bis 90er-Jahren

Denn Asbestfasern sind so fein und klein, dass man sie nur unter einem speziellen Mikroskop identifizieren kann. Der Laie kann nicht ohne Weiteres erkennen, ob in einem Produkt Asbest enthalten ist. Ein Anhaltspunkt kann der Zeitpunkt sein, in dem in einem älteren Haus bereits einmal saniert oder modernisiert wurde. Ist dies in den 70er- bis 90er-Jahren geschehen, dann ist Vorsicht geboten.

Will der Heimwerker jetzt beispielsweise nur sein Bad neu kacheln und weiß nicht, ob die Kacheln früher mit einem asbesthaltigen Kleber befestigt wurden, dann empfiehlt Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt, vorher eine Material oder Staubprobe von Spezialisten prüfen zu lassen.

"Dann reicht es völlig aus, wenn an einer Stelle im Badezimmer der Kleber durch eine Bohrprobe entnommen wird, untersucht wird das kann so 200 bis 300 Euro kosten, viel teurer dürfte das allerdings nicht sein."

Ganz wichtig: Atemmaske

Der Heimwerker kann jedoch auch selbst präventive Maßnahmen zum Schutz seiner Gesundheit ergreifen, sagt Heinz-Jörn Moriske. Im Fachhandel gebe es beispielsweise Atemmasken, bei Asbestgefahr schütze die Partikelklasse 2. Auch eine Bohrmaschine mit einem Staubschutzaufsatz kann dafür sorgen, dass möglichst wenig Staub in die Raumluft gelangt. Sollte der Haus- oder Wohnungsbesitzer jedoch größere Sanierungsarbeiten vorhaben, dann müsste ein Fachmann eingeschaltet werden, empfiehlt der Experte vom Umweltbundesamt.

"Fußbodenbeläge, bei denen der Kleber asbesthaltig sein kann, oftmals in Verbindung mit Teer, und dann sind es natürlich die Bodenbeläge selbst. Da gibt es sogenannte Floor-Flexplatten oder Cushion-Vinyl Beläge als Gesamtbelag, der durchaus auch Asbest enthalten kann. Da sollten sie als Laie gar nicht selber rangehen, sondern immer eine Fachfirma, damit da hinterher keine Gefährdung übrig bleibt."

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